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BVB-Sieg im Topspiel gegen Borussia Mönchengladbach: Fünf Erkenntnisse

Von Jonas Rütten

Es war ein hartes Stück Arbeit, aber am Ende holte der BVB im Topspiel gegen Spitzenreiter Borussia Mönchengladbach drei wichtige Punkte zum Auftakt in die schwarz-gelben Wochen der Wahrheit. Das Ende einer Krise? Der Anfang vom Ende des Gladbacher Höhenflugs? SPOX und Goal fassen die fünf wichtigsten Erkenntnisse des Dortmunder 1:0-Erfolges zusammen.

Am Ende war das "Wie" allen egal, denn zum ersten Mal seit Mitte September (4:0 gegen Leverkusen) stimmte bei Borussia Dortmund in der Bundesliga endlich wieder das "Was". Als Schiedsrichter Sascha Stegemann nach fast 97 Minuten Spielzeit abpfiff, hatte der BVB endlich erstmals seit jenem 14. September ein Bundesliga-Spiel für sich entschieden.

"Hauptsache gewonnen", entfuhr es dem Dortmunder Kapitän Marco Reus nach dem Schlusspfiff am Mikrofon von Sky. Während Trainer Lucien Favre von einem "verdienten Sieg" sprach, gab der Nationalspieler offen zu, dass das Spiel nach der BVB-Führung erneut "hätte kippen können". Warum das nicht passiert ist, was der BVB-Sieg und die Gladbach-Niederlage bedeuten und warum der BVB ein Strategieproblem hat, fassen SPOX und Goal in fünf Erkenntnissen zusammen.

1. Der BVB-Kader ist exzellent zusammengestellt

Es war DIE Meldung am Samstagmittag. "Lucien Favre streicht Jadon Sancho aus dem Kader für das Spiel gegen Gladbach." Jenen Sancho, der auch in den zurückliegenden, recht erfolglosen Wochen der Dortmunder ein Lichtblick und Leistungsträger gewesen war (vier Tore, sieben Vorlagen).

Eine disziplinarische Maßnahme zum ungünstigsten Zeitpunkt also, zumal in Mario Götze und Paco Alcacer zwei weitere Offensiv-Kräfte gegen Gladbach fehlten. Und dennoch stellte sich Lucien Favre vor dem Spiel hin und sagte, dass der BVB auch ohne Sancho "ein paar Möglichkeiten habe". Das Vertrauen des Trainers in den Kader war berechtigt.

Offensiv machten Thorgan Hazard und Julian Brandt anstelle von Sancho und Alcacer/Götze jeweils gute Spiele. Defensiv konnte Favre neue Wege gehen mit dem neuen Innenverteidiger-Paar Julian Weigl und Mats Hummels und Manuel Akanji auf rechts. Und da wäre noch die Sache mit den BVB-Torhütern.

Während Roman Bürki, in der ersten Halbzeit dreimal glänzend reagierte, zeigte auch Marwin Hitz nach Bürkis verletzungsbedingter Auswechslung sein Können und rettete dem BVB mit einer starken Parade gegen Florian Neuhaus kurz vor Schluss den Sieg. "Wir müssen uns heute bei Roman Bürki und Marwin Hitz bedanken", sagte Reus hinterher.

Oder aber bei Michael Zorc, Hans-Joachim Watzke, Matthias Sammer und Co., die im Sommer und auch schon davor einen exzellenten, weil sehr ausbalancierten Kader zusammengestellt haben. Dieser war der Dortmunder Trumpf im Spiel gegen Gladbach.

BVB-Spielplan bis Anfang November: FC Bayern als Krönung

DatumUhrzeitWettbewerbGegner
19. Oktober18.30 UhrBundesligaBorussia Mönchengladbach (H)
23. Oktober21 UhrChampions LeagueInter Mailand (H)
26. Oktober15.30 UhrBundesligaFC Schalke 04 (A)
30. Oktober20.30 UhrDFB-PokalBorussia Mönchengladbach (H)
2. November15.30 UhrBundesligaVfL Wolfsburg (H)
5. November21 UhrChampions LeagueInter Mailand (A)
9. November18.30 UhrBundesligaFC Bayern München (A)

2. Hazard und Brandt beim BVB: Gut Ding will Weile haben

"Hier in Dortmund waren wir mit den Neuzugängen - gemessen an der Außendarstellung und den Erwartungen - vor der Saison gefühlt schon Meister", sagte Nico Schulz vor nur wenigen Tagen in der Frankfurter Rundschau. Er muss es wissen, schließlich ist er einer dieser Neuzugänge im Sommer, die die Erwartungshaltung an und rund um den BVB in neue Höhen hoben.

