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Fussball

Eine SMS zerstörte seine Karriere: Das bittere Schicksal von Vincent Péricard bei Juventus Turin

Von Francesco Schirru

Vincent Péricard standen bei Juventus Turin alle Türen offen. Eine unbedachte SMS jedoch veränderte alles.
 

Manchmal ist es ein kleiner Moment, der große Folgen haben kann. Eine Unachtsamkeit, eine Äußerung, die sich nicht mehr zurücknehmen lässt. Von einer Sekunde auf die andere ist nichts mehr so, wie es vorher war. Auch Vincent Péricard machte eine solche Erfahrung. Aus einer vielversprechenden Karriere wurde ein Leben, das beinahe durch einen Selbstmord beendet worden wäre. Und das alles wegen einer SMS.

Der Franzose, der in der Elfenbeinküste geboren wurde, galt in jungen Jahren als großes Talent. Als 17-Jähriger kam Péricard im Jahr 2000 zu Juventus Turin, damals wie heute einer der größten Klubs der Welt, aber zu jener Zeit Teil der absoluten Elite. Real Madrid, Manchester United, Juventus - das war die Speerspitze des europäischen Fußballs. Wer Teil eines dieser Klubs war, konnte sich glücklich schätzen.

Als junger Franzose nahm Péricard in der folgenden Zeit Italienischunterricht, auch zwei Landsleute gehörten zur Gruppe der Schüler. Bei der Person, die den drei jungen Fußballern die neue Sprache näherbringen sollte, handelte es sich offenbar um eine attraktive Frau. Nichtsahnend, um wen es sich bei der Frau handelt, schrieben die drei ihr eine SMS, ob sie nicht einmal etwas zusammen trinken gehen wollen.

SMS an Freundin von Juve-Vize: Péricard aussortiert

"Eine Stunde später läutete das Telefon. Es war Roberto Bettega, der Vizepräsident von Juventus. Er schimpfte uns aus und fragte uns, wer wir denn seien, um seiner Partnerin Nachrichten zu schicken. Aber wir wussten nicht, dass sie seine Freundin war", erinnerte sich Péricard später. Die Aktion hatte Folgen für Péricard, und zwar keine kleinen.

Nach zwei Jahren bei Juventus wurde er 2002 zum FC Portsmouth verliehen. "Ich habe meine Karriere bei Juve wegen einer einzigen unglücklichen SMS ruiniert. Ich habe keinen Zweifel, dass mein Leben anders verlaufen wäre, wenn das nicht passiert wäre", haderte Péricard rückblickend.

Der Traum von der Karriere bei einem Weltklub, er war ausgeträumt. Nachdem er von Portsmouth anschließend fest verpflichtet wurde, folgte eine Odyssee durch England - Sheffield United, Plymouth Argyle, Stoke City, FC Millwall und andere Klubs, die nicht annähernd den Glanz von Juventus hatten. Eine Situation, die für Péricard nicht einfach war - und ihn mental an seine Grenzen brachte. Er erkrankte während seiner Zeit in Stoke-on-Trent an Depressionen und dachte an Selbstmord.

© imago images
Vincent Péricard standen bei Juventus Turin alle Türen offen.

Vincent Péricard dachte an Selbstmord

"Es ist ein schrecklicher Ort, und viele Leute haben an Selbstmord gedacht. Ich auch. Ich habe die schlimmsten Dinge gedacht. Es gibt viele Selbstmordgefährdete in dieser Gegend. Ich habe mich schlecht gefühlt, aber ich habe die Kraft gefunden, mit dem Manager darüber zu sprechen", sagte Péricard. Er fing sich wieder - bis ein weiteres Ereignis im Jahr 2007 ihn erneut aus der Bahn warf.

Die Polizei von Stoke stoppte ihn wegen Raserei, er log die Beamten an und kam anschließend für fünf Wochen ins Gefängnis. "Ich hatte solche Angst um meine geistige Gesundheit, weil ich kurz davor war, den Verstand zu verlieren, verrückt zu werden. Ich war klaustrophobisch und konnte mich nicht mehr ausdrücken, so sehr, dass ich wirklich befürchtete, ich würde explodieren", berichtete er.

Im "Reich der Kriminellen", wie Péricard das Gefängnis nennt, versuchte er sich mit Routine durchzuschlagen. Nach 35 Tagen endete sein Martyrium, und auch wenn er als Fußballer danach nie den endgültigen Durchbruch schaffte, so bekam er zumindest seine psychischen Probleme in den Griff. An jene verhängnisvolle SMS aus dem Italienischunterricht aber muss er manchmal immer noch denken.

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