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Analyse der Bayern-Krise: Darum sitzt Niko Kovac sicher im Sattel

Von Martin Volkmar

© getty

Vier Spiele ohne Sieg, nur Platz sechs in der Bundesliga: Die Stimmung beim FC Bayern ist nach den jüngsten Rückschlägen im Keller. Trotzdem hat Trainer Niko Kovac vorerst die Rückendeckung der Bosse.

Als das Oktoberfest begann, war die Welt beim FC Bayern in schönster Ordnung: Sieben Siege in Serie hatte das Team unter dem neuen Trainer Niko Kovac eingefahren.

Knapp zwei Wochen später herrscht pünktlich zum Ende der Wiesn Katerstimmung in München. Nach vier Spielen ohne Sieg steht der Rekordmeister in der Liga so schlecht da wie seit acht Jahren nicht mehr.

Entsprechend unangenehme Fragen musste sich Kovac im Anschluss an die 0:3-Pleite gegen Mönchengladbach am Samstag gefallen lassen.

Etwa danach, ob er noch die Rückendeckung der Klubführung habe. Mit anderen Worten: Ob er mit seiner baldigen Entlassung rechne - nach nicht mal 100 Tagen im Amt.

"Ich gehe davon aus, aber ich bin nicht derjenige, der letzten Endes diese Frage beantworten kann", sagte Kovac deutlich verunsichert.

Hoeneß' klares Bekenntnis zu Niko Kovac

So sah sich Uli Hoeneß offenbar am Sonntag genötigt, in mehreren Medien die volle Unterstützung des strauchelnden Trainers zu verkünden. "Bis aufs Blut" werde er Kovac verteidigen, erklärte Hoeneß martialisch.

Das schien ihm angesichts der deutlichen Kritik am Heynckes-Nachfolger offenbar nötig. Allen voran ehemalige Bayern-Stars wie Lothar Matthäus, Stefan Effenberg oder Dietmar Hamann lassen kein gutes Haar an Kovac und seinem Team.

In der Tat ist der neue Coach hauptverantwortlich für die Ideenlosigkeit in der Offensive und die defensive Anfälligkeit. Alle anderen Vorhaltungen allerdings greifen ins Leere.

Das angeblich zu lasche Training ist absurd, genau die gegenteilige Kritik kam Ende der letzten Saison aus Frankfurt. Dort hieß es vor dem Pokalfinale, Kovac habe die Mannschaft mit zu harten Einheiten "kaputt trainiert".

Niko Kovac als Trainer: Taktische Meisterleistung im Pokalfinale

Auch die vermeintliche taktische Einfalt ist kaum zu belegen, schließlich hat sich der Kroate in seiner Zeit bei der Eintracht als flexibler Tüftler gezeigt, der beim Triumph im Endspiel von Berlin gegen den künftigen Arbeitgeber sein Meisterstück ablieferte.

Vielleicht braucht Kovac ein wenig Zeit, um seinen Fußabdruck zu hinterlassen, auch in Frankfurt benötigte er eine gewisse Eingewöhnungsphase. Ob man die ihm auch bei den Bayern gewährt, ist allerdings die Frage.

Wobei weniger die ungeduldige Vereinsspitze aktuell das Hauptproblem ist als vielmehr die Struktur der Mannschaft. Einerseits, weil der im Sommer verschobene Umbruch nun offensichtlich weit negativere Auswirkungen hat als erhofft.

Der FC Bayern auf dem Oktoberfest: Ein Bier auf den Frust

Bayern-Kader: Oldies und Bankdrücker sorgen für schlechte Stimmung

Die Oldies Ribery und Robben sind noch immer überzeugt, dass sie jedes Spiel spielen müssen. Auch andere Topverdiener sorgten zuletzt weniger durch Leistung, denn durch offene Kritik an Kovac für Schlagzeilen.

James Rodriguez empfindet jede Zurückweisung durch den vermeintlichen Nobody auf der Trainerbank als persönliche Beleidigung und macht das teilweise intern sehr deutlich. Einig sind sich die Bankdrücker nur in ihrer Abneigung gegen den neuen Coach.

Gleichzeitig spielte das Millionen-Ensemble zuletzt so blutarm, dass die Parallelen zur deutschen Nationalmannschaft augenscheinlich sind. Möglich, dass die sechs DFB-Kicker im FCB-Team das WM-Desaster noch immer nicht vollständig verkraftet haben

Laut Süddeutscher Zeitung gab ein nicht genannter erfahrener Spieler zu, dass das Feuer fehle. Diagnose: Eine satte, überalterte Mannschaft ohne Esprit und Leidenschaft.

Bayerns Probleme: Verletzungspech und zu dünner Kader

Hinzu kommt noch das Verletzungspech, für das Kovac ebenso wenig die Verantwortung trägt wie für den für drei Wettbewerbe (plus Länderspiele) zu dünn besetzten Kader.

Würden die Bayern-Bosse also schon jetzt ihren Trainer zum Bauernopfer machen, könnten sie sich nicht mehr hinter ihm verstecken. Schließlich waren sie neben der Kaderzusammenstellung auch zuständig für die Bevorzugung von Kovac gegenüber Kandidaten wie Thomas Tuchel oder Julian Nagelsmann.

Die obere Hälfte der Tabelle nach sieben Spieltagen

PlatzTeamSp.ToreDiffPkt.
1.Borussia Dortmund723:81517
2.RB Leipzig716:9714
3.Borussia M'gladbach715:9614
4.Werder Bremen713:8514
5.Hertha BSC712:7514
6.Bayern München712:8413
7.Eintracht Frankfurt712:11110
8.1. FSV Mainz 0574:409
9.VfL Wolfsburg710:11-19

Dementsprechend können und müssen Hoeneß, Salihamidzic und Rummenigge ihren Chefcoach weiter stützen. Zumal angesichts von nur vier Punkten Rückstand auf Platz eins und der fehlenden Konstanz der Konkurrenten noch nichts verloren ist. Im Vorjahr wäre Bayern nach dem Einbruch des BVB vermutlich auch mit Carlo Ancelotti noch Meister geworden. Und die Champions League wird bekanntlich eh erst im Frühjahr entschieden.

Dennoch muss Kovac schnell die Kurve kriegen und die Mannschaft hinter sich bekommen. Ein weiteres Abrutschen in der Tabelle oder gar ein Vorrunden-Aus in der Königsklasse werden die Bosse ihm kaum verzeihen.

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