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NBA - Minnesota Timberwolves inmitten einer erneuten Katastrophen-Saison: Der Hölle so nah

Von Philipp Jakob

Knapp die Hälfte der Saison 2020/21 ist gespielt und schon jetzt können die Minnesota Timberwolves alle Hoffnungen auf die Playoffs begraben. Selbst nach der Entlassung von Head Coach Ryan Saunders besteht nicht viel Hoffnung auf kurzfristige Besserung für das schlechteste Team der Liga. Die Wolves erleben ein Jahr aus der Hölle, die Gründe für die Talfahrt sind vielfältig - doch ein Ende ist noch nicht absehbar.

Für ein paar Sekunden bekamen die Timberwolves-Fans am vergangenen Wochenende eine dringend benötigte Ablenkung vom düsteren Regular-Season-Alltag. Als Anthony Edwards gegen Ende des dritten Viertels in der Partie gegen die Toronto Raptors den Ball in der linken Ecke erhielt, Baseline Richtung Korb zog und dem bemitleidenswerten Yuta Watanabe die Shot-Blocker-Seele raubte, war der Frust über eine abermals enttäuschende Saison kurzzeitig wie verflogen.

Die Sekunden dehnten sich in Minuten und Stunden aus, als der Monster-Slam des Nr.1-Picks von 2020, vom Wolves-Twitter-Account euphorisch als "Dunk des Jahres" betitelt, in den sozialen Medien ein Eigenleben entwickelte. Wenig später beschrieb Wolves-Teamkollege Jaden McDaniels das Erlebte als "wahrscheinlich den besten Dunk, den ich je live gesehen habe."

Doch der Hauptprotagonist holte das Wolves-Lager schnell in die Realität zurück. Die Szene sei "okay" gewesen, resümierte Edwards leidenschaftslos. "Es ist mir ziemlich egal, da ich gehofft hatte, dass wir das Spiel gewinnen werden."

Das taten die Wolves nicht. Zum bereits 23. Mal im 30. Saisonspiel. Gut zwei Tage später folgte Pleite Nr. 24, die achte aus den vergangenen neun Spielen, und damit das Ende der Coaching-Karriere von Ryan Saunders in Minnesota. Kurz nach der 99:103-Niederlage bei den New York Knicks verkündeten die Timberwolves die Entlassung des 34-Jährigen. Es ist der Tiefpunkt in einer Wolves-Saison, in der der Edwards-Dunk gefühlt das einzige Highlight war. Es ist gut möglich, dass er das auch bleiben wird.

Timberwolves: Playoffs schon jetzt außer Reichweite

Einem Bericht von The Athletic zufolge war sich Saunders schon seit mehreren Wochen bewusst, dass sein Stuhl wackelt. Aus persönlicher Sicht ist die Entscheidung den Verantwortlichen um Teampräsident Gersson Rosas und Eigentümer Glen Taylor sicherlich schwergefallen.

Der Lebenslauf von Saunders, dem Sohn der 2015 verstorbenen Wolves-Legende Flip Saunders, ist wie kein zweiter an die Franchise geknüpft. Als kleiner Junge schlief er auf dem Sofa im Büro seines Vaters, als dieser Spielvideos studierte. Später reboundete er als Balljunge im Training für Kevin Garnett und arbeitete sich vom Assistant zum jüngsten Head Coach der Liga hoch.

Sportlich gesehen verwundert die Entscheidung aber nicht. In den knapp zwei Jahren mit Saunders an der Seitenlinie, erst als Interimscoach nach der Entlassung von Tom Thibodeau und ab Sommer 2019 als Head Coach, gewann Minnesota nur 43 Spiele bei 94 Niederlagen. Zuletzt musste Saunders Kritik für seine Rotationen einstecken, dass die Wolves einerseits zahlreiche Blowouts kassierten und andererseits in engen Partien regelmäßig einbrachen, sprach ebenfalls nicht für ihn.

Ziemlich sicher werden die Wolves zum 16. Mal in 17 Jahren die Playoffs verpassen, der Rückstand auf das Play-In-Turnier (Platz 10) beträgt 8 Spiele. Die Saison wird als verlorenes Jahr abgehakt werden müssen. Das liegt natürlich nicht nur an Saunders. Hoffnung auf einen echten Umschwung nach dem Trainerwechsel gibt es kaum.

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Timberwolves: Wer ist der neue Mann an der Seitenlinie?

Bereits am Dienstag wird Chris Finch die Arbeit in Minnesota als neuer Head Coach aufnehmen. Bis zuletzt war der 51-Jährige, der von 2003 bis 2004 in Deutschland bei den Gießen 46ers tätig war, Assistant Coach bei den Toronto Raptors. Eigentlich kommt es in der NBA selten vor, dass ein Assistant mitten in der Saison abgeworben wird.

Doch Teampräsident Rosas wollte seinen Favoriten ohne Umschweife an Land ziehen, anstatt zunächst einen Assistant Coach von der eigenen Bank zumindest zum Interimscoach zu befördern. Auch wenn das zum Beispiel bei Damian Lillard und C.J. McCollum, die sich für den heutigen Wolves- und ehemaligen Blazers-Assistant David Vanterpool stark machten, auf Unverständnis stieß.

Rosas wird die Kritik herzlich egal sein. Mit Finch verbindet den 43-Jährigen eine gemeinsame Vergangenheit bei den Houston Rockets, dort war Finch Coach des G-League-Teams und später Assistant unter Mike D'Antoni. Ihm wird in Ligakreisen eine Menge Anerkennung für den "Dreier und Korbleger only"-Stil der Texaner zugeschrieben.

Rosas, Lehrling von Daryl Morey bei den Rockets, gilt ebenso als Verfechter dieser Spielidee und will sie schon seit Amtsantritt im Sommer 2019 in Minnesota implementieren. Das Problem ist nur: Seine Kaderplanung passt nur bedingt zu diesem Ansatz.

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