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NBA - MIP-Kandidaten der ersten Saisonwochen: Ein neuer Superstar, der "finnische Dirk" und der beste Passer der NBA

Von Robert Arndt

Die Saison ist noch jung, doch die ersten Kandidaten für den Award des Most Improved Players kristallisieren sich schon jetzt heraus. Wir blicken auf die aussichtsreichsten Kandidaten aus den ersten Saisonwochen.

Wer zum Beispiel einen Franz Wagner vermisst, dem sei gesagt, dass Profis in ihrem zweiten Jahr keine Berücksichtigung finden. Diese Spieler haben traditionell keine Chance auf den MIP-Award, da von ihnen erwartet wird, dass sie sich nach ihrer Rookie-Saison verbessern.

Honorable Mentions

  • DEVIN VASSELL (San Antonio Spurs)
  • ANFERNEE SIMONS (Portland Trail Blazers)
  • BOL BOL (Orlando Magic)
  • O.G. ANUNOBY (Toronto Raptors)

Nun aber zu den sechs aussichtsreichsten Kandidaten der ersten Saisonwochen.

© getty

SHAI GILGEOUS-ALEXANDER (Oklahoma City Thunder)

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173631,151,9384,86,31,8

Es lässt sich nicht mehr ignorieren, SGA performt auf All-NBA-Niveau und das mit einer Effizienz, wie es nur wenige andere können. Gilgeous-Alexander war in dieser Hinsicht schon immer faszinierend. Er hat nicht den Speed wie andere Guards und dennoch zieht niemand so oft zum Korb wie der Guard der Thunder.

Über die Jahre hat SGA sein Skillset deutlich erweitert. Er nutzt zahlreiche Hesitation- und Spin Moves und erwischt seine Gegenspieler reihenweise auf dem falschen Fuß. Gleichzeitig ist er überaus kreativ, was seine Abschlüsse betrifft. Der Kanadier ist kein herausragender Athlet, sodass er oft schwere Versuche nehmen muss. Diese trifft er aber so gut wie kaum ein anderer Spieler.

Man nehme zum Beispiel diese Szene aus der Partie gegen Orlando, als SGA erst Paolo Banchero narrt und dann den Ball so loswird, dass der Wurf nicht mehr zu blocken ist und daraus ein Goaltending wird. Nur zehn seiner 115 Versuche in der Restriced Area wurden bisher geblockt, gleichzeitig versenkt er knapp 68 Prozent.

Natürlich hilft hier seine Länge, doch es gibt zahlreiche Forwards, die von solchen Quoten nur träumen können. Dass SGA so oft zum Korb kommt, hängt auch damit zusammen, dass sein Wurf respektiert werden muss. Vor zwei Jahren schoss der 24-Jährige noch 34 Prozent aus der Mitteldistanz, nun sind es über 50 Prozent bei größerem Volumen. Darunter sind auch ansatzlose Stepbacks, die kaum zu verteidigen sind. Fragt nach bei den Washington Wizards, die sich von "Himmy Carter" so einen Gamewinner von Downtown einfingen ...

Das alles macht Gilgeous-Alexander zu einem der besten Scorer der NBA. Wenn jetzt nur auch der Rest des Teams mithalten könnte. Immerhin ist inzwischen eine Zukunft erkennbar, doch wie gut wäre SGA, wenn er mehr Schützen um sich herum hätte? Zwar tankt OKC fleißig weiter, aber eigentlich ist Gilgeous-Alexander doch genau der Typ Spieler, welchen man als seinen Franchise Player draften möchte.

Trotz der grandiosen Zahlen von Gilgeous-Alexander ist die OKC-Offense weiterhin mittelmäßig. Ohne SGA ist sie satte 10,3 Punkte schlechter, dazu treffen alle Thunder-Spieler, die nicht Shai mit Vornamen heißen, kühle 33,6 Prozent von draußen. Es macht SGAs Saison noch einmal beeindruckender und ihn zum wohl heißesten Kandidat auf den MIP-Award in dieser Saison.

© getty

LAURI MARKKANEN (Utah Jazz)

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2033,322,052,936,58,52,40,9

Neue Situation, neues Glück. Auf niemandem trifft das so gut zu wie auf den Finnen. Zwar besetzt Markkanen auch in Salt Lake City wieder die Drei, doch in einer Offense, in welcher alle Mäuler gestopft werden, blüht der Big Man auf und bestätigt damit auch seine starken Vorstellungen von der EuroBasket.

Und nur wenig deutet darauf hin, dass Markkanen diese Vorstellungen nicht halten kann. Der Dreier fällt ordentlich, aber nicht einmal so gut wie noch vor zwei Jahren in Chicago (damals 40,2 Prozent). Markkanen definiert sich aber längst nicht mehr nur über den Distanzwurf. Er agiert in Utah deutlich physischer, schon jetzt hat der Finne mehr Dunks als in seiner letzten Saison in Chicago auf dem Konto.

Meist kommen sie aus dem Fluss der Offense. Markkanen ist perfekt integriert, scort viel durch Cuts und kleinere Pindowns, welche sonst eher für kleinere Spieler gelaufen werden. Auch das macht den Finnen so wertvoll. Er kann neben Bigs spielen oder aber selbst eine der großen Positionen bekleiden.

