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Andre Schubert von Eintracht Braunschweig im Interview: "Ich habe während meines Studiums Maschinen geputzt"

Von Max Schrader

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Seit dem 11. Oktober 2018 trainiert Andre Schubert den ehemaligen Bundesligisten Eintracht Braunschweig und kämpft mit dem BTSV in der 3. Liga um den Klassenerhalt. Gut zwei Jahre zuvor stand er als Coach von Borussia Mönchengladbach noch in der K.o.-Phase der Champions League und traf auf Manchester City.

Im Interview spricht Schubert über den einstigen Hype als "Pep-Bezwinger", seine neue Gelassenheit, den vermeintlichen Rückschritt in die 3. Liga, introvertierte Spieler und seine Zukunft bei einem Abstieg in Liga 4.

Herr Schubert, im letzten SPOX-Interview im Januar 2018 haben Sie gesagt, dass Peter Stöger ein gutes Vorbild für jeden Trainer ist.

Andre Schubert: Mir hat damals vor allem die Art und Weise gefallen, wie er mit speziellen Situationen umgegangen ist. Er hat enorme Ruhe ausgestrahlt und ist vor allem klasse mit kritischen Situationen umgegangen. Das war in meinen Augen vorbildlich.

Sie haben in Ihrer Karriere natürlich auch schon kritische Situationen handhaben müssen. Zu Ihrer Zeit bei Borussia Mönchengladbach wurden Sie einst zum "Pep-Bezwinger" stilisiert, wenige Wochen später standen Sie dann ohne Job da. Wie haben Sie dieses Auf und Ab inzwischen reflektiert?

Schubert: Das Hypen und Kritisieren ist Teil der Berichterstattung. Als Trainer ist man meist stressigen Situationen ausgesetzt. Augen auf bei der Berufswahl, sage ich da nur. (lacht) Das ist aber nichts Schlimmes, es gehört zu diesem sehr öffentlichen Job dazu. Als junger Trainer ist das nicht einfach. Ich gehe mittlerweile ruhiger damit um, weil ich versuche, mich von solchen Sachen so gut es geht frei zu machen. Ich lese keine Zeitungen mehr, bewege mich nicht in Internet-Foren oder durchforste die sozialen Medien. Ich konzentriere mich stattdessen einfach nur auf meine Arbeit.

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Pep Guardiola hatte gegen Schubert oft das Nachsehen.

Die dürfte als Trainer ja ohnehin schon stressig genug sein, oder nicht?

Schubert: Stress muss jeder für sich selbst definieren, er wird von jedem anders empfunden. Ich persönlich habe im Laufe der Zeit gemerkt, dass ich viele Dinge mit viel mehr Gelassenheit angehen sollte und damit geht es mir jetzt auch deutlich besser. Von diesen ganzen zahlreichen Stimmungen und Meinungen, die es im Umfeld eines Vereins gibt, habe ich mich gelöst. So erkennt man dann auch deutlich genauer, dass dieser Beruf ein wirklich toller ist und mir sehr viel Spaß macht.

Kommt einem diese Einsicht vor allem dann, wenn man nicht im Hamsterrad des Profifußballs gefangen ist?

Schubert: Klar, die Reflexion ist wichtig. Wenn es aktiv stressig für einen ist und es richtig um die Ohren gibt, ist das schwer zu überblicken. So habe ich es zumindest empfunden. Der Lerneffekt trat bei mir erst dann ein, als ich alles im Nachgang noch einmal analysieren konnte. Ich weiß jetzt: Es ist wichtig, ganz bei sich zu bleiben und sich nicht vom hektischen Treiben oder starken Emotionen anstecken zu lassen.

Mit Gladbach spielten Sie in der Champions League, nun stecken Sie im Abstiegskampf der 3. Liga. Von "Hero to zero" konnte man schon über Sie lesen.

Schubert: Ich habe mich weder als das Eine noch als das Andere gefühlt. All diese Bewertungen schlagen in der heutigen Zeit immer mehr und extremer in beide Richtungen aus. Das alles spielt für mich mittlerweile aber eine sehr untergeordnete Rolle. Ich bin ein glücklicher Mensch und dankbar, dass ich einen solchen Job ausüben darf. Ich hatte und habe keinen speziellen Karriereplan und mache die Dinge, von denen ich überzeugt bin. Ich hätte statt der 3. Liga jetzt auch ins Ausland gehen oder gar nichts machen können.

Aber?

Schubert: Aber dann hatte ich einfach Lust und das Verlangen, wieder als Trainer zu arbeiten. Und Eintracht Braunschweig passte einfach, weil ich hier viele Leute kenne und vieles Positive gehört habe. Zum Beispiel von Torsten Lieberknecht, der hier gefühlte Ewigkeiten gearbeitet und mir schon in der Vergangenheit viel Gutes über den Verein erzählt hatte. Generell sind wir Trainer ja vom Glück geküsst.

Wie meinen Sie das?

Schubert: Ich habe während meines Studiums Maschinen geputzt und andere Nebenjobs gemacht, um mein Studium zu finanzieren. Von daher weiß ich, dass es im Leben auch einmal schwierig sein kann. Und genau deshalb bin ich nun sehr dankbar. Ich habe viel investiert, aber auch etwas Glück gehabt.

Wie schwierig war es dennoch für Sie, nach der jahrelangen Braunschweiger Erfolgsstory zu genau dem Zeitpunkt zum Klub zu stoßen, an dem sich die Abwärtsspirale unaufhörlich zu drehen schien?

Schubert: Ich habe eher die Chancen und Möglichkeiten gesehen. Man muss das alles einordnen: Eintracht Braunschweig hatte viele erfolgreiche Jahre bis hin zur ersten Liga, der Abstieg in die 3. Liga kam dann sehr überraschend. Die neue Strategie hat nicht gegriffen, die Lage spitzte sich zu. Ich hielt die Probleme für lösbar und sah die Chancen. Von daher war das gar nicht so schwierig für mich. Wir wollen jetzt den Klassenerhalt schaffen, dass steht über allem.

Sie hat also auch die schwierige Ausgangssituation - Braunschweig war Tabellenletzter mit vier Punkten Rückstand aufs rettende Ufer, als Sie das Traineramt übernommen haben - zu keinem Zeitpunkt abgeschreckt?

Schubert: Nein, sondern ich habe mich eher intensiv damit auseinandergesetzt, ob wir das trotzdem hinbekommen würden. In meinen ersten Tagen und Wochen erkannte ich dann eine Reihe von Problematiken, die ich von außen so nicht wahrnehmen konnte. Natürlich war der Kader sehr jung und manche Dinge, die unrund laufen, erfährt man auch erst im Laufe der Zeit. Davon war ich aber nicht überrascht, denn das ist in diesen sportlich komplizierten Phasen auch nicht unnormal.

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