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NFL: Erkenntnisse aus der ersten Pleite der San Francisco 49ers gegen die Seattle Seahawks

Von Marcus Blumberg

Die San Francisco 49ers haben ihre erste Niederlage der Saison in einem teils chaotischen Overtime-Krimi gegen die Seattle Seahawks kassiert. Das Spiel lieferte ein paar wichtige Erkenntnisse für den weiteren Verlauf der Saison im Hinblick auf den Kampf um die NFC West. Manches jedoch basierte eher auf Zufall.

War es das Spiel des Jahres? In jedem Fall ist es in der Verlosung. Die Seahawks ringen die 49ers nieder, deren bislang perfekte Saison nun auch beendet ist. Wie bei den Patriots vor Wochenfrist endet auch die Perfektion der Niners nach acht Siegen in Serie.

Doch was sagt das nun über das Kräfteverhältnis in der NFC aus? Zunächst einmal nicht so wahnsinnig viel, denn hier trafen zwei Teams aufeinander, von denen wir ohnehin schon wussten, dass sie nahezu auf Augenhöhe agieren würden. Zwei Teams, die wohl bis zum Schluss um die NFC West kämpfen werden - buchstäblich sogar, denn das "Rückspiel" ist in Woche 17 in Seattle!

Der Erkenntnisgewinn des Monday Night Games von Woche 10 ist überschaubar, zu viele Faktoren spielten in das Ergebnis rein, die so nicht zu erwarten waren.

Die Niners mussten fast das ganze Spiel ohne ihren Top-Receiver Emmanuel Sanders auskommen, nachdem sie von vornherein schon ohne Tight End George Kittle - die wohl wichtigste Waffe dieser Offense - antraten. Und: Beide Offensive Tackles, Joe Staley und Mike McGlinchey, kamen gerade erst von längeren Verletzungspausen zurück.

San Francisco 49ers: Gebrauchter Tag für Jimmy Garoppolo

Das erklärt zumindest teilweise, warum Quarterback Jimmy Garoppolo einen gebrauchten Tag erwischte, der noch weitaus schlimmer hätte laufen können. Allein in der Schlussphase des vierten Viertels sowie in der Overtime hätten die Seahawks in mindestens vier Plays Interceptions gegen Jimmy G fangen können, vielleicht sogar müssen!

Und das lag nicht nur am plötzlich - plötzlich, da Seattle hier bislang eher im unteren Liga-Durchschnitt zu finden war - furchteinflößenden Pass-Rush der Seahawks um Jadeveon Clowney oder Jarran Reed, der die Mitte dominierte. Garoppolo war unsicher und teilweise sehr nervös in der Pocket. Zwölf Sacks hatte Garoppolo bisher in der Saison kassiert, fünf weitere und eine Vielzahl an Pressures kamen am Montagabend dazu.

Fehler prägten generell das Offense-Bild, das bestätigte auch Niners-Coach Kyle Shanahan anschließend. "Natürlich ist es enttäuschend wenn du nicht gewinnst, vor allem, wenn du mehrere Gelegenheiten dazu hattest", gab Shanahan nach der Partie zu. "Die Jungs haben hart gespielt und die Defense war unglaublich. Die Offense hat heute alles gegeben, aber auf der Seite des Balls hatten wir viel zu viele Fehler, um dieses Spiel zu gewinnen."

Viele Fehler auch bei den Seahawks

Auf der anderen Seite aber machten auch die Seahawks erstaunlich viele Fehler. Nicht nur die schockierende Interception von Russell Wilson in der Red Zone in der Overtime sticht heraus. Der Fumble von Rashaad Penny hätte schmerzhaft sein können, der von D.K. Metcalf kurz vor der Endzone verhinderte einen Touchdown und auch der Fumble von Wilson - unter freundlicher Mithilfe seines Tackles Germain Ifedi - half nicht.

Erneut wurde deutlich, dass die Offensive Line vor Wilson ein Problem ist und bleibt - Guard Mike Iupati schlief tief und fest bei zwei Sacks durch Blitzes über die Mitte. Und Left Tackle Duane Brown war nicht in der Lage, den blitzenden Cornerback (!) K'Waun Williams zu blocken.

Und dass Head Coach Pete Carroll und Offensive Coordinator Brian Schottenheimer ihr Team weiter durch teils lausiges Play-Calling - sture Laufspielzüge in Early-Downs vorneweg - fast selbst sabotieren, bleibt unbegreiflich. Es wurde in diesem Spiel erst besser, als Wilson die Partie an sich riss und selbst Plays machte. Teils mit Scrambles, teils mit schnellen Pässen, etwa mit Screens. Erschwert wurde auch ihm die Aufgabe spät im Spiel, als Tyler Lockett verletzt raus musste.

Die Formel gegen San Francisco?

Die Erkenntnis, die dieses Spiel jedoch liefert, ist die, dass die Niners dann Probleme bekommen, wenn der Lauf gestoppt wird. Die Seahawks hielten San Francisco bei 3,2 Yards pro Carry und ließen abgesehen von einem 22-Yard-Run von Tevin Coleman hier keine Big Plays zu.

Das rückte Garoppolo in den Fokus, der diesem Druck dieses Mal nicht gewachsen war. Bereits in der Vorwoche hatte Arizona das Run Game der 49ers limitieren können - damals spielte Garoppolo gegen eine schwache Cardinals-Pass-Defense seine vermutlich beste Partie. Die Frage wird nun lauten: Kann er das Team häufiger tragen, wenn er es tragen muss? Denn spätestens Richtung Playoffs wird dieses Szenario mutmaßlich noch das ein oder andere Mal auftreten.

Die Seahawks wiederum bewiesen sich selbst, dass sie auch 2019 gute Teams schlagen, in jedem Fall aber bis zum Schluss mithalten können. Dass ihnen das an einem Tag gelang, an dem MVP-Kandidat Russell Wilson nicht gut spielte, ist umso ermutigender.

Das Schlussprogramm der San Francisco 49ers

WocheDatumGegner
1117. NovemberCardinals
1224. NovemberPackers
131. Dezember@ Ravens
148. Dezember@ Saints
1515. DezemberFalcons
1622. DezemberRams
1729. Dezember@ Seahawks

Beide Teams haben gemeinsam, dass sie bislang eher überschaubare Schedules hinter sich haben. Der Weg der Seahawks war etwas härter, da sie schon auf die Baltimore Ravens (16:30) trafen, was den Niners noch bevorsteht.

Die Seahawks hatten bislang fünf Spiele gegen Teams mit aktuell positiver Bilanz. Ihre Bilanz: 3-2. Die Niners? 3-1. Das Schlussprogramm hat es gerade für Letztere jedoch in sich: Die Packers warten noch, die Ravens, die Saints und nochmal die Seahawks und Rams in den finalen zwei Wochen der Saison. Die Seahawks wiederum dürften ihre größten Prüfungen abgesehen von den Niners in Philly und gegen Minnesota haben.

Das Schlussprogramm der Seattle Seahawks

WocheDatumGegner
1117. NovemberBYE
1225. November@ Eagles
133. DezemberVikings
149. Dezember@ Rams
1515. Dezember@ Panthers
1622. DezemberCardinals
1729. Dezember49ers

Für die Niners ist es der erste Rückschlag, nachdem sie in der Vorwoche zumindest mal leicht zittern mussten beim 28:25-Erfolg über die aufstrebenden Arizona Cardinals. Spannend wird es nun sein zu sehen, wie die Truppe von Coach Shanahan damit fertig wird. Und ob die Konkurrenz Schlüsse aus dem Spiel zieht.

Ein Schluss wäre wohl, die Box dicht zu machen, was aber auch nach hinten losgehen kann, wenn Garoppolo mit präziseren Pässen die Man-Coverage überwindet. Generell jedoch weiß nun auch die Konkurrenz, dass die Niners nicht unschlagbar sind. Jedenfalls dann, wenn man ihr Laufspiel stoppt, Jimmy G unter Drucks setzt und selbst zahlreiche Fehler minimiert.

Zudem kann eine gewisse Portion Chaos nicht schaden.

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