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NBA - Oral History über den kometenhaften Aufstieg von Jeremy Lin: Wie Linsanity die Welt eroberte

Von Philipp Jakob

Doch selbst beim sportlichen Aspekt von Linsanity waren nicht alle Beteiligten vollends begeistert vom aufstrebenden Superstar. Head Coach Mike D'Antoni berichtete Jahre später von einem gewissen Groll mancher Starspieler gegenüber Lin. Vor allem Melo soll mit dem vielen Scheinwerferlicht für seinen Teamkollegen nicht besonders glücklich gewesen sein.

Amar'e Stoudemire (ehemaliger Knicks-Star auf einer Pressekonferenz 2016): Nicht jeder war ein Fan davon, dass Lin der neue Star war. Aber Jeremy war ein großartiger Teamkollege. Er hat hart gearbeitet und wir sind stolz darauf, dass er seinen Moment hatte. Manchmal musst du einfach den Erfolg eines anderen genießen, das war bei uns aber nicht immer der Fall.

Landry Fields: Bei den Starspielern gab es vielleicht innerlich ein bisschen Unmut gegenüber Jeremy. Aber das wurde nie wirklich zum Ausdruck gebracht, zumindest habe ich das nie mitbekommen. Vielleicht hat Coach D'Antoni das anders wahrgenommen.

Dan D'Antoni: Die Stars des Teams hätten nicht zugelassen, dass es so weitergeht. Welche Gründe auch immer da eine Rolle gespielt haben. [Als Anthony zurückkam] mussten wir unseren Spielstil anpassen und dieser Spielstil hat nicht so gut zu Jeremy gepasst. Das ist der Schlüssel. Wenn Jeremy dieses System läuft, das Mike mit Steve Nash in die NBA gebracht hat, dann ist er ein Topspieler. Wenn man ihm das aber wegnimmt, dann ist er es nicht mehr.

Letztlich ebbte Linsanity genauso schnell ab, wie sie kam. Nach der Erfolgsserie folgten sechs Pleiten in Folge, die D'Antonis nahmen ihren Hut, Mike Woodson übernahm als Head Coach.

Dan D'Antoni: Das war Mikes Entscheidung, ich bin ja quasi nur der Anhang. Er weiß immer ganz genau, wo sich Erfolg einstellen kann und wo nicht. Und wenn er keine Erfolgsaussichten sieht, dann sucht er eine neue Herausforderung. Er konnte den Knicks nicht mehr helfen, so wie dort Basketball gespielt werden sollte. Eines ist klar: In der NBA müssen Teambesitzer, General Manager, Head Coach und Starspieler auf einer Wellenlänge sein, damit eine Franchise Erfolg haben kann. Er hatte nicht das Gefühl, dass das in New York der Fall war.

Jeremy Lin: Seine Karrierestatistiken in der NBA

TeamSaisonsG / MINPunkteAssistsReboundsFG%3FG%
Warriors129 / 9,82,61,41,238,920,0
Knicks135 / 26,914,66,23,144,632,0
Rockets2153 / 30,713,05,22,844,334,8
Lakers174 / 25,811,24,62,642,436,9
Hornets178 / 26,311,73,03,241,233,6
Nets237 / 24,514,65,13,643,737,3
Hawks0,551 / 19,710,73,52,346,633,3
Raptors0,523 / 18,87,02,22,637,420,0
Gesamt9480 / 25,511,64,32,843,334,2

Linsanity in New York: "Für mich ist das ein Sieg für Jeremy"

Kurz darauf beendete ein Meniskusriss Lins Saison. Zwar retteten sich die Knicks in die Playoffs, dort kassierten sie aber eine 1-4-Pleite in der ersten Runde gegen den späteren Champion aus Miami. Lin hatte da bereits sein letztes Spiel im Trikot der Knicks absolviert, das wusste zu dem Zeitpunkt aber noch niemand. Der Restricted Free Agent unterschrieb im Sommer ein lukratives Angebot von den Rockets (3 Jahre, 25,1 Millionen Dollar - Zitat Melo: "Lächerlich"), das die Knicks nicht mitgingen.

In Houston lebte Lin allerdings im Schatten des wenig später per Trade verpflichteten James Harden. Nach zwei Jahren ging es weiter zu den Lakers, später hatte er noch gute Jahre bei den Hornets und Nets, bevor ein Patellasehnenriss seine Laufbahn ins Wanken brachte.

Dan D'Antoni: Er musste in einem System wie dem unseren spielen, um wirklich zu funktionieren. Und er musste den Ball viel in den Händen halten. Du musst ihm den Ball geben und ihm das Team überlassen. Wenn das der Fall gewesen wäre, hätte er eine längere und bessere NBA-Karriere hingelegt. Wenn du das nicht machst, dann bin ich mir nicht sicher, wie gut er noch ist.

Landry Fields: Man kann nur spekulieren, warum es anschließend nicht mehr geklappt hat. Wenn man das Team wechselt, dann ändern sich auch das Spielsystem und die Dynamik. In New York hatten wir eine perfekte Umgebung für einen Spieler wie Jeremy. Wenn sich diese Variablen aber verändern, dann klappt es vielleicht nicht mehr so gut.

Frank Chi: Er hatte noch ein paar großartige Jahre mit den Hornets und Nets, bevor ihm Verletzungen zu schaffen machten. Zwar hat er nicht über seine komplette Laufbahn 25 Punkte pro Spiel aufgelegt, man muss sich seine Karriere aber als Ganzes anschauen. Es ging los an dem Punkt: Hey, wenn du heute nicht gegen die Nets performst, dann wirst du entlassen. Und es endete bei einer neunjährigen NBA-Karriere. Für mich ist das ein Sieg für Jeremy.

Nach der schweren Knieverletzung fasste Lin in der NBA nicht mehr wirklich Fuß, wurde zwar als Reservist mit den Raptors 2019 Champion, doch später scheiterte nochmal ein Comebackversuch in der G-League. Dafür feierte er bei den Beijing Ducks in China Erfolge - und Linsanity kann ihm ohnehin niemand mehr nehmen.

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