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NFL

Top 10: Die wichtigsten Erkenntnisse aus Woche 7 in der NFL

Von Adrian Franke

6. Sind die Bucs das kompletteste Team der Liga?

Wer weiß schon, welchen Impact Antonio Brown letztlich auf dieses Bucs-Team haben wird. Man sollte Brown angesichts der Vorwürfe, die nach wie vor gegen ihn im Raum stehen sowie innerhalb des NFL-Kontexts insbesondere angesichts seines Verhaltens bei den Raiders äußerst, äußerst kritisch gegenüberstehen. Und vielleicht kommt ultimativ noch eine weitere Sperre, und Brown wird nie für Tampa spielen.

Vielleicht wird er auch zu einem potenziellen Sprengstoff für diesen Locker Room. Nämlich dann, falls wirklich Brady die treibende Kraft hinter dieser Verpflichtung war - und Head Coach Bruce Arians, der im März eine Brown-Verpflichtung noch kategorisch ausgeschlossen hatte, dem nach wie vor skeptisch gegenübersteht. Was passiert, wenn es zu Spannungen kommt - und plötzlich eine Brady- gegen eine Arians-Front entsteht?

Vielleicht geht auch alles gut, und Brown wird tatsächlich der Nummer-3-Receiver sowie eine Art Absicherung, sollten Evans oder Godwin ausfallen - ein absoluter Luxus. In dem Fall würde sich noch weiter intensivieren, was man schon jetzt behaupten kann: Die Buccaneers sind das kompletteste Team in der NFL.

Inzwischen hat auch Rob Gronkowski einen festen Platz im Passspiel dieser Offense, einzig Mike Evans wirkt aktuell ein wenig wie das fünfte Rad am Wagen. Doch die Defense ist brandgefährlich, mit dem Pass-Rush, mit der Secondary, einem der besten Linebacker der Liga und einem der aggressivsten defensiven Play-Caller der Liga. Die Offensive Line ist in Ordnung, und Brady spielte gegen die Raiders eine herausragende Partie.

Einzig, und das fällt Woche für Woche auf - und dürfte sich auch nicht mehr signifikant verändern - das offensive Play-Calling bleibt Grund zur Sorge. Die Bucs sind offensiv extrem eindimensional, extrem statisch, extrem vorhersehbar. Gegen die Raiders hatte Brady einige perfekte Pässe zu Gronk, aber auch der 33-Yarder zu Miller beispielsweise. Wenn Brady so weiter spielt, sind die Bucs in jedem Fall ein Titelkandidat. Aber wie viel geht nach oben noch?

7. Die Packers zurück in der Spur

Green Bays Spiel gegen Tampa Bay bot einen exzellenten Einblick dahingehend, wie man der Packers-Offense ernsthafte Probleme bereiten kann. Das Problem: Wenige Teams haben die defensiven Ressourcen, wie sie Tampa Bay vorweisen kann. Wenige Teams können - und wollen - so aggressiv blitzen, aus allen Richtungen Pressure bringen und in Man Coverage überleben.

Dass dieser Plan für Houston schwierig werden würde, war von Anfang an klar. Mit der Verletzung von Cornerback Bradley Roby wurde es dann unmöglich. Roby ist Houstons Nummer-1-Corner und verfolgt regelmäßig gegnerische Nummer-1-Receiver. Er selbst gehört dabei nicht gerade zur Cornerback-Elite - doch wenn nach seiner Verletzung plötzlich Vernon Hargreaves in die gleiche Rolle gedrängt wird, gehen schnell die Lichter aus.

13 Catches für 196 Yards und zwei Touchdowns standen am Ende für Packers-Nummer-1-Receivers Davante Adams zu Buche und die Packers machten über drei Viertel offensiv, was sie wollten. Früh im Spiel waren abermals die Jet-Motion-Pakete auffällig, gerade in der Red Zone. Diese Offense ist nach wie vor gut, die große Frage ist, was passiert, wenn gegen eine aggressive Defense Plan A nicht funktioniert.

Gegen Houston war das nie ein Thema, stattdessen war ein anderer Aspekt auffällig: Green Bays Front meldete sich gegen eine zuletzt verbesserte Texans-Line zurück. Houston konnte den Ball nicht laufen und Watson stand wieder mehr unter Druck. Wenn die Packers defensiv eine gewisse Base-Line wieder erreichen wollen, muss diese vermutlich über die Defensive Line kommen. Gegen Houston half sie merklich, einen Shootout zu verhindern.

8. Sind die Bills noch ein Titelkandidat?

"Gute Teams schlagen schlechte Teams deutlich" ist fraglos Phrasenschwein-würdig - trotzdem hätte man sich fraglos mehr von den Bills im Spiel gegen die Jets gewünscht. Die Bills konnten dabei den Ball bewegen, zumindest durch die Luft und dann auch mit einzelnen Akzenten von Josh Allen als Runner.

Aber gerade da, wo sich eine gute Offense in einem solchen Matchup klar absetzen sollte, wackelte Buffalo. 3/11 bei Third Down und aus fünf Red-Zone-Trips sprang kein einziger Touchdown heraus. Alle Bills-Punkte kamen per Field Goal. Unnötige Strafen, Field-Goal-Fehlschüsse, eine fallengelassene Interception: Buffalo stand sich häufig selbst im Weg, das Spiel hätte sicher auch deutlicher ausgehen können.

Nun war es ein Division-Duell, in denen häufiger mal merkwürdige Dinge passieren können und unter dem Strich steht ein Sieg - der aber eben auch nur so zustande kommen konnte, weil es gegen die Jets ging, die ihrerseits offensiv die Bills-Probleme nicht ausnutzen konnten.

Und doch stehen einige Details, die Sorgen machen dürfen. Josh Allen hatte wieder einen Beinahe-Fumble bei einem Scramble, dann einen Fumble in der Pocket. Er wirkte generell oft hektisch in der Pocket und gleichzeitig mehrfach zu langsam mit seinen Augen, war spät mit seinen Würfen wie etwa bei dem langen Third-Down-Pass, bei dem sich Stefon Diggs etwas wehtat.

Vor allem aber ist es eben die Folge der Spiele. Gegen Tennessee und Kansas City wurde deutlich, dass Buffalo nach ganz oben zur AFC-Spitze doch noch einige Prozentpunkte fehlen. Insbesondere, weil Allen in beiden Partien vermutlich seine schwächsten Saisonspiele hatte. Und vielleicht ist das auch der Hauptpunkt: Allen war sichtbar verbessert über die ersten Wochen - die einzelnen Aussetzer waren aber noch immer da, und Allens Inkonstanz wird ein Thema bleiben, weil die eigene Defense gleichzeitig eben nicht auf dem eigenen dominanten Level der Vorsaison ist.

All das bedeutet nicht, dass die Bills plötzlich schlecht sind. Es unterstreicht eher vor allem einmal mehr, dass die kleine Sample Size der ersten Saisonwochen umso mehr Vorsicht erfordert. Die Bills sind gut, aber sie wandeln noch immer auf einem schmalen Grat.

9. Muss man sich um die Chiefs-Offense Sorgen machen?

Die Lektion aus dem Chiefs-Broncos-Spiel ist relativ simpel: Wenn man die Chiefs-Offense nicht einmal herausfordert, hat man keine Chance. Ein Pick Six, ein Return-Touchdown, ein komplett vermasselter Flea Flicker, der zum Turnover führte - Denver grub sich selbst so viele Löcher, dass selbst der eigene funktionierende Pass-Rush hier nicht ausreichte.

Dann kann man gegen Kansas City schlicht nicht bestehen. Denvers Passspiel sah dabei auch häufiger äußerst wacklig aus. Lock - der über die zweite Saisonhälfte noch sehr viel zeigen muss, um Denver von den Quarterbacks im kommenden Draft abzuhalten - warf eine üble Interception zu Sorensen, verfehlte tief mehrfach seine Targets. So konnten die Broncos dann auch selbst mit der eigenen Offense keinen Druck aufbauen, um Kansas Citys Offense mal aus der Reserve zu locken.

Trotzdem geht man auch aus dieser Partie wieder mit einigem Zähneknirschen was die Chiefs-Offense betrifft. Denn während Kansas City am Montag gegen Buffalo offensiv eben "genug" machte, indem man die Einladung für das eigene Run Game mit ausreichender Effizienz annahm, konnte man gegen Denver nicht einmal das sagen. Die Chiefs liefen den Ball lange nur sehr vereinzelt gut und auch Mahomes wirkte für seine Verhältnisse ziemlich inkonstant.

Hier passt die Metapher vom allseits bekannten guten Pferd, das nur so hoch springt, wie es muss. Aber wir haben von den Chiefs zu häufig jetzt dieses Jahr schon offensiv träge Auftritte gesehen - und die Probleme in Pass-Protection bleiben ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch die Saison zieht. Können Mahomes und Co. dann tatsächlich auf Knopfdruck wieder hochfahren, wenn es Richtung Januar geht?

10. Washington, Saints und der Rest aus dem Notizblock

  • Kein Michael Thomas, kein Emmanuel Sanders - wie würde sich die Saints-Offense präsentieren? Teilweise, wie es zu erwarten war: Es war die Alvin-Kamara-Show, Brees warf keinen Pass tiefer als 19 Yards, aber war extrem präzise innerhalb von 15 Yards. Und es war das unerwartete Breakout-Spiel von Marquez Callaway. Gleichzeitig Sorgen bereitet die Defense, die noch immer viel zu viel zulässt. Auch gegen Carolina gab es einen Coverage-Bust zwischen den beiden tiefen Safeties, der zu einem langen Touchdown führte.
  • Antonio Gibson ist der mit Abstand talentierteste Running Back in Washington, und das scheint inzwischen auch die Team-interne Sichtweise zu sein. Gibson hatte mehrere Big Plays als Runner gegen Dallas - nach wie vor aber ist es verwunderlich, dass Washington ihn bislang nicht konstanter und vielseitiger ins Passspiel einbinden kann.
  • Bei den Jets hat Adam Gase die Play-Calling-Verantwortung aufgegeben - und Dowell Loggains hatte zumindest einige Phasen, in denen die Offense merklich besser lief. Mit mehr Motion, mit kleinen Erfolgen im Run Game. Das reichte schon, um in Ansätzen zu erkennen, wie wenig Adam Gase der Offense bislang gegeben hat. Nach der Halbzeitpause war Gang Green dann einmal mehr komplett abgemeldet.
  • Die Lions spielten Atlanta viel zu sehr in die Karten. Die Run-Defense der Falcons ist tatsächlich nicht so schlecht - die Secondary und die Pass-Defense dagegen desolat. Dennoch blieb Detroit viel zu lange beim Early Run Game (20 Runs bei First und Second Down für -0,2 Expected Points Added pro Play), statt Matt Stafford die Arbeit zu erleichtern (25 Pässe bei First und Second Down für 0,36 Expected Points Added pro Pass). Und der Großteil dieser Runs ging dann auch noch an Adrian Peterson, der nicht nur merklich ineffizienter war als D'Andre Swift, sondern auch nicht ansatzweise dessen Receiving-Potenzial hat. Dass Detroit dennoch gewann - nun, dafür gebührt der Dank letztlich Todd Gurley.

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Seite 2: Sorge um Burrow - und Cardinals vs. Seahawks wieder absurd

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