Darts

Max Hopp im Interview: “MvG braucht einen Erzrivalen”

Von Florian Regelmann

Max Hopp trifft am 21. März in der Mercedes-Benz Arena in Berlin im letzten Match des Abends auf Raymond van Barneveld. Der Deutsche profitiert wie acht andere Spieler von der verletzungsbedingten Absage von Superstar Gary Anderson und darf so zum ersten Mal Premier-League-Luft schnuppern (Premier-League-Start Donnerstag, 20 Uhr LIVE auf DAZN).

SPOX-Chefreporter Florian Regelmann traf Hopp kurz nach der überraschenden Bekanntgabe und sprach mit dem 22-Jährigen über den Premier-League-Traum, sein Training mit einem Stapel Karten und Alleinherrscher Michael van Gerwen.

Max, Sie dürfen in der Premier League ran. Gary Andersons Rücken sei Dank. Wie haben Sie davon erfahren?

Max Hopp: Ich habe gerade erst die offizielle Bestätigung gesehen. Ich bin noch total baff. Ich freue mich natürlich wahnsinnig, dass sich die PDC so entschieden hat.

Mit dieser kreativen Lösung war nicht zu rechnen, oder?

Hopp: Nein, gar nicht. Wir haben nach der Absage von Gary Anderson schon darüber diskutiert, wer wohl nachrücken wird. Die Tendenz ging zu Adrian Lewis oder Dave Chisnall, aber ich finde die Lösung der PDC tatsächlich gut und auch fair. So kann jetzt niemand sagen, dass dieser oder jener hätte der Ersatzmann sein müssen. So bekommen neun Jungs ihren einen Abend und können die Erfahrung Premier League machen. Für viele wird das ein großer Ansporn sein, sich noch weiter zu verbessern. Für mich auf jeden Fall.

Sie werden in Berlin im letzten Match des Abends auf Barney treffen.

Hopp: Sehen Sie meine leichte Gänsehaut, die allein der Gedanke auslöst? Gerade in Barneys Abschiedsjahr nochmal die Chance zu kriegen, auf so einer großen Bühne gegen ihn spielen zu dürfen, ist großartig. Ich habe ihn schon mal auf der Bühne geschlagen. Ich werde mich top vorbereiten, damit mir das hoffentlich auch in Berlin gelingt. Das wäre mega. Im vergangenen Jahr war ich als Zuschauer in Berlin und habe die tolle Atmosphäre erlebt. Ich weiß noch, wie ich mir vorgestellt habe, wie es wäre, einmal selbst da oben zu stehen. Jetzt wird es Realität. Ich freue mich schon auf die vielen deutschen Flaggen.

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Max Hopp ist als erster Deutscher in der Premier League am Start.

Max Hopp: "Meine Oma weiß gar nicht zwingend, ob ich gewonnen habe"

In ein paar Jahren wollen Sie sicher fester Bestandteil der Premier League sein.

Hopp: Absolut, das ist mein Traum. Im Moment stehe ich nach meiner relativ guten letzten Saison auf Rang 32. Ich muss also noch 22 Plätze klettern, um in die Top 10 zu kommen und ein echter Premier-League-Kandidat zu sein. Ich will mich jetzt erst mal Stück für Stück weiter nach oben arbeiten, Top 25, dann Top 20, aber ja, in einigen Jahren geht der Traum Premier League dann hoffentlich so richtig in Erfüllung.

Woran arbeiten Sie momentan besonders, um nach einem starken 2018 ein noch stärkeres 2019 folgen zu lassen?

Hopp: Ich lege meinen Schwerpunkt aktuell auf meine Wege beim Finish. Meine Stärke war es im vergangenen Jahr, dass ich oft den letzten Dart getroffen habe. Davor noch mal abzusetzen und zurückzugehen - das liegt mir offenbar irgendwie. Ich habe viele High Finishes mitnehmen können, spontan erinnere ich mich zum Beispiel an das Viertelfinale gegen Darren Webster bei der European Championship in Dortmund, als ich unter anderem die 164 ausgemacht habe. In spielentscheidenden Momenten diese Finishes mitzunehmen, daran will ich weiter arbeiten. Ich habe mir im Training jetzt einen Stapel Karten gebastelt, auf jede Karte habe ich ein Finish geschrieben. Also ziehe ich eine Karte aus dem Stapel, da steht zum Beispiel die 130 drauf, dann muss ich die 130 halt mitnehmen. So versuche ich, auf spielerische Art und Weise meine Topform für die Finishes zu finden.

Die hohen Finishes waren Ausdruck dessen, dass Sie mit einer ganz anderen Aura auf der Bühne standen als noch 2017. Was hat sich geändert?

Hopp: Das Jahr 2017 war wirklich extrem schlecht für mich. Ich war am Boden. Viele Leute haben mich abgeschrieben, ich wurde von einigen hart kritisiert. Ich habe die Kehrseite der Medaille kennengelernt und gemerkt, wer wirklich zu mir hält. Da hat sich schnell die Spreu vom Weizen getrennt, als es nicht mehr so lief für mich. Das war aber auch wichtig für mich, dass es passiert. Es hat mich stärker gemacht. Ich habe mir einen engen Kreis aus Freunden und Familie aufgebaut. Diese Menschen mögen mich völlig unabhängig davon, was auf der Bühne passiert. Meine Oma weiß gar nicht zwingend, ob ich gewonnen habe, aber ich bin jederzeit zum Kaffee eingeladen und bekomme eine Umarmung. Es hat mir Sicherheit gegeben, das zu realisieren und zu wissen, dass die Welt nicht unter geht, wenn es nicht läuft. Und wenn du immer weiter hart an dir arbeitest und an dich glaubst, ist alles möglich. Das letzte Jahr war der Beweis. Ich wirke abgeklärter auf der Bühne, weil ich einfach nicht mehr die Angst habe, dass alles vorbei ist, wenn es schlecht läuft. Das Leben geht weiter.

Max Hopp über die hohe Strafe für Gerwyn Price

Wenn wir uns das Feld in der Premier League anschauen, ist klar, dass Michael van Gerwen wieder der Topfavorit ist, aber von Platz 2 bis 9 ist es momentan extrem schwer zu sagen, wer da wo steht. Sehen Sie das auch so?

Hopp: Ja, das stimmt. Van Gerwen ist das Nonplusultra. Er bestätigt immer wieder seine Form und zeigt, warum er der Beste ist. MvG braucht jetzt mal einen richtigen Gegner. MvG braucht einen Erzrivalen. Jemanden, der ihn regelmäßig schlägt, bei dem es immer ein 50:50-Match ist. Ich bin mir sicher, dass van Gerwens Leistung auch abnehmen könnte, wenn er so einen Gegner hätte, der ihn konstant unter Druck setzt. Ohne diesen Gegner kann er seine Masche durchziehen. Nach dem Motto: "Ich bin die Nummer eins, ich bin eh der Beste." Damit schüchtert er seine Gegner auch ein. Wir müssten diesen Typen finden, der ihm wirklich Paroli bieten kann. Aber im Moment ist hinter MvG vieles offen. Je nach Tagesform glänzt mal der eine und patzt der andere. Das Feld ist total offen. Ich habe mir das Masters reingezogen, da hat mir Mensur sehr gut gefallen. Ich freue mich auf Mensur in der Premier League. Er ist jemand, der es draufhat, van Gerwen mal zu schlagen, ich traue ihm viel zu. Wir können auf jeden Fall sehr gespannt sein, was passiert.

Spannend wird es auch, Gerwyn Price Woche für Woche zu beobachten. Der Iceman hat für sein Verhalten beim Grand Slam eine empfindliche Strafe von 20.000 Pfund bekommen. Auf der einen Seite verdient, auf der anderen Seite wirkt die Summe auch etwas willkürlich. Wie ist Ihre Meinung dazu? Was ist eigentlich jetzt noch erlaubt und was nicht?

Hopp: Man weiß es nicht so richtig. Price ist natürlich jemand, der viel provoziert und Anderson hat sich in einem schwachen Moment darauf eingelassen. Die Strafe war auf jeden Fall sehr hoch, wenn man sie mit allem vergleicht, was es schon gegeben hat. Spieler haben ja auch schon mal die Darts weggeschmissen, aber es gab dann immer eine Strafe von ein paar Tausend Pfund. Jetzt haben sie die Summe sehr hoch angesetzt, es ist eine saftige Strafe. Ehrlich gesagt interessiert es mich aber auch nicht wahnsinnig, weil es nichts mit mir zu tun hat. Aber ich bin gespannt, wie Price jetzt damit umgehen wird. Bleibt er der Bad Boy, oder will er doch lieber die Pfeile sprechen lassen und hört auf mit seinem Gepose?

Die Frage ist wohl auch, wie lange er damit umgehen kann, jedes Mal ausgebuht zu werden?

Hopp: Auf Dauer kann das nicht spurlos an ihm vorbeigehen. Als er bei der WM ausgebuht wurde, hat er ja ein bisschen fragend in Richtung der Fans gestikuliert, was sie denn wollen, aber da hat er einfach die Quittung für sein Verhalten bekommen. Wenn ich mir vorstelle, dass ich mein erstes Major gewinne, die Trophäe in der Hand halte und 5000 Zuschauer buhen mich aus? Das kann kein gutes Gefühl sein. An seiner Stelle wäre ich danach im Bett gelegen und hätte nachgedacht, was hier eigentlich falsch gelaufen ist. Er ist mental sehr stark und kann es händeln, aber er hat extrem an Popularität verloren. Die Frage wird sein, ob seine Leistung jetzt in der Premier League einbricht, wenn er das Woche für Woche erlebt, oder ob er diese Hürde meistert und daran wächst. Das würde ihn dann für die Zukunft umso gefährlicher machen.

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