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Fussball

Kylian Mbappé: Er will nicht geliebt werden

Von Fatih Demireli

Kylian Mbappé ist einer der besten Fußballer der Welt - er wird bald seine eigene Ära prägen, doch das heißt nicht, dass der Franzose eine emotionale Zuneigung genießen wird. Nicht, wie es bei Cristiano Ronaldo und Lionel Messi war. Dafür gibt es gute Gründe.

Vor vielen Jahren machte sich Kylian Mbappé Gedanken über seinen Verdienst als Fußballer. Oder sagen wir so: Er musste sich nachdenklich über sein Gehalt äußern, weil zuvor im Zuge der Enthüllungen von Football Leaks herauskam, dass Mbappé bei seinem Wechsel von der AS Monaco zu Paris Saint-Germain u.a. 50 Millionen Euro Jahresgehalt forderte und das für einen Jungen, der gerade erst volljährig wurde, außergewöhnlich war.

Im Interview mit RTS sprach Mbappé über die Tatsache, dass er als besonders begabtes Wunderkind zwar nicht 50 Millionen Euro im Jahr, aber dennoch viel Geld verdient. "Es ist wirklich unanständig, aber so ist das in der Welt des Fußballs", sagte der Stürmer: "Der Markt ist unanständig." Wenn jemand ein Problem mit seinem Verdienst hat: Der Markt ist schuld.

Zum einen hatte er recht, dass der Markt seinen Preis bestimmt und seine Berater nicht grundlos diese Summen forderten, zum anderen steht es freilich niemandem zu, darüber zu urteilen, ob es anständig ist, dass jemand viel Geld verdient oder nicht. Und Mbappé hat recht, wenn er den Gegebenheiten die Schuld in die Schuhe schiebt.

Der Fußball wird heute anders gedacht

Der Markt sorgt dafür, dass wir heute den Fußball anders denken. Wir reden über Ablösen, Gehälter, Rekorde, über das nächste große Ding. Wir reden über Wunderkinder und noch andere Wunderkinder und Superstars, die eigentlich keine sind, aber bei Klubs spielen, in denen sie Superstars genannt werden müssen, weil es sich so besser verkauft.

Ist Leandro Paredes jetzt ein Superstar, wie man ihn immer bezeichnet oder ist er einfach nur ein überragender Mittelfeldspieler, der seinen Job besser macht als viele andere auf seiner Position? Als Idrissa Gueye im letzten Jahr das Regenbogen-Trikot von PSG ablehnte, wurde er in der internationalen Berichterstattung als PSG-Star verkauft. Natürlich hat das auch etwas mit Clickbait zutun, aber auch mit der neuen Art des Fußballdenkens.

In einer Zeit, in der FIFA-Karten bestimmen, wie großartig ein Fußballer ist und der Personenkult so groß ist wie nie. So gesehen ist es legitim, dass Kylian Mbappé in einem Ensemble voller Stars und Superstars bei PSG den Super-Super-Star raushängen lässt. In jenem Interview aus dem Jahre 2018 erzählt er, dass es wichtig ist, "ein bisschen Kind zu bleiben", wenn er auf dem Spiel- oder Trainingsplatz steht.

Kylian Mbappé: Erwachsen, aber kindisch

Das Kind ist gewachsen. Kindisch ist er dennoch geblieben. Wenn er einen Laufweg abbricht, weil er den Ball nicht bekommt oder beleidigt ist, wenn er nach einem verschossenen Elfmeter nicht wieder an den Ball darf, dann ist das hochgradig kindisch. In allen Nachwuchsleistungzentren lehrt man den Kindern erst einmal, was Teamwork bedeutet. Dass zwar der Mannschaftserfolg auch über Einzelleistungen möglich gemacht wird, aber dass die Mannschaft im Vordergrund stehen muss.

Wenn Mbappé einen Laufweg abbricht, nimmt er im Grunde in Kauf, dass seine Mannschaft keinen Erfolg hat. In dieser Szene wäre es möglich gewesen, dass der Ball dann doch bei Mbappé landet und er ein Tor macht, aber in jenen Sekunden war es ihm egal, weil er das Selbstverständnis hat, dass Vitinha ihn, den großen Kylian Mbappé Lottin, anspielen muss.

Sicherlich darf man Mbappé auch nicht zu sehr an einer Szene festnageln und ein Persönlichkeitsprofil daraus erstellen, aber letztlich ist es beim Franzosen die Summe aus vielen kleinen Episoden einer noch jungen Karriere, die ihn nicht zum beliebtesten Fußballprofi der Welt machen. Ob mit Karim Benzema oder Olivier Giroud in der Nationalmannschaft oder Neymar bei PSG, irgendetwas ist immer, auch wenn es im Nachgang heruntergespielt wird.

Er ist zweifelsfrei einer der Besten und wenn Cristiano Ronaldo und Lionel Messi irgendwann nicht mehr spielen, wird er seine ganz eigene Ära prägen. Aber Mbappé wird ein anderer Weltstar als der Portugiese und der Argentinier. Ronaldo und Messi hatten und haben eine individuelle Klasse, die wie bei Mbappé den Rest der Welt dazu zwangen, sie als Auserwählte zu betrachten. Aber sie hatten auch starke Klubs mit einer großen Tradition und einer starken Fangemeinde hinter sich.

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Cristiano Ronaldo und Lionel Messi: Gewachsen in der Tradition

Ronaldo wurde bei Manchester United und Real Madrid zur Ikone, bei Juventus war er der alles überragende Superstar, er war außergewöhnlich und doch ein Teil des Klubs. Er war groß, aber nicht größer als seine Klubs. Als er gehen wollte, verloren diese Klubs nicht ihr Gesicht. Und doch hat er dem unendlichen Glanz dieser Traditionsvereine seinen Beitrag geleistet und wurde dafür geliebt und verehrt.

Das gilt ebenso für Lionel Messi beim FC Barcelona, auch wenn sein sportlicher Abschied schwerer wog und der Klub sich erst einmal wieder emanzipieren musste. Das ist für Barça aber nichts Neues: Ein Klub, der den Abgang von Johan Cruyff, Diego Maradona, Ronaldo und Ronaldinho überleben konnte, kann - wenn es auch schwer ist - Messis Weggang überleben.

Man tat sich gegenseitig etwas Gutes. Barcelona machte Messi groß, Messi machte Barcelona groß und gemeinsam wurde es zu einer Geschichte, über die es unendliche Erzählungen gibt und immer geben wird.

Über Mbappé wird man auch in späteren Generationen sprechen, man wird auch über ihn erzählen, welch großartiger Fußballer er war, aber es wird - Stand jetzt - keine Liebesgeschichte, wie es bei seinen Vorgänger-Göttern war.

© getty
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Kylian Mbappé: Wenn er zu Real Madrid gewechselt wäre ...

Sicherlich ist Paris Saint-Germain ein großer Klub, der heutzutage immer beliebter wird und ein hohes Gut der heutigen Popkultur ist, aber er vereint nicht die Anmut und die Tradition von ManUnited, Barça oder Real, sondern ist letztlich ein in den letzten Jahren künstlich aufgepumptes Konstrukt, das das Motto "Dream Bigger" hat. Hier kann man wie Mbappé natürlich Großes leisten, aber es wird niemals eine Saga der Sorte Ronaldo und Messi.

Er wird ein individueller Star, der letztlich irgendein Trikot anziehen muss, damit er Tore schießen kann. Hätte sich Mbappé im Sommer entschieden, das Angebot von Real Madrid anzunehmen, wäre er dadurch nicht automatisch zu Everbody's Darling geworden, aber es hätte gezeigt, dass er ein Teil des Großen und Ganzen sein will. So wird man das Gefühl nicht los, dass es letztlich nur um ihn selbst geht.

Das ist legitim. Es steht ihm zu, seinen eigenen Weg zu gehen und bei PSG seine Träume zu verwirklichen. Aber er nimmt es sich auch raus, andere Spieler wie Messi oder Neymar spüren zu lassen, dass er das Sagen hat und sie ihm "dienen" müssen, damit er glücklich ist. Ein gewisser Egoismus gehört dazu. Zinedine Zidane, Diego Maradona, Ronaldo und Co. wurden nicht zu den Besten der Welt, weil sie ihr Ego wegließen, aber sie ehrten und schätzten die Werte ihres Umfelds, ihrer Klubs und wurden so geliebt und beliebt.

Mbappé schert sich nicht darum, geliebt zu werden. Er will in erster Linie selbst glänzen und deswegen wird ihm - sollte er diesen Weg weiter so gehen - sicherlich Begeisterung zuteil, er wird das große Ding der nächsten Jahre, aber er wird niemals der Liebling der Welt.

 

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