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Fussball

BVB - Warum Dortmunds Ex-Torjäger Paco Alcácer plötzlich zu Sharjah FC in die Vereinigten Arabischen Emirate ging

Von Jochen Tittmar

Paco Alcácer legte nach seinem Wechsel von Borussia Dortmund zum FC Villarreal in Spanien einen ähnlich starken Start hin wie einst beim BVB. Aufgrund steter Ausfälle sank sein Stern beim Gelben U-Boot aber nach und nach. Wegen mangelnder Alternativen nahm der Stürmer nun ein Angebot in den Vereinigten Arabischen Emiraten an.

Kaum war Erling Haaland zu Borussia Dortmund gewechselt, brach ein Hype aus, der angesichts seiner Leistungen nachvollziehbar war. Er ließ zugleich vergessen, was unmittelbar vor Haaland im Sturm des BVB passierte. Dies hatte nämlich durchaus auch außerordentliche Dimensionen. Wenngleich nicht von solch historischem Ausmaß wie bei Haaland, der gleich in seinem ersten Spiel den schnellsten Hattrick eines Bundesligadebütanten schoss.

Haalands Ankunft bedeutete den Abschied von Paco Alcácer. Der Spanier erzielte in seinen zweieinhalb Jahren beim BVB 26 Tore in 47 Pflichtspielen. Bis heute hält er den in der Saison 2018/19 aufgestellten Rekord, als er zwölf Treffer als Einwechselspieler erzielte. Alcácer wurde in Dortmund schnell Publikumsliebling und traf anfangs in beeindruckender Regelmäßigkeit. Später brachten ihn Verletzungen immer mehr aus dem Tritt.

Verkürzt gesagt ereilte ihn diese Entwicklung auch beim FC Villarreal, wohin Alcácer im Januar 2020 einen Monat und einen Tag nach Haalands Ankunft beim BVB wechselte. Alcácer unterschrieb an Spaniens Ostküste einen hoch dotierten Fünfjahresvertrag und wurde mit einer Ablöse von 23 Millionen Euro Villarreals neuer Rekordtransfer. Es war ein echter Coup für den Klub, der 2012 noch aus der Primera Division abgestiegen war.

Und wie in Dortmund lieferte Alcácer sofort ab: In seinem ersten Spiel gegen Osasuna erzielte er gleich ein Tor und steuerte eine Vorlage bei. Seine Integration ins Team lief auch aufgrund der Nähe zu seiner Heimatregion Valencia ohne Komplikationen. Auf dem Feld stellte sich Alcácer als perfekte Ergänzung zum gesetzten Stürmer Gerard Moreno heraus. Sechs Torbeteiligungen in 13 Ligaspielen standen nach dem ersten Halbjahr für ihn zu Buche.

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Paco Alcácer schoss für den BVB in 47 Spielen 26 Tore. Anschließend fiel er immer wieder aus.

Paco Alcácer und die regelmäßigen Verletzungen

Als im Sommer jedoch Unai Emery neuer Trainer beim Gelben U-Boot wurde, veränderten sich die Vorzeichen für Alcácer nach und nach. Zwar ließ Emery den Ex-Dortmunder anfangs in allen drei Wettbewerben regelmäßig ran, doch wie schon in der Endphase beim BVB fiel Alcácer mit kleineren Verletzungen auch immer wieder aus.

Erste Zweifel an Alcácers körperlichem Zustand kamen auf. Das war Gift für Emerys Spielstil, der viel Körperlichkeit und gerade von den Stürmern eine hohe Beweglichkeit verlangte. Der Trainer legte sein Hauptaugenmerk auf das Spiel gegen den Ball, setzte im Angriff auf schnelle Spieler und ließ auch weniger Bälle in den Strafraum schlagen, wo Alcácer seine Stärken hat.

Das Selbstvertrauen des Stürmers begann zu leiden. Alcácer erholte sich nie mehr ganz von den steten Rückfällen und schaffte es nicht, seine Top-Form wieder zu erlangen. Dazu nutzten in seinen Abwesenheiten Spieler wie Yeremy, Samuel Chukwueze, Fer Niño oder Carlos Bacca die Chance, sich in der Mannschaft zu etablieren. Emery rotierte viel und hatte damit Erfolg - Alcácers Status bröckelte somit immer mehr. Der Coach hatte genügend Alternativen im Kader, die deutlich besser in Form waren und eher zu seinem Plan passten.

Paco Alcácer: "...dann bin ich ein komplizierter Typ"

Dass er nur noch Herausforderer und Ersatzspieler war, ging Alcácer gehörig gegen den Strich. Öffentlich beschwerte er sich nicht über seine Rolle, doch die Beziehung zu Emery wurde distanzierter. Das lag auch an unglücklichen Episoden: Emery schenkte Alcácer einige Kurzeinsätze über nur wenige Minuten oder ließ ihn während der gesamten zweiten Halbzeit eines Spiels aufwärmen, ohne ihn am Ende einzusetzen.

Man sah es auch in der Endphase beim BVB: Dass Alcácer über seine Situation verärgert war, wurde mehr als augenscheinlich. "Ich bin ein fröhlicher, witziger Mensch, aber wenn ich auf der Bank sitze, mag ich nichts mehr, dann bin ich ein komplizierter Typ", sagte er schon zu Dortmunder Zeiten.

Zugleich war ihm nach der Rückkehr von den oft muskulären Verletzungen die Furcht anzumerken, sich wieder zu verletzen und den nächsten Rückschlag zu erleiden. Manche Sportjournalisten in Spanien erkannten in Alcácer gar Angst und psychischen Stress, so schnell wie möglich zurückkehren zu müssen.

