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Alternative Liste der Champions - 2. Spieltag: Döp-däp-döp dä-dö-düpdüpdüp

Von David Kreisl

Gladbach ärgert sich über ein Unentschieden gegen Real Madrid - willkommen im Jahr 2020. Außerdem: Wir stellen die Fragen, die sich sonst niemand zu stellen traut. Was verbindet Alvaro Morata mit Sandhausen? Und wo wohnt eigentlich Didi Hamann? Mit Kate Upton und Alexander Gauland im Bett: Die Alternative Liste des 2. Champions-League-Spieltags.

1. Der Geist von Evgeni Kharlachev: In einer thematisch adäquaten Abwandlung von Romain Rollands berühmtem Zitat "Niemand ist vollkommen: Glück heißt, seine Grenzen kennen und sie lieben", meinte Sandro Wagner am Dienstag über Bayerns Gegner Moskau: "Sie wissen was sie können und was sie nicht können, und was sie nicht können ist ein gepflegter Spielaufbau und deswegen knallen sie die Dinger oftmals vor." Für die Bayern hätte das trotzdem fast gereicht, auch weil Robert Lewandowski kein Tor schoss (Eilmeldung!) und bei Thomas Müller Körper und Klaus seit langem mal wieder nicht im Einklang waren. Der Geist von Evgeni Kharlachev, der Lok am 12. September 1995 zum ersten und einzigen Triumph über die Münchner schoss, schwebte schon bedrohlich über der RZD-Arena. 9/12 - Never Forget. Nach ein paar Runden Coronawaschstraße - schön Unterboden, Aktivschaum, Heißwachs und Sagrotan - rissen die Bayern dann aber nicht nur ihre Trikots kaputt, sondern auch sich selbst zusammen. 2:1. Superbayern.

Sky / bild.de

2. Da fracht man sisch nachher natürlisch immer woran et jelegen hat: Zweizwei gegen Real und trotzdem ist die Laune im Eimer. Mannmannmann, Gladbach! Ein Spiel wie Sex mit Kate Upton und am Ende grinst Alexander Gauland aus der Bettritze. Diesen arroganten Schnöseln aus Madrid zwei eingeschenkt, epischer Wakanda-forever-Jubel, alles untermalt von Scooters zeitlosem Klassiker Döp-däp-döp dä-dö-düpdüpdüp. Ein Trashmärchen! Und dann? In den letzten Minuten die Hosen voll und wieder einen Sieg in den Restmüll geworfen. Was soll man da noch sagen? "Schönen Sonntag noch" vielleicht, wie Marco Rose am Ende seines Postmatch-Interviews? Oder einfach gleich Scooter zitieren? "Elastic to plastic, my platinum hit / You git, gudda gudda get up with it / Me on the mic, be sophisticated." Be sophisticated, das ist die Hauptsache. Auch für die Alternative Liste.

Nach der Recherche für den vorhergehenden Absatz brauchte der Autor eine längere mentale Pause. Punkt 3 entfällt deshalb diese Woche.

4. Er übernimmt jeden Fall: Trotzdem noch mal Real. Die haben sich schließlich auch neben dem Platz den nächsten Skandal zusammengepanscht. Und damit ist nicht Zinedine Zidane gemeint, der auf dem Weg zur Pressekonferenz nach dem Spiel offenbar mit der Zunge an einem halluzinogenen Kaktus hängengeblieben war und etwas von einem "guten Spiel" und "Wenn wir so spielen, werden wir große Dinge erreichen" delirierte. Nein, wir meinen Karim Benzema, der in der Halbzeitpause mal eben Vinicius Jr. als Schläfer in den eigenen Reihen enttarnte. "Spiel nicht zu ihm. Beim Leben meiner Mutter, er spielt gegen uns", lautete die Anweisung an Ferland Mendy. Dass Vinicius Jr. direkt daneben stand - geschenkt. Schließlich kommunizierten Mendy und Benzema in einer Art Geheimsprache, die eh niemand versteht (Französisch).

