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NBA - Uwe Blab im Interview: "Es war mir gar nicht bewusst, dass Jordan weniger Punkte hatte als ich"

Von Robert Arndt

Zu den Warriors sind Sie als Free Agent gewechselt. Coach war Don Nelson, der schon damals für seine Small-Ball-Affinität bekannt war. Wie sind Sie denn auf diese Idee gekommen?

Blab: Das hat sich so ergeben. Wir hatten damals im Sommer Training Camps, wo die Coaches anwesend waren und wir in gemischten Mannschaften mit allen möglichen Free Agents Spiele absolvierten. Jeder hat dort für einen neuen Job gespielt und am Ende war es, zumindest bei mir, reine Glückssache. Da durfte man nicht wählerisch sein. Ich hatte dieses eine Angebot und das nimmt man dann eben an. Warum Nelson mich wollte, weiß ich bis heute nicht. Die Warriors hatten zu dem Zeitpunkt nur einen Center und ich sollte wahrscheinlich eine Art Versicherung sein.

Es war eine spannende Zeit in Oakland. Es wurde Tim Hardaway gedraftet, Mitch Richmond und Chris Mullin waren schon da. Run TMC steckte also in den Kinderschuhen.

Blab: Das war einfach ein gutes Team, vor allem mit guten kleinen Spielern. Das hatte sich schon abgezeichnet und wir waren auch mit mir gar nicht schlecht, obwohl das Team am Ende die Playoffs verpasste. Meine Rolle war auch recht klar. Ich sollte verteidigen und war der große Spieler, der die Rebounds holen und die anderen großen Spieler verteidigen sollte. Von draußen schießen konnte ich dagegen nicht, aber für meine Größe war ich recht flink und sollte immer den Fastbreak mitlaufen, um so die gegnerischen Center müde zu machen.

Der andere Center im Warriors-Kader, der konnte aber Dreier werfen ...

Blab: Das stimmt, der hat manchmal zum Spaß Dreier geworfen. Der Manute Bol war wirklich ein interessanter Mann. Wir haben auf Aufwärtsfahrten meistens das Zimmer geteilt und da haben wir viel miteinander geredet. Er hat mir vor allem Geschichten aus seiner Heimat im Sudan erzählt. Ich weiß nicht mehr, wie viele es waren, aber er musste für seine Frau Schafe und Kühe bezahlen. Wir sind gut miteinander ausgekommen, obwohl wir Konkurrenten waren.

© getty
Uwe Blab spielte vier Jahre für die Dallas Mavericks.

Und auf dem Feld: Wie war das mit und gegen einen Typen, der 2,31 Meter groß ist?

Blab: Im Training habe ich ständig gegen ihn gespielt. Das war immer etwas ganz anderes. Normalerweise muss der Verteidiger im Post sehr vorsichtig agieren, wenn der Angreifer den Pass bekommt, weil die Schiedsrichter das Reingreifen oder Schlagen nach dem Ball fast immer abpfeifen. Aber Manute hatte so lange Arme und war so groß - auch mir gegenüber -, der konnte über dich rübergreifen und den Ball wegschlagen, bevor er überhaupt bei mir angekommen war. Durch seine schiere Präsenz hat er eigentlich jeden Gegner gezwungen, sein Spiel anders aufzuziehen.

Starten durften aber meistens Sie, bevor die Warriors Sie zur Deadline doch tradeten - für Christian Welp.

Blab: Ich kannte den Chris zu diesem Zeitpunkt gar nicht, erst später waren wir in der Nationalmannschaft zusammen in einem Team. Das war mal wieder so ein Zufall. Da spielen drei Deutsche in der NBA und dann werden zwei füreinander getradet. Warum Nelson das gemacht hat, weiß ich bis heute nicht. Aus Sicht der Spurs war es dagegen klarer. Die wollten mich nur holen, damit ich David Robinson, der gerade seine Rookie-Saison absolvierte, im Training ein bisschen Paroli bieten kann. David war ein unfassbarer Athlet für die damalige Zeit. Natürlich gab es Michael Jordan, aber dass ein Center solch einen Körper hatte und sich so gut bewegen konnte, war völliges Neuland.

Unabhängig vom Training gegen Robinson. Gegen wen haben Sie es gehasst zu spielen?

Blab: Es gab einen Kleine, hieß er Joe mit Vornamen? Ja, er hieß Joe Kleine. Der war wie ich vornehmlich Backup-Center und entsprechend habe ich häufiger gegen ihn gespielt. Er war nicht besonders athletisch, aber ein bisschen dicker. Der hat oft hart und man kann schon sagen etwas dreckig gespielt. Ständig hat er die Ellenbogen eingesetzt und geschwungen, da habe ich überhaupt keinen Spaß gehabt.

Interessant, wir hätten hier eher Hakeem Olajuwon oder Patrick Ewing erwartet. Aber zurück zu den Spurs. Zu Ihrer Zeit dort wurde ein gewisser Gregg Popovich gerade Assistant Coach.

Blab: Das war ein echt netter Mann, der vor allem mit den Spielern gut konnte. Dass der so durchstarten würde und noch heute Coach bei den Spurs ist, hätte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen können. Klar, er war sympathisch und hatte für die Spieler immer ein Ohr, aber diese Entwicklung dürfte niemand kommen gesehen haben.

Uwe Blab: Seine Statiistiken in der NBA

SaisonTeamSpieleMINPTSFG%REBBLK
85/86Mavericks488,52,646,81,90,3
86/87Mavericks305,31,839,21,20,3
87/88Mavericks739,02,243,91,80,4
88/89Mavericks375,61,846,21,20,4
89/90Warriors/Spurs4711,32,139,82,30,5

Sie waren nur ein paar Monate in San Antonio, 1990 ging es dann wieder zurück nach Europa.

Blab: Ich hatte damals kein Angebot mehr und bin auch gar nicht mehr zu den Training Camps gefahren. Ich sagte meinem Agenten, dass wir uns lieber auf Europa konzentrieren sollten und er hat mich ein Jahr in Italien untergebracht, bevor ich schließlich bei ALBA Berlin unter Vertrag genommen wurde.

Dazwischen waren auch noch die Olympischen Spiele in Barcelona. Wenn Sie das mal mit 1984 vergleichen: Wie hatte sich der deutsche Basketball in dieser Zeit entwickelt?

Blab: Es hatte sich definitiv was getan. Wir hatten nun drei NBA-Spieler und waren deutlich jünger als noch in Los Angeles. Wir waren schon besser, aber auch nicht so viel. Der Unterschied zwischen 1984 und 1992 war, dass wir uns diesmal sportlich qualifiziert hatten. In Los Angeles waren wir nur dabei, weil die Sowjetunion die Spiele boykottiert hatte und wir nachrückten. In Barcelona waren wir dann völlig zurecht dabei und schlugen in der Qualifikation unter anderem auch Kroatien, die später Silber gewannen.

In Barcelona war im Viertelfinale Schluss, ein Jahr später wurde der DBB dann sensationell Europameister, aber ohne Uwe Blab.

Blab: Ehrlich gesagt hatte ich die Schnauze voll von Basketball. Ich habe auch meinen Vertrag mit ALBA nicht mehr verlängert. Ich habe rund um die Uhr gespielt, auf dem College, in der NBA. Danach ging ich jeden Sommer zur Nationalmannschaft und dort wurde immer angenommen, dass die Spieler wieder fit gemacht werden müssten. Deswegen gabs dann immer ein hartes Trainingslager und die ganzen Spiele. Dann war das vorbei und schon begann wieder die NBA-Saison und wieder war Trainingslager angesagt. 1993 war ich schon verheiratet, unser zweites Kind war gerade geboren und ich hatte schlichtweg genug.

Verfolgen Sie heutzutage noch die NBA oder mal eine Weltmeisterschaft?

Blab: Ich schaue gerne rein, vor allem NBA und College. Ein echtes Lieblingsteam habe ich eigentlich nicht, meistens bin ich einfach für den Außenseiter. Indiana verfolge ich auch noch, aber wie sie damals Bobby Knight aus seinem Amt herausgedrängt haben, hat mir nicht gefallen.

Wenn Sie sich die NBA heute ansehen. Hätte es da noch einen Platz für Sie gegeben?

Blab (lacht): Ich würde in der heutigen NBA nicht mehr überleben, eventuell wenn ich an meinem Wurf von draußen gearbeitet hätte. Das ist ja heutzutage fast schon Pflicht, weil sonst ein anderer Spieler immer gedoppelt wird. Die Center spielen ganz anders und die großen Jungs aus den 80ern hätten einen schweren Stand, vor allem die großen, unathletischen, schweren Spieler. Es ist schon verrückt, wie sehr sich das Spiel in den vergangenen 30 Jahren verändert hat.

Seite 1: Blab über Recruiting im Biergarten, einen Korb für Coach K und den Stuhl

Seite 2: Blab über den Sieg gegen Jordan und Kareems Sky Hook

Seite 3: Blab über Training mit David Robinson und Assistant Coach Popovich

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