Alcácer verlor allmählich den Elan und war als eigentliches Schwergewicht in der Kabine aufgrund seiner Ausfälle häufig auf sich allein gestellt. Villarreal dagegen feierte Erfolge, gewann mit der Europa League 2021 den ersten großen Titel der Vereinsgeschichte und zog im Jahr darauf ins Halbfinale der Champions League ein. Es war nicht so, dass Alcácer kein Teil des Teams mehr war, doch durch seine Abwesenheiten verpasste er viel der Gruppendynamik innerhalb der Mannschaft.

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Villarreal separiert Paco Alcácer im Training

Im vergangenen Winter riet Emery Alcácer in einem Gespräch, den Verein zu verlassen. Der FC Cádiz bekundete ernsthaftes Interesse, Alcácer entschied sich aber dagegen. Auch Ex-Verein Valencia dachte an ihn. Die meisten Angebote bekam er aus exotischen Ländern, was ihm zunächst nicht zusagte. Die Beziehung zu Emery wurde deshalb schlechter, denn der Coach wollte in diesem Transferfenster einen anderen Stürmer für Alcácer in den Kader nehmen.

Nach nur 13 Startelfeinsätzen im Laufe der Spielzeit machte Emery im Sommer klar, dass Alcácer keine Rolle mehr in seinen Plänen spielen und er den Verein verlassen wird. Auch vom Training wurde er separiert. Allerdings war lange Leerlauf angesagt, denn Alcácers hohes Gehalt von rund fünf Millionen Euro, das Villarreal schon länger gerne eingespart hätte, war ein Problem für viele Klubs. Sein Berater soll ihn daher proaktiv beim BVB, Union Berlin und der Hertha angeboten haben.

Schließlich musste Alcácer einem Verein zusagen, der eigentlich nicht seine Priorität war: Sharjah FC aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Der Ablauf des Wechsels sorgte dann für reichlich Irritation.

Paco Alcácer und die Irritation um seinen Wechsel

Zunächst teilte Villarreal mit, Alcácer werde für eine Saison nach Sharjah, einer Nachbarstadt von Dubai, verliehen. Villarreal übernahm dabei einen Teil der Ablösesumme. Doch offenbar fand man bei Sharjah im Keller noch Geld.

Nachdem Alcácer nämlich dort aufschlug, bot man ihm einen Dreijahresvertrag und die Übernahme des ausstehenden Gehalts an, das ihm in den restlichen drei Jahren Vertragslaufzeit in Villarreal zugestanden hätte. Allerdings nur unter der Bedingung, dass die Spanier den Vertrag mit Alcácer auflösen und ihn ablösefrei ziehen lassen.

Villarreal kam diese Offerte mehr als gelegen. Das Geld, das eine Weiterbeschäftigung Alcácers verschlungen hätte sowie seine lange unklare Zukunft, waren längst zum Hemmschuh der Transferaktivitäten des Klubs geworden. Zwischenzeitlich veröffentlichte Villarreal dann jedoch dieses Statement: "Sharjah hat beschlossen, die mit Villarreal getroffene Leihvereinbarung für die Ausleihe von Paco Alcácer einseitig aufzulösen."

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Paco Alcácer schoss für den FC Villarreal in 76 Partien 21 Tore und lieferte zwölf Assists.

Paco Alcácer gelingt Traumstart bei Sharjah FC

Es schien, als habe Sharjah einen Rückzieher gemacht. Zwei Tage später war aber alles geklärt: Der Leihvertrag zwischen den Vereinen wurde genauso aufgelöst wie Alcácers Kontrakt mit Villarreal. Für Verwirrung sorgte der Stürmer selbst: Er verkündete eigenhändig den festen Wechsel in die VAE, noch bevor die Formalitäten geklärt waren und die Klubs eine offizielle Mitteilung veröffentlicht haben.

Die präferierten Szenarien von Alcácer und Villarreal ließen sich damit nicht realisieren. Der Klub hätte gerne einen Großteil der einstigen Ablösesumme erhalten, doch der Markt gab für Alcácer kaum etwas Substanzielles her, so dass sich dieser mit dem gut bezahlten, aber sportlich weniger attraktiven Angebot begnügen musste. Durch die Vertragsauflösung spart Villarreal zwar 15 Millionen Euro ein, für das Paket Alcácer gab man in den zweieinhalb Jahren allerdings auch rund 35 Millionen aus.

"Ich kann es kaum erwarten, dieses neue Abenteuer sowohl beruflich als auch persönlich für mich und meine Familie zu beginnen", sagte der 29-Jährige - und legte in seiner neuen Heimat wie gewohnt los: Bislang gelang ihm in jedem der drei Saisonspiele ein Treffer, zudem lieferte er zwei Assists. Sharjah, wohin auch Miralem Pjanic und Konstantinos Manolas gewechselt sind, grüßt von der Tabellenspitze der UAE Pro League.

Starker Start und verletzungsbedingter Einbruch: Alcácer wird hoffen, dass ihm im Emirat nicht dasselbe Schicksal widerfährt wie zuletzt in Dortmund und Villarreal. Erreicht er langfristig jedoch nicht mehr die nötige Konstanz und Stabilität, könnte sich der Schritt in den Nahen Osten als Karriere-Killer herausstellen.

Paco Alcácer: Die Stationen seiner Profikarriere im Überblick

VereinZeitraumPflichtspieleToreVorlagen
FC Valencia2011-20161244317
FC Getafe (Leihe)2012-20132341
FC Barcelona2016-201850158
Borussia Dortmund2018-202047264
FC Villarreal2020-2022762112
Sharjah FCseit 2022332

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