5. Apropos Mailand: Auch die Matratzenschnitzer von Atletico haben sehr last minute einen kompletten Katastrophenstart abgewandt. Von Salzburg wurden die Rojiblancos aber zunächst mal ordentlich hergespielt, mit Außenristpässen und Zuckertoren, wie man sie seit dem SPOX-Hallen-Cup 2013 nur noch selten gesehen hatte (jochentittmarfußballgott). Aber Diego Simeone kennt eben das taktische Feintuning, das es in so einem Fall braucht: Auf dem Weg aus der Kabine die Mannschaft noch mal blöd von der Seite anlabern und das 2:2 rauskitzeln (52.), dann eine Wechselorgie antäuschen, drei Spieler trotz ausgedehnter Unterbrechungen fast sechs Minuten lang verwundert an der Seitenlinie stehenlassen und diese dann vollkommen willkürlich in der 81. Minute ins Spiel werfen. Vier Minuten später: 3:2. Dieser gottverdammte Zauberer.

6. Der Mario Gomez in meinem Körper: Da halfen alle Imagefilme und degenerierten Homevideos von Cristiano Ronaldo nix: Juve gegen Barca war näher an Sandhausen gegen Stuttgart als am feuchten Traum aller FIFA-Kiddies, zu dem es hätte gehyped werden sollen. Alvaro Morata channelte seinen inneren Mario Gomez und machte - wie letzterer vor bald einem Jahr im BWT-Stadion am Hardtwald: drei Abseitstore. Auf der anderen Seite, sichtlich beflügelt vom Rücktritt Josep Maria Bartomeus, erzielte auch Lionel Messi einen Treffer (aber einen, der gildet) und soll zwischendurch sogar mal kurz gelächelt haben. Michael Born beerdigte ein übles Juventus zehn Minuten vor dem Ende mit der Feststellung: "Der Hoffnungsträger bei Juventus heißt übrigens Weston McKennie." Aua.

7. Schwach: Das erste offizielle Buh!™ der Saison geht an Julian Nagelsmann. Erst eine traumabewältigende Revanchegrätsche gegen Ole Gunnar Solskjaer für das Champions-League-Finale 1999 ankündigen und am Ende nicht durchziehen war schon mau. Sich dann aber noch vom gleichen Ole Gunnar Solskjaer, bekanntlich der Ole Gunnar Solskjaer unter den Fußballtrainern, auscoachen und 0:5 abschießen lassen?

8. Lothar schreibt ...: Noch bedenklicher war da nur, wie lange sich anstatt einer Spielanalyse mit der Sakko-Wahl des Leipzig-Coaches aufgehalten wurde. Immerhin da gab's noch ein ordentliches Tackling von Nagelsmann - zwar nur verbal, aber man nimmt, was man kriegen kann: "Reden wir nicht so viel über meine Klamotten", grätschte Nagelsmann Richtung Sky-Reporter. "Ich bin Fußballtrainer und kein Model." Sofort meldete sich Loddar ungefragt per WhatsApp aus dem Homeoffice und grüßte das mäßig magische Dreieck Hellmann/Hamann/Freund im Studio: "Ihr habt generell von Mode keine Ahnung, redet lieber über Fußball." Wir würden uns wirklich, wirklich wünschen, wir hätten irgendwas davon erfunden.

9. Super League ite domum: Fast vergessen: Gerade erst haben wir die AL für die Champions League reaktiviert, da kommt so ein Penner aus Barcelona mit der European Super League um die Ecke. Wir finden: Das könnt ihr euch geschmeidig in euer Rektum schieben. Sechsmal im Jahr City gegen PSG und Lazio gegen Lyon? Dann lieber Champions League und Ferencvaros Budapest gegen Dynamo Kiew! Das ist witzig und war schon mal das Endspiel im Europapokal der Pokalsieger. 1975, kein Scheiß.

10. Mehr breit: Schon fies war ein Zusammenschnitt von Sky, mit dem illustriert werden sollte, wie doll und fest Lucien Favre gegen Zenit gecoacht hatte. "GIO, MEHR BREIT!", wurde da, ja man muss fast sagen: gebrüllt, und "AUßÖÖÖN! AUßÄN!" gefordert. Nach Abpfiff war Favre aber puls- und lautstärkentechnisch schnell wieder auf Normalnull: "Isch bin, äh, immär so", grinste er wie ein freches Eichhörnchen und ließ Fragen, auf die er weniger Lust hatte, mit Trademark-Bonmots á la "Natürlisch, jaja, jaja .... jaja" einfach verschwinden. Die Führung für den BVB fiel übrigens nur ein paar Minuten nach der Auswechslung von Marco Reus - womit sich auch Didi Hamann mit einem guten Gefühl auf seine Ausziehcouch im Sky-Studio gelegt haben und selig eingeschlafen sein dürfte.

11. Sonst so: Schönen Sonntag noch!

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