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Naby Keitas Wiedergeburt beim FC Liverpool: "Exzellent" nach frustrierenden Wochen

Von Nino Duit

Nach frustrierenden Wochen im Verletztenstand oder auf der Bank blüht Naby Keita beim FC Liverpool aktuell auf. Am Wochenende gelangen dem 24-jährigen Mittelfeldspieler beim AFC Bournemouth zwei Scorerpunkte, beim 2:0-Sieg in der Champions League beim FC Salzburg machte er das so wichtige 1:0. Anschließend bekam er Lob von seinem Trainer und Mitspielern.

"Nur auf Französisch", sagte der Guineer Naby Keita in tadellosem Englisch, als er in der Salzburger Mixed Zone am Dienstagabend nach einem kurzen Statement gefragt wurde. Diese angebliche Monolingualität gegenüber den anwesenden deutsch- und englischsprechenden Journalisten meinte Keita jedoch nicht als tatsächliches Gesprächsangebot auf Französisch, sondern als Absage. Denn er ging weiter, stieg in den Bus und der fuhr bald ab.

Schade eigentlich! Denn Keita hätte die Chance gehabt, positive Neuigkeiten von seinem zuletzt doch eher trostlosen Berufsalltag in Liverpool zu berichten. Mit dem Positive-Neuigkeiten-Berichten war es für ihn an diesem Abend aber genau wie mit dem Jubeln. Anders als meist seit seiner Ankunft in Liverpool vor eineinhalb Jahren hatte er die Chance dazu, doch er nutzte sie nicht.

In der 57. hatte Keita eine Flanke von Sadio Mane aus der Nähe des Elfmeterpunkts per Aufsetzer zum 1:0 ins Tor geköpfelt. Statt zu jubeln, hob er nur entschuldigend seine Hände, wie man es tut, wenn man gegen seinen Ex-Verein trifft. Vor seinen zwei Jahren bei RB Leipzig spielte Keita von 2014 bis 2016 schließlich in Salzburg.

Mit seinem Treffer zum 1:0 gab er den Hoffnungen seines Ex-Vereins auf einen Sieg und den damit einhergehenden Champions-League-Achtelfinaleinzug auf Kosten Liverpools einen entscheidenden Dämpfer. 100 Sekunden später machte Mohamed Salah mit dem 2:0 alles klar. Liverpool war weiter, Salzburg muss in die Europa League.

Andrew Robertson: "Naby war exzellent"

Keita wollte über all das also nicht sprechen, dafür aber seine Kollegen über ihn. "Naby war exzellent", sagte Linksverteidiger Andrew Robertson gegenüber SPOX und Goal. "Er ist so gut darin, gegnerische Angriffswellen mit seiner Präsenz zu stoppen, und hat außerdem Zug nach vorne." Keita, der Allrounder. Nach Mane bestritt er bei Liverpool die zweitmeisten Zweikämpfe, von denen er auch die Mehrheit gewann. Außerdem gab er die drittmeisten Schüsse ab und bereitete die zweitmeisten vor.

Keita begann im 4-3-3-System im halbrechten Mittelfeld, rückte nach einer Umstellung auf ein 4-4-1-1 aber auf die Zehnerposition. "Dort hat er großartig gespielt", lobte Trainer Jürgen Klopp. Vor allem das Zusammenspiel mit Salah funktionierte hervorragend. In der 29. bereitete ihm Keita eine gute Chance vor, in der 45.+1 war es umgekehrt.

Es war das gewohnte Bild vom vergangenen Wochenende, als Keita nach zuvor lediglich 14 Premier-League-Minuten in dieser Saison sein Starteldebüt feierte. Auf der Zehn aufgeboten, erzielte er beim AFC Bournemouth nach einem herrlichen Doppelpass mit Salah das 2:0 und bereitete ihm das 3:0 mit einem ähnlich sehenswerten Schnittstellenpass vor. Es war ein erstes positives Lebenszeichen Keitas aus Liverpool seit langem.

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Naby Keitas wiederkehrende Verletzungsprobleme

Im Sommer 2018 war Keita für 60 Millionen Euro von Leipzig nach Liverpool gewechselt, die Eingewöhnung fiel ihm aber auch wegen wiederkehrender Verletzungsprobleme schwer. Klopp sprach während Keitas durchwachsener Premierensaison mit lediglich vier Scorerpunkten in 33 Spielen immer wieder von einem "Langzeitprojekt". Im Sommer sah er dann den Durchbruch nahen und sagte: "Keita hat jetzt eine völlig andere Körpersprache. Er erwartet sich mehr und wir uns auch."

Doch eine neuerliche Verletzung verhinderte die Realisierung dieser Erwartungen zunächst. Im August zog sich Keita einen Muskelbündelriss zu und während er die Reha absolvierte, begann seine Mannschaft zu siegen und hörte damit bis heute nicht mehr auf - auch nicht, als Keita längst wieder fit war. In den Pokalwettbewerben durfte er immer mal wieder mitspielen, in der Premier League nicht. "Naby hatte Verletzungsprobleme, die Mannschaft war in wirklich guter Verfassung und warum sollten wir dann wechseln?", fragte Klopp neulich.

Georginio Wijnaldum: "Naby ist jemand, der sich nie beklagt"

"Als Naby draußen saß, hat er sich natürlich Gedanken gemacht", sagte Klopp und berichtete von Gesprächen mit seinem enttäuschten Spieler. Gegenüber seinen Kollegen ließ sich Keita unterdessen keine Frustration anmerken. "Naby ist jemand, der immer positiv bleibt, immer gut trainiert und sich nie beklagt - selbst wenn er draußen sitzt", sagte sein Mittelfeldrivale Georginio Wijnaldum gegenüber SPOX und Goal.

Keita habe sich laut Robertson "genau so verhalten, wie man sich verhalten muss: Er hat auf seine Chance gewartet, sie bekommen und genutzt." Die Chance war das Spiel gegen Bournemouth, als Wijnaldum, Fabinho und Adam Lallana verletzt fehlten. Klopp vertraute Keita fast schon zwangsläufig und der enttäuschte ihn nicht, genauso wenig wie nun in Salzburg. Und mit seinen drei Scorerpunkten aus den beiden Spielen liegt Keita nur mehr einen unter seinem Wert der gesamten Vorsaison.

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