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NBA - Die "Run TMC"-Warriors unter Don Nelson: Der verrückte Professor und das Schlaraffenland auf Zeit

Von Robert Arndt

Run TMC: Magic und die Lakers sind zu stark

Die Strategie ging auf, die Warriors gewannen die anschließenden drei Partien und trafen nun auf die Lakers um Magic Johnson. Zum Auftakt fehlte noch Mullin und prompt setzte es eine Pleite, doch in Spiel 2 schockten die Warriors die Lakers, als sich Mullin ein episches Duell mit Magic lieferte. Zwar legte der Lakers-Guard mit 44 Zählern seinen ewigen Playoff-Rekord auf, doch Mullin hielt mit 41 Punkten dagegen und führte seine Farben zu einem knappen Sieg.

Voller Euphorie ging es zurück nach Oakland, vor Spiel 3 trat sogar die legendäre Rap-Crew Run DMC in der späteren Oracle Arena auf. Die Lakers waren aber letztlich zu stark und gewannen die restlichen drei Spielen, wenn auch zwei davon äußerst knapp.

"Besser haben wir nie gespielt", erklärte Mullin später bei NBC Sports. "So viel Spaß wie in dieser Zeit hatten wir nie wieder." Die Zukunft sah damals trotz der Pleite vielversprechend aus. Mullin (27), Richmond (26) und Hardaway (24) hatten ihre besten Jahre noch vor sich, obwohl sie zusammengerechnet über die Saison satte 72,5 Punkte im Schnitt erzielten.

Run TMC stirbt durch den Richmond-Trade

Doch die heile Warriors-Welt erhielt Risse, vor allem das Verhältnis zwischen Nelson und Richmond war angespannt. Nellie kritisierte seinen Shooting Guard für dessen Defense, Richmond wollte nicht hören. "Wenn du alles weißt, dann kannst du morgen coachen", sagte Nelson während eines Streits und tatsächlich tat Richmond dies am folgenden Tag.

Mit einem Becher Kaffee alberte Richmond herum und imitierte seinen Coach. Zudem verhielt er sich so, als ob er betrunken sei, ein kleiner Seitenhieb gegen Nelson, dem schon immer eine gewisse Nähe zum Glas nachgesagt wurde. Dazu kam auch das liebe Geld ins Spiel. Richmond wollte eine Gehaltserhöhung, da Mullin mit 3,3 Millionen Dollar deutlich mehr verdiente als der Guard.

Trotzdem machte Richmond die Vorbereitung zunächst mit, im Hintergrund mehrten sich aber die Gerüchte, dass die Warriors auf der Suche nach einem Big Man seien und dafür Richmond abgeben würden. Am Tag des Saisonauftakts ließ Nelson dann die Katze aus dem Sack. Er habe Richmond nach Sacramento für Rookie-Center Billy Owens getradet, ließ Nellie seinen Guard in einer Hotel-Lobby in Denver wissen. Das Team wurde dann im Bus auf dem Weg zum Spiel informiert.

"Wir waren wie betäubt", beschrieb Hardaway diesen Moment. "Um ehrlich zu sein, haben wir uns von diesem Moment nie wieder erholt." Auch für Richmond brach eine Welt zusammen. Einen Tag nach dem Trade war sein neues Team in Oakland zu Gast, die Kings verloren mit 62 Punkten (91:153). "Ich habe geheult wie ein Schlosshund und war schlaflos", verriet Richmond.

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Run TMC war nach nur zwei Jahren Geschichte, das Team auseinandergerissen, bevor es richtig losging. Owens erledigte seine Sache zwar solide mit durchschnittlich 15 Punkten sowie 8 Rebounds über drei Jahre, der Glanz der vergangenen Spielzeiten konnte aber nicht reproduziert werden. Die Warriors gewannen ohne Richmond in der folgenden Saison zwar starke 55 Spiele, nach Runde eins war aber bereits gegen Seattle Schluss.

Mullin und Hardaway kämpften danach immer wieder mit Verletzungen und verließen nach und nach das sinkende Schiff. Es sollte bis 2007 dauern, bis die Warriors überhaupt mal wieder ein Playoff-Spiel für sich entschieden (das ebenfalls legendäre WeBelieve-Team gegen Nowitzkis Mavericks).

So verwundert es wenig, dass Nelson inzwischen einsichtig geworden ist. "Das war der schlimmste Trade meines Lebens und die einzige Entscheidung, die ich in meiner langen Karriere bereue." Nelson gab aber auch an, dass er Druck von Seiten der Vereinsführung gespürt habe, größer zu spielen. Der Trade war also nur eine Reaktion darauf.

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Run TMC: Wegbereiter für die heutige NBA

Die Warriors waren mit diesem Trio der Zeit so sehr voraus, dass sie selbst nicht realisierten, was sie eigentlich hatten. "Die Gegner wussten nicht, was sie mit uns machen sollten, sie hatten keinen Plan", sagte Hardaway NBA.com mit einem gewissen Stolz und auch Mullin schlug in die gleiche Kerbe: "Keiner konnte uns stoppen, weil sie nicht verstanden, was wir machten. Wir hatten kein Playbook und deswegen konnte sich keiner auf uns einstellen."

Kleine Aufstellungen, weniger Bigs, mehr Guards, schnelle Abschlüsse - Run TMC zelebrierte modernen Basketball in seiner Reinform, der erst gut 20 Jahre später von den Phoenix Suns unter Mike D'Antoni und dann von den Warriors mit Stephen Curry, Klay Thompson sowie Draymond Green auf die Spitze getrieben wurde.

Mullin, Richmond und Nelson sind inzwischen in der Hall of Fame, nur Hardaway muss weiterhin auf seine Aufnahme warten. Vermutlich auch wegen seiner homophoben Äußerungen vor langer Zeit, für die er sich nun bereits mehrfach entschuldigte. Doch auch sein Name ist für immer mit Run TMC verwurzelt, ein Team, das den Basketball revolutionierte - auch ohne einen Ring.

Seite 1: Offensiv-Spektakel dank des verrückten Professors

Seite 2: Showdown mit Magic und ein verhängnisvoller Trade

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