Möglich macht dies, dass der Finne defensiv zugelegt hat. Hin und wieder blockt Markkanen einen Wurf, wertvoller ist aber seine gute Fußarbeit, die es ihm ermöglicht, am Perimeter zu verteidigen und dann auch am Ring Hilfe zu geben. Es ist schlichtweg ein großer Sprung, den Markkanen gemacht hat. Ein Three-Level-Scorer, der defensiv kein Loch ist - auch hier riecht es nach All-Star.

© getty

TYRESE HALIBURTON (Indiana Pacers)

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1733,819,848,438,84,410,91,7

Der Pacers-Guard galt vor der Saison als einer der großen Favoriten und hat seinen Status in den ersten Wochen untermauert. Und das gelingt sogar mit Team-Erfolg. Heimlich, still und leise hat Indiana fünf Siege in Folge aneinandergereiht (zugegeben, der Spielplan meinte es sehr gut), Haliburton wurde zum Spieler der Woche im Osten gewählt.

Was vor allem auffällt, ist die unglaubliche Reife in seinem Spiel. Haliburton glänzt weniger durch Dynamik, sondern vielmehr durch sein beinahe mechanisches Game. Gefühlt hat er stets die Kontrolle über die Situation, auch wenn Haliburton seine Entscheidungen oft erst im Sprung trifft. Pacers-Insiderin Caitlin Cooper hatte dazu bereits im Sommer einen sehr lesenswerten Artikel verfasst.

Besonders erfreulich ist, das Haliburton nun viel häufiger zum Ring kommt und dort auch hochprozentig abschließt. Das gilt aber nicht nur für diese Zone, seine Shotchart für die Saison ist fast komplett in grün getränkt. Seine Effizienz liegt damit fast überall über dem Ligaschnitt.

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DESMOND BANE (Memphis Grizzlies)

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1233,524,746,545,14,94,80,6

Bane hat eine MIP-Trophäe bereits im Schrank, Backcourt-Partner Ja Morant schenkte sie ihm vor wenigen Monaten, da der Superstar der Grizzlies der Meinung war, dass Bane diese eher verdient habe. Womöglich bekommt der Shooting Guard in diesem Jahr den Award, denn Bane hat noch einmal eine Schippe draufgepackt, bevor ihn in der Vorwoche eine Zehenverletzung vorerst stoppte.

Zu diesem Zeitpunkt hatte nur Stephen Curry mehr Dreier versenkt als der Guard der Grizzlies. Sein Scoringschnitt ist weiter nach oben gegangen, gleiches gilt für seine Touches, seine Pick'n'Rolls, seine Dreierversuche, seine Usage und seine Assist-Rate. Kurzum: Bane ist mehr ins Spiel der Grizzlies involviert und legt in einer größeren Rolle eine noch höhere Effizienz an den Tag.

Die Grizzlies haben an Position 30 im Draft 2020 einen echten Glücksgriff gemacht und man muss nicht mehr nur die Grizzlies-Fanbrille aufsetzen, um zu behaupten, dass in Memphis der womöglich beste Backcourt der NBA beheimatet ist.

© getty

KELDON JOHNSON (San Antonio Spurs)

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1731,520,442,038,04,43,10,9

Es ist keine vier Jahre her, da rätselten die Draft-Nicks, ob Johnson mit seinem wackeligen Wurf eine gute Rolle spielen könnte. An der Defense gab es keine Zweifel, doch dem Wurf fehlte es an Konstanz. Ende 2022 haben nur zehn Spieler mehr Distanzwürfe als der Spurs-Forward genommen, nur drei von ihnen treffen diesen hochprozentiger (Curry, Mitchell, Beasley).

Bereits im Sommer verlängerten die Spurs den Vertrag mit Johnson vorzeitig (4 Jahre, 74 Mio.). Wenn er so weiterspielt, dann ist das für die Texaner ein echtes Schnäppchen und ein weiterer Erfolg für das Development Team. Auch in Sachen Playmaking hat sich Johnson gesteigert. Hin und wieder sieht man noch den Tunnelblick bei seinen Drives, das ist jedoch deutlich besser geworden.

Steigerungspotenzial gibt es noch beim Abschluss am Ring. So athletisch Johnson auch ist, so wild bleiben teilweise seine Abschlüsse. Nur 56 Prozent in Ringnähe ist zu wenig für einen dynamischen Spieler seiner Klasse, dazu verlässt er sich noch zu häufig auf Floater, die nur geringe Chancen auf Erfolg haben.

© getty

DE'AARON FOX (Sacramento Kings)

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1632,425,454,139,55,06,31,3

Der Erfolg beim Team der Stunde hängt logischerweise nicht nur mit dem Namen De'Aaron Fox zusammen. Dennoch: Nach all den Jahren, in denen Fox Potenzial bescheinigt wurde und dieser dafür nicht konstant genug agierte, scheint es endlich so richtig Klick gemacht zu haben.

Hier helfen mehrere Dinge. Einerseits passt die Teamzusammenstellung, Fox ist nicht mehr der alleinige Creator, dazu haben die Kings nun endlich Schützen auf fast allen Positionen. Dazu spielt Sacramento unter dem neuen Coach Mike Brown endlich so schnell, wie es zum wieselflinken Point Guard am besten passt.

Sein hoher Scoringschnitt kommt derzeit durch heißes Shooting zustande (54 Prozent aus der Midrange!), aber auch von Downtown läuft es endlich wieder. Zusammen mit Domantas Sabonis bildet Fox ein sehr interessantes Tandem, von welchem beide profitieren. Am Ende des Spiels ist es dann aber meist Fox, der die Kohlen aus dem Feuer holt.

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