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MLB: Baseball-Legende Babe Ruth im Porträt: Der Vater von Michael Jordan

Von Oliver Mehring

© getty/imago

Während sich die amerikanische Wirtschaft im Aufwind befand, wurde New York zum Mittelpunkt der Welt - mit Lebemann Babe Ruth als Aushängeschild. Er verkörperte ungeniert den neuen Wohlstand Amerikas, den American Dream, lebte jenes Leben in Saus und Braus, welches F. Scott Fitzgerald in "Der große Gatsby" später an den Pranger stellte: "Er ging mit zahlreichen Frauen ins Bett, trank unheimlich viel Alkohol, er beeindruckte die Leute mit seinem unglaublichen Appetit, er hasste Regeln und tat nahezu sein ganzes Leben lang das, worauf er verdammt nochmal Lust hatte", hielt Robert W. Creamer in einer Babe-Biographie fest.

Dazu kam die technische Revolution: Mobilität, Kommunikation und Unterhaltungsmedien. Das Radio war in den meisten US-Haushalten angekommen, die Kinosäle platzten aus allen Nähten, Baseball die perfekte Sportart. Der Knall eines Hits war im Radio perfekt zu hören, die teuren Filmrollen der Kinos konzentrierten sich auf die Momente, wenn Ruth in der Batter's Box stand. Er war Teil der großen Medienrevolution und des "Golden Age of American Sport".

Aus Ruth wurde ein Star, der sich Seite an Seite mit den Leinwandhelden Hollywoods auf dem roten Teppich zeigte. Der mit US-Politikern, mit Jazz-Musikern und Mafia-Bossen dinierte. Baseball-Autor Leigh Montville erklärte später: "Diese Helden wurden wie Müslipackungen konsumiert. Es waren keine Charaktere mehr, die alleine von der Mystik der Vergangenheit lebten und in Schriftform festgehalten wurden. Man konnte ihre Stimmen über das Radio hören, ihre Bilder in der Zeitung sehen, ihre Neuigkeiten im Kino sehen. Sie erschienen wie persönliche Freunde einer jeden Familie."

© pinterest
Babe Ruth war besonders bei Kindern sehr beliebt

Und Ruth war der Spitzbube von nebenan. Kinder liebten seine ulkigen Grimassen, die er vom Bullpen aus immer wieder zog, um das Publikum zu unterhalten. Er besuchte regelmäßig Krankenhäuser, um besonders den kleinen Patienten Mut zuzusprechen. Erwachsene liebten seine unkonventionellen Interviews, seine kindliche, ungehobelte Art, die einen eigenartigen Kontrast zu seinem äußeren Erscheinungsbild darstellte. Ruth war ein 1,88 Meter großer Bär und wog um die 100 Kilogramm. Er war einer von ihnen und dennoch so einzigartig in seinen Leistungen auf dem Platz.

Nach seiner Rekordsaison mit 29 Home Runs durchbrach er nur ein Jahr später die 30er-Schallmauer, dann die 40er, die 50er und lag am Ende seiner Yankees-Debütsaison bei 54 Home Runs. 1927 erzielte Ruth schließlich 60 Home Runs in einer Saison. Zum Vergleich: Als Babe 1920 29 Home Runs erzielte, war der nächstbeste Hitter George Sisler mit 19. Bis 1961 sollte kein Baseballspieler mehr Bälle in einer Saison mit einem Schlag über das Feld tragen als The Big Bam. Erst Hank Aaron übertraf 1974 den Karriererekord von 714 Home Runs; nach wie vor liegt Ruth auf Platz drei im ewigen MLB-Ranking.

Alle Saisons von Babe Ruth bei den New York Yankees

SaisonHome RunsRBIsBatting AverageAuszeichnungen und Titel
192054135.376
192159168.378
19223596.315
192341130.393MVP, Word Series
192446124.378
19252567.290
192647153.372
192760165.356World Series
192854146.323World Series
192946154.345
193049153.359
193146162.373
193241137.341World Series
193334104.301All-Star
19342284.288All-Star

Die größte Legende bleibt jedoch eine ikonische Geschichte, die bis heute die Karriere von George Herman Ruth definiert: The Called Shot. World Series 1932, Chicago, Wrigley Field, Spiel 3 gegen die Cubs: Mit einem 4:4 ging es ins fünfte Inning und der inzwischen 37-jährige Ruth lief als Hitter auf. Der erste Wurf von Charlie Root - Strike! Laut Augenzeugen soll sich Ruth während der Partie mit der vorlauten Chicago-Bank sowie mit den Cubs-Fans immer wieder Wortgefechte geliefert haben und wurde nach seinem ersten Strike gleich mit einer Reihe von Schimpftiraden belegt. Doch dieses Mal zeigte Ruth seelenruhig Richtung Center Field. Der nächste Wurf von Roots - Strike two! Erneut wiederholte Ruth seine Geste: Da wird er hingehen.

Der dritte Wurf war ein Curveball - ein Schwung, ein Knall: "Der Ball geht, er geht, er geht, ganz weit in die Center-Field-Tribüne ... und es ist ein Home Run", schrie Radio-Kommentator Tom Manning aufgeregt in sein Mikrofon. Ganz entspannt lief Ruth los, passierte die erste Base, verabschiedete sich vom Cubs-Dugout mit einem Winken, lief zur zweiten Base und als er schließlich an der dritten ankam, nahm er beide Hände und signalisierte dem Gegner: Ihr könnt auch gleich auf der Bank bleiben.

Babe Ruth war der Erste

The Catch, The Shot, The Play - all diese ikonischen Sportmomente hätten wohl keinen Namen gehabt, wenn es nicht diesen Moment am 1. Oktober 1932 in Chicago gegeben hätte. All die Werbeverträge, all die Fanartikel, all die großen Sportmagazine und sogar Spielfilme hätte es wohl nie oder erst deutlich später gegeben, hätte Babe Ruth nicht seine Liebe für den Home Run entdeckt. Er vermarktete Müsli, Schokoriegel und sogar Socken. Er war auf Sammelkarten und in Filmen zu sehen. Ruth war der erste Sportler, dessen Leben verfilmt wurde (bis heute gilt diese Verfilmung als einer der schlechtesten Filme aller Zeiten).

Ruth war der erste Sportler, der ein Team dazu veranlasste, ein neues, größeres Stadion zu bauen. Bis zu seinem Abriss 2010 trug das ehemalige Yankee Stadium in der Bronx den Spitznamen The House That Ruth Built. Die Presselandschaft veränderte sich. Erzählende Sportmagazine entstanden und fingen gleichzeitig an, immer tiefer in die Materie einzutauchen, um den Fans die Faszination Babe Ruth näher zu bringen. Auch wegen ihm liebt jeder Sportanalyst in den USA mittlerweile seine Statistiken, Zahlen und Graphen. Von der US-Presse wird Ruth heute noch als herausragende Vergleichskonstante benutzt, wenn etwa vom "Babe Ruth der Bankräuber" oder vom "Babe Ruth der Opernsänger" die Rede ist.

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Bis heute eine Legende in den USA: Babe Ruth

Als Michael Jordan in den Booming 80s mit dem Privatsender ESPN die nächste Medienrevolution auslöste, seine eigene Schuhmarke herausbrachte und jedes Kind in den USA ein Bild seines Dunk-Contests über dem Bett hängen hatte, war Babe Ruth schon längst nicht mehr am Leben. Doch Babe Ruth war der Ur-Vater all dessen.

Bis 1935 dauerte seine Karriere an, nur zehn Jahre später diagnostizierten die Ärzte Kehlkopfkrebs. Sein ungesunder Lebenswandel, sein Kampf mit den Pfunden und seine Vorliebe für Kautabak verkürzten sein Leben auf nur 53 Jahre.

Babe Ruths kultureller, medialer und wirtschaftlicher Einfluss auf die heutige Sportwelt ist kaum zu bemessen, sein sportlicher Einfluss in den USA ist mit den Worten von Montville leicht zu beschreiben: "Die Faszination seines Lebens und seiner Karriere ist ungebrochen. Als Sport zu einer nationalen Religion wurde, war Babe Ruth der Schutzpatron. Er ist das Herz des Spiels, das er spielte. Das Versprechen einer warmen Sommernacht, eine Tüte Erdnüsse, ein Bier. Und vielleicht ein weiter Schlag aus dem Ball Park."

Dieser Artikel wurde ohne vorherige Ansicht durch die Major League Baseball veröffentlicht.

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