Zwei Spieler, die dieses Schicksal teilen, sind Thorgan Hazard und Julian Brandt. Beide kamen für jeweils gut 25 Millionen Euro zum BVB und beide hatten und haben mit Anlaufschwierigkeiten in Dortmund zu kämpfen. Besonders Brandt tat das in den vergangenen Wochen. Während Hazard sich unter Favre, der ihm zu Gladbacher Zeiten einst zum Bundesliga-Debüt verholfen hatte, einspielen durfte und regelmäßig in der Startelf stand, pendelte Brandt immer wieder zwischen Bank und Stamm-Elf hin und her.

Seine Zeit in Dortmund sei deshalb "noch kein Märchen" erklärte Brandt. Erste Medien titelten gar schon: "Der Königstransfer wird zum Sorgenkind", weil Brandt unter Favre noch keine Rolle und keine feste Position habe. Gegen Gladbach fand sich Brandt in der Position des Stürmer-Zehner-Hybriden wieder, mit Reus in der Spitze. Hochengagiert ging er zu Werke, holte sich viele Bälle ab, strahlte Gefahr aus, traf sogar zum vermeintlichen 2:0, das wegen einer Abseitsstellung von Reus nicht gegeben wurde. Fazit: Es wird so langsam aber sicher.

Hazard ist derweil schon allein aufgrund der klaren Position und der Spielzeit einen Schritt weiter. Der Belgier aber machte gegen seinen Ex-Klub, bei dem er vor Jahren auch schon einige Anlaufschwierigkeiten hatte, sein bis dato bestes Spiel im BVB-Trikot.

An elf der 20 Dortmunder Torschüsse war Hazard direkt beteiligt, den Siegtreffer bereitete er vor, auch ein eigenes Tor gelang ihm - sein erstes für den neuen Klub. Dass es nach VAR-Kontrolle nicht zählte, lag nur daran, dass Reus nicht Schuhgröße 37 sondern 41 hat. 2,5 Zentimeter in der Fußlänge trennen diese beiden Schuhgrößen und tiefer stand Reus bei seiner Kopfballablage geschätzt nicht im Abseits.

"Karma", meinten viele, weil sich Hazard entgegen des ungeschriebenen Gesetzes, gegen den Ex-Klub beim Torerfolg nicht zu jubeln, ausschweifend gefreut hatte. Daran dass er und Brandt aber zu überzeugen wussten, änderte auch das aberkannte Tor nichts.

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3. BVB-Innenverteidigung: Weigl muss neben Hummels spielen

Es gab in den vergangenen Wochen einige BVB-Spieler, die unter ihrem Niveau agierten. Am formschwächsten aber präsentierte sich Manuel Akanji in der Innenverteidigung. Zahlreiche Unkonzentriertheiten in Köln, ein grober Schnitzer vor dem 1:2 bei Union, bei Frankfurts 1:1 Torschütze Silva aus den Augen verloren, in Freiburg vor dem 1:1 zu zaghaft herausgerückt, dazu noch die schwache Klärung und das anschließende Eigentor in der Schlussminute.

Das war vor dem Spiel gegen Gladbach wohl nun auch Favre aufgefallen, der erstmals auf das Innenverteidiger-Duo Mats Hummels und Julian Weigl setzte. Am Ende stand erstmals in der Bundesliga seit Mitte September die Null - wenn auch angesichts der Gladbacher Hochkaräter etwas glücklich.

Akanji verteidigte auf der rechten Seite und stellte Alassane Plea über weite Strecken der Partie kalt. Er wirkte souveräner als zuletzt in der Innenverteidigung und gewann Laufduelle, auch wenn sein einziger Fehler - ein unmotivierter Kopfball in die Füße von Denis Zakaria - fast das 0:1 zur Folge gehabt hätte. Offensiv ging zwar nicht viel, aber der Schweizer tat gut daran, sich auf die Basics zu konzentrieren.

Weigl zeigte hingegen im Zentrum neben Hummels wie schon so oft in der vergangenen Spielzeit eine gute Leistung. 95 Prozent Passquote, 90 Prozent Zweikampfquote, nur zwei Ballverluste (BVB-Tiefstwert) und ein traumhafter Ball auf Brandt in der Schlussphase. Weigl empfahl sich nachhaltig für den Job als Stamm-Innenverteidiger neben dem gesetzten Hummels, der Mutmaßungen zufolge nicht das beste Verhältnis zu Akanji haben soll.

Der Grund: Hummels war von Favre als dritter Kapitän in den Mannschaftsrat berufen worden. Das Amt, das zuvor Akanji bekleidet hatte. Der Schweizer lehnte daraufhin eine Rolle im Mannschaftsrat ab. Das Spiel hat gezeigt, dass Weigl aktuell der beste Innenverteidiger nach Hummels beim BVB ist, also muss er dort auch spielen. Auch wenn der 24-Jährige selbst lieber auf der Sechs spielen würde.

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Könnten das neue Innenverteidiger-Duo beim BVB werden: Mats Hummels und Julian Weigl.

4. Der BVB hat ein Strategie-Problem

"Reus schießt den BVB aus der Krise", hieß es in den Sportnachrichten-Agenturen Deutschlands am Samstagabend. Aber ist dem wirklich so? Zugegeben, der BVB hat die Remis-Serie beendet und dann auch noch den aktuellen Spitzenreiter der Bundesliga geschlagen. Von Krise kann also keine Rede mehr sein, oder?

Ganz so einfach ist es nicht. Denn dass der BVB das Topspiel überhaupt gewann, war auch der Gladbacher Unfähigkeit vor dem Tor, sowie einer zweifelhaften Entscheidung von Schiedsrichter Sascha Stegemann geschuldet. Der hatte den Fohlen einen Foulelfmeter nach Hummels-Tackling gegen Patrick Herrmann verweigert. Spätestens nach Ansicht der TV-Bilder hätte der VAR eingreifen und umentscheiden müssen.

Gegen Gladbach ging alles gut, auch wenn der BVB eigentlich noch mehr Chancen zugelassen hatte als in den Spielen, in denen er zuletzt seine Führung in aller Regelmäßigkeit verspielte. 2:6 Torschüsse und ein Expected-Goals-Verhältnis von 0,61 zu 1,94. So lautete die Bilanz von Dortmund gegen Gladbach nach dem Treffer von Reus.

Die Probleme des BVB sind also immer noch die gleichen. "Wir haben uns wieder tief hinten reindrücken lassen. Wir müssen lernen, uns nicht soweit zurückfallen zu lassen", nannte Reus das Kind in seiner Analyse bei Sky beim Namen. "Lernen, Führungen clever zu verteidigen", hätte er auch sagen können.

Denn als Hitz kurz vor Schluss grandios gegen Neuhaus parierte, wechselte Favre zwei weitere Defensiv-Spieler ein (Dan-Axel Zagadou und Lukasz Piszczek), um mit dann acht Defensiven die Führung irgendwie zu ermauern. "Ein strategisches Problem" nannte das Taktik-Experte Tobias Escher auf Twitter: "Eine Führung zu verteidigen, indem man immer passiver wird und Verteidiger um Verteidiger einwechselt, beraubt das eigene Team der Kontergefahr. So bleibt es bei einem Tor Vorsprung und alles kann passieren."

Gegen Gladbach passierte es nicht, was aber nicht an Dortmunder Verteidigungskünsten lag, sondern an Bürki, Hitz und dem VAR.

5. Borussia Mönchengladbach ist noch kein Spitzenteam

Für Borussia Mönchengladbach war die Partie in Dortmund eine Standortbestimmung. Nach vier Siegen in der Bundesliga in Folge reiste die Elf vom Niederrhein als Tabellenführer in den Signal-Iduna-Park. Das 0:1 beim BVB zeigte jedoch, dass Gladbach zwar nah dran an einem selbsterklärten Meisterschaftsanwärter ist, aber noch nicht zur absoluten Spitze gehört.

Ein "sehr ordentliches Spiel" habe man gemacht, sagte Trainer Marco Rose, aber "in Dortmund brauchst du auch ein gewisses Quäntchen Glück, weil sie natürlich schon eine große individuelle Qualität haben."

Diese fehlt der Borussia noch hier und da. In der Viererkette zum Beispiel, wo Nico Elvedi und Tony Jantschke in Abwesenheit des verletzten Matthias Ginter zwar beherzt kämpfen, aber auch immer für Patzer und Wackler gut sind. Wo Oscar Wendt zwar auf links nach acht Jahren Vereinszugehörigkeit Kultstatus besitzt , aber gegen schnelle Außen wie Ex-Kollege Hazard oder Achraf Hakimi keine allzu gute Figur abgibt.

Bezeichnend ist es daher schon fast, dass der beste Gladbacher an diesem Abend eigentlich gar nicht spielen sollte. Nur 13 Tage nach seinem gegen Augsburg erlittenen Außenbandriss stand Rechtsverteidiger Stefan Lainer wieder in der Startelf und machte ein hervorragendes Spiel.

Dass die Borussia überhaupt als Tabellenführer nach Dortmund gekommen war, zeigt, dass das Konzept von Rose bereits nach kurzer Zeit greift und reift. Das Offensiv-Trio um Marcus Thuram, Alassane Plea und Breel Embolo ist hochtalentiert, ebenso wie das Zentrum um Denis Zakaria, Florian Neuhaus und Laszlo Benes.

Eine gute Nachricht ist auch, dass Kapitän Lars Stindl nach seinem Schienbeinbruch zum ersten Mal seit April wieder auf dem Platz stand und sich gleich gut einfügte. Für ganz oben wird es aber dennoch noch nicht reichen.

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