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Fussball

Aleksandar Dragovic im Interview: "Salah hatte immer Angst, dass ich ihm den Fuß breche"

Von Nino Duit

Blicken wir ein bisschen weiter zurück: Sie kamen einst im Alter von 17 Jahren gemeinsam mit dem ein Jahr jüngeren David Alaba zu den Amateuren von Austria Wien. Was fällt Ihnen als erstes ein, wenn Sie an diese Zeit zurückdenken?

Dragovic: Ich weiß noch genau, wie ich gemeinsam mit David die ganze Drecksarbeit machen musste: Bälle einsammeln, Kisten tragen, solche Sachen. Als wir bei den Amateuren wegen eines Sieges gegen Schwanenstadt unsere erste Prämie kassiert haben, haben wir uns gefühlt, als hätten wir die Champions League gewonnen. Wir waren damals sehr gut befreundet.

Worin wurde die Prämie investiert?

Dragovic: Das bleibt unser Geheimnis. Ich kann nur eines sagen: Das Geld war so schnell wieder weg wie es reingekommen ist.

Sehr bald durftet ihr auch bei den Profis reinschnuppern. Wer hat sich in der Kabine zuerst auffällig gemacht?

Dragovic: Auf jeden Fall er. Ich bin eher der ruhigere Typ und versuche mir erstmal alles anzuschauen. Am Anfang habe ich mich an die anderen "Jugos" gehalten: Milenko Acimovic, Mario Bazina, Mario Majstorovic. David scheißt sich nichts, er konnte gleich mit allen. Er ist in der Kabine viel lauter als ich.

Bis heute spielen Sie mit ihm in der Nationalmannschaft zusammen. Hat er sich in der Zwischenzeit verändert?

Dragovic: Schlimmer ist er geworden! (lacht) Nein, im Ernst: Man muss den Hut ziehen, dass er trotz seiner Weltkarriere so am Boden geblieben ist. Seine Familie hat daran einen großen Anteil, die sind alle sehr bescheiden. Ich habe genügend Spieler erlebt, die nicht annähernd so viel erreicht haben wie er, und sich aufführen, als wären sie etwas besseres.

© getty
Aleksandar Dragovic und David Alaba machten einst bei Austria Wien gemeinsam ihre ersten Schritte als Profis, mittlerweile sind sie routinierte Nationalspieler.

Genau wie Sie ist auch Alaba im Sommer gewechselt, er spielt jetzt bei Real Madrid. Habt Ihr euch über das Einleben unterhalten?

Dragovic: Ja, beim Nationalteam haben wir lange darüber gesprochen. Wir haben uns auch gegenseitig Fotos gezeigt von unseren Hotels, in denen wir in Madrid und Belgrad anfangs gewohnt haben. Lustigerweise haben die fast gleich ausgesehen. Die Zimmer waren ähnlich eingerichtet, die Möbel standen an den gleichen Orten. Da musste ich schmunzeln.

Sie stehen aktuell bei 96 Länderspielen für Österreich und somit nur sieben hinter Rekordhalter Andreas Herzog. Was würde Ihnen diese Bestmarke bedeuten?

Dragovic: Das wäre natürlich eine schöne Selbstbefriedigung und gut fürs Ego, aber dafür kann ich mir nichts kaufen. Viel wichtiger als der Rekord wäre mir die Qualifikation für die WM.

Zurück zu Ihrer Vereinslaufbahn. Von der Austria ging es zum FC Basel, wo Sie von 2011 bis 2013 gespielt haben.

Dragovic: Das war eine geile Zeit. Wir waren im Europa-League-Halbfinale und im Champions-League-Achtelfinale. Basel ist ein super Verein, um sich als junger Spieler auf hohem Niveau weiterzuentwickeln. Dort wurde einem auch ein bisschen jugendlicher Blödsinn verziehen, solange man alles für den Verein gegeben hat. Bei mir gab es die eine oder andere Aktion: Die Pyrofackel bei der Meisterfeier am Balkon und die Sache mit dem Minister. Jetzt lache ich darüber.

Bei einer Pokalübergabe haben Sie den Schweizer Minister Ueli Maurer am Hinterkopf getätschelt, was einen kleinen Skandal ausgelöst hat.

Dragovic: Als ich am Tag danach in die Kabine gekommen bin, haben alle gelacht und gefragt: "Bist du behindert?" Ich wusste erst gar nicht, worum es geht. Dann haben sie mir das Video gezeigt und mich darüber aufgeklärt, dass das ein hohes Tier ist. Da wusste ich schon, dass es Probleme geben wird.

Letztlich haben Sie sich bei Maurer persönlich entschuldigt. Wie lief das Treffen?

Dragovic: Er hat das komplett locker gesehen. Wir haben einen Kaffee getrunken, uns ein bisschen ausgetauscht und darüber gelacht. Die ganze Geschichte wurde medial übertrieben. Aber immerhin habe ich ein paar Schweizer zum Lachen gebracht.

In Basel haben Sie mit dem jungen Mohamed Salah zusammengespielt. Hätten Sie ihm diese Karriere zugetraut?

Dragovic: Natürlich, ich habe ihn schließlich darauf vorbereitet! (lacht) Wir haben oft gemeinsam Zweikämpfe trainiert. Da hatte er immer Angst, dass ich ihm mit meinen Grätschen den Fuß breche. So habe ich ihn auf die englische Härte eingestimmt. Man hat bei ihm sofort gesehen, dass er mit seiner Schnelligkeit jedem weh tun kann. Damals hatte er aber große Probleme in Sachen Chancenverwertung. Dank seiner akribischen Arbeit hat er sich diesbezüglich stark gesteigert. Mo ist ein überragender Mensch und komplett am Boden geblieben, ein bisschen wie David.

Seite 1: Dragovic über seine Liebe zu Roter Stern und sein Elend in Leverkusen

Seite 2: Dragovic über Drecksarbeit mit Alaba und Salahs Angst vor seinen Tacklings

Seite 3: Dragovic über einen Polizeiauto-Überfall in Kiew und den verkleideten Vardy

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