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NBA

NBA: Wie Desmond Bane von den Grizzlies zu einem der größten Draft-Steals der vergangenen Jahre wurde

Von Ole Frerks

Desmond Bane war bei den Memphis Grizzlies vom Start weg ein wertvoller Spieler, in der neuen Saison schickt er sich an, sogar noch etwas mehr zu werden. Dabei hätten die Grizzlies den 23-Jährigen eigentlich gar nicht bekommen dürfen.

Jeder General Manager in der NBA trifft Entscheidungen, die er später gerne zurücknehmen würde, gerade wenn er lange im Amt bleibt. Das bleibt in einem Sport nicht aus, egal, wie gründlich und gewissenhaft man seine Schritte plant. Auch die besten Personaler sind nicht vor Fehlentscheidungen gefeit.

Danny Ainge hielt sich für die Verhältnisse dieses Jobs sehr lange im Amt - von 2003 an bis zum vergangenen Sommer war er im Front Office der Celtics tätig beziehungsweise führte dieses an. Er traf gute Entscheidungen, baute das Meisterteam 2008 zusammen, tauschte den Nr.1-Pick 2017 (Markelle Fultz) für Jayson Tatum und einen weiteren Lottery-Pick ein.

Doch auch er hatte seine Aussetzer. Man muss dafür nicht lange zurückgehen, um ein recht eklatantes Beispiel zu finden - den 2020er Draft. Damals trafen Ainge und sein Team eine Entscheidung, die in dem Moment schon schlecht aussah und seither nicht schöner geworden ist. Warum ließ sich Boston Desmond Bane durch die Lappen gehen?

Desmond Bane: Zu alt, zu kurz ...

Vorweg: Die Celtics waren nicht die einzigen. Blickt man auf die Draft-Reihenfolge ab einer gewissen Range (Dallas an 18?), gibt es eine ganze Reihe von Teams, die mit einer Entscheidung pro Bane heute besser dastehen würden. Es verwirrt aus heutiger Sicht, wie ein Spieler mit offensichtlichen 3-and-D-Skills bis auf Platz 30 fallen konnte, wenn genau diese Fähigkeiten überall gesucht werden. Aber so läuft es manchmal.

Es ist das alte Lied: Bane war mit 22 nach vier Jahren am College relativ "alt" für einen Rookie, seine Arme sind ungewöhnlich kurz, im Vergleich zu jüngeren Spielern wurde ihm weniger Luft nach oben bescheinigt. Es war nicht das erste Mal, dass ein Spieler aus diesen Gründen fällt, es wird auch nicht das letzte Mal sein.

Was die Celtics machten, war dennoch bemerkenswert - weil Bane ihnen eigentlich in den Schoß fiel. Boston pickte dreimal in der ersten Runde: Aaron Nesmith war der 14. Pick, Payton Pritchard folgte an 26, dann kam Bane an 30. Das Team brauchte Shooting rund um die Stars Tatum und Jaylen Brown, eigentlich ergab also auch der Pick eines "alten" und damit fertigen Rookies durchaus Sinn.

Nur nicht für die Celtics. Boston verschenkte - man kann es nicht anders ausdrücken - den 30. Pick und damit Bane an Memphis, als Gegenwert kamen nur zwei künftige Zweitrundenpicks zurück. Und die Celtics wurden Enes Kanter los, der prompt in Portland landete. Der Türke spielt mittlerweile übrigens wieder in Boston. Und Memphis kann sein Glück vermutlich bis heute kaum fassen.

NBA Draft 2020: Die Picks 18-30

PositionTeamPick
18Dallas MavericksJosh Green
19Detroit Pistons (via Brooklyn)Saddiq Bey
20Miami HeatPrecious Achiuwa
21Philadelphia 76ersTyrese Maxey
22Denver NuggetsZeke Nnaji
23Minnesota Timberwolves (via New York)Leandro Bolmaro
24Denver Nuggets (via Milwaukee)R.J. Hampton
25New York Knicks (via OKC)Immanuel Quickley
26Boston CelticsPayton Pritchard
27Utah JazzUdoka Azubuike
28Minnesota Timberwolves (via Lakers)Jaden McDaniels
29Toronto RaptorsMalachi Flynn
30Memphis Grizzlies (via Boston)Desmond Bane

Desmond Bane in Memphis: Ein Glücksfall

Bane hat die Befürchtungen, er könne sich nicht mehr groß steigern, nämlich schon jetzt ad absurdum geführt. Als Rookie fand der Swingman sich in Memphis tatsächlich ohne Anlaufschwierigkeiten zurecht: In einem Team ohne viel Shooting war er vom Start weg ein guter Floor-Spacer, traf 43 Prozent seiner Dreier und gleich 47 Prozent aus der Ecke.

Bane nahm dabei sehr wenig, gab aber viel: Seine Usage-Rate von nur 15,5 Prozent verdeutlichte die kleine Rolle in der Grizzlies-Offense, aber Bane füllte diese exzellent aus und stand auch defensiv seinen Mann. In seiner ersten Saison sah er bereits wie ein wertvoller Rollenspieler aus.

"Wir wussten, dass er ein Junge mit einem hohen IQ ist, der es liebt zu arbeiten", schwärmte Grizzlies-Coach Taylor Jenkins gegenüber The Athletic. "Er kümmert sich, er hat die Arbeitseinstellung, er hat die physischen Attribute. Wir sind nicht im Geringsten überrascht [von seiner Entwicklung]."

Desmond Bane glänzt neben Ja Morant in größerer Rolle

In der neuen Saison hat er seinen Horizont noch deutlich erweitert. Während Backcourt-Kollege Ja Morant (berechtigterweise) alle Schlagzeilen dominiert, ist Bane zum Saisonstart oft die zweite Option der Offense und ein ähnlich legitimer Kandidat für den Most Improved Player-Award (wenn Zweit- oder Drittjahresprofis legitim sind). Er ist kein reiner Catch-and-Shoot-Spieler mehr, teilweise übernimmt Bane nun ganz andere Pflichten.

Bane studierte im Sommer Spieler wie Devin Booker oder C.J. McCollum und teilweise lässt sich das erkennen: Er initiiert mehr selbst mit dem Ball in der Hand, der Anteil seiner selbst kreierten Abschlüsse ist deutlich gewachsen. Er hat jetzt schon mehr Pullup-Jumper getroffen (exzellente 27/53) als in der gesamten Vorsaison (23/53).

Seine Effizienz ist in der neuen Rolle ein wenig gesunken, aber immer noch klar überdurchschnittlich - und es ist damit zu rechnen, dass die Dreierquote (derzeit 37,8 Prozent) noch steigen wird. Über die vergangenen drei Spiele traf er kombiniert 12/22 von Downtown, einen kurzen Cold Streak zwischendurch hat er überwunden.

NBA: Das sind die Top-Kandidaten auf den Titel des Most Improved Players

Desmond Bane: Gut genug für eine lange Karriere

Als fertig betrachtet Bane sich selbst dabei noch nicht - richtigerweise. Er kommt Stand jetzt fast nie an die Freiwurflinie, ist noch keine Gefahr am Ring. "Ich will ein besserer Finisher werden, ein besserer Playmaker, damit ich mehr am Ball spielen kann und ein echter Three-Level-Scorer werde", sagte Bane zu The Athletic.

Das sind große Ziele und es bleibt abzuwarten, ob der nicht unbedingt explosive Athlet Bane diesen Punkt tatsächlich erreichen wird. Was hingegen jetzt schon feststeht: Er ist einer der besseren Spieler seines Jahrgangs und einer, dessen Skillset ihm, selbst wenn es sich nicht mehr groß verändert, eine lange Karriere in der Liga bescheren wird. Diese Art von Spieler kann jedes Team brauchen, ausnahmslos.

Unter normalen Umständen ist ein solcher Spieler an Position 30 bereits ein Draft-Steal. Unter diesen besonderen Umständen ist er für die Grizzlies sogar mehr als das.

Desmond Bane: Seine Statistiken in Memphis

SaisonSpieleMinutenPunkteeFG%Usage-Rate
20/216822,39,258,615,5
21/221829,115,856,920,8

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