Louis van Gaal: Cristiano Ronaldo "denkt mehr an die Mannschaft" als Lionel Messi - Kritik an Joachim Löw

Von Chris Lugert
Van Gaal hat zu einem Rundumschlag gegen Messi, Löw und Co. ausgeholt.
© getty

Trainer-Ikone Louis van Gaal sieht im Dauervergleich zwischen Lionel Messi und Cristiano Ronaldo den Portugiesen in einem entscheidenden Detail im Vorteil. "Messi ist ein Star. Ronaldo auch. Aber er denkt mehr an die Mannschaft. Was er mit 36 macht, ist unglaublich, Hut ab", sagte van Gaal im Interview mit der französischen Zeitung L'Equipe.

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Bei beiden Superstars ist die Zukunft auf Vereinsebene derzeit ungewiss. Messi ist seit 1. Juli vereinslos, sein Stammklub FC Barcelona versucht alles, um dem Argentinier einen neuen Vertrag anbieten zu können. Dafür wollen sich die Katalanen noch von diversen Spielern trennen, zur Not auch ablösefrei. Ronaldo hat bei Juventus Turin noch Vertrag, doch der 36-Jährige galt bei der Alten Dame auch als möglicher Verkaufskandidat.

Als ein möglicher Kandidat, der in einigen Jahren in die Fußstapfen der beiden Ausnahmespieler treten könnte, gilt Frankreichs Superstar Kylian Mbappe. Der 22-Jährige ist auch in van Gaals Augen ein Topspieler, aber noch mit einigen Mängeln - ebenso wie Brasiliens Starspieler Neymar.

"Stellt euch vor, ihr trainiert Mbappe. Es ist kompliziert. Es ist eine Herausforderung. Physisch und technisch ist er ein fantastischer Spieler", sagte der 69-Jährige: "Aber taktisch ist er noch nicht auf Top-Niveau. Wenn man dribbelt und den Ball verliert, und das macht er oft, spielt er dann für die Mannschaft? Zeigt er Bescheidenheit? Sieht er die Auswirkungen auf seine Teamkollegen? Glaubt ihr, Neymar spielt für das Team?"

Mbappe war nach einer verhältnismäßig schwachen EM zuletzt kritisiert worden, im Achtelfinale verschoss der Franzose im Elfmeterschießen gegen die Schweiz den entscheidenden Strafstoß.

Van Gaal schießt gegen Löw: "Balance gestört"

Außerdem kritisierte der Ex-Bayern-Coach, der als neuer Bondscoach gehandelt wird, Ex-Bundestrainer Joachim Löw für dessen fehlende Flexibilität: "Löw war 15 Jahre dabei, er glaubt an seine Philosophie und Struktur, er wurde Weltmeister, also macht er so weiter. Und doch war er schon bei der letzten WM gescheitert."

Seiner Meinung nach führe Löw das Team bereits zu lange und vertraue zu sehr auf seine bereits etablierten Spieler. "Warum gewinnen diese Spieler nicht mehr? Das liegt daran, dass die Balance zwischen Spielern und Trainer gestört ist", meinte van Gaal und ergänzte: "Es ist ein komischer Zufall, dass gescheiterte Favoriten wie Portugal, Frankreich oder Deutschland seit sieben, neun oder 15 Jahren denselben Trainer haben."