"Orientiere mich an Tyson"

Jack Culcay macht seinem Spitznamen alle Ehre
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SPOX: Wie sieht es mit anderen Sportarten aus?

Culcay: Früher habe ich in meiner Freizeit gerne Fußball gespielt, allerdings ist das inzwischen deutlich weniger geworden.

SPOX: Aufgrund der Gefahr sich zu verletzen?

Culcay: Das ist natürlich ein wichtiger Faktor, den ich als Profisportler mit einbeziehen muss. Das Risiko, sich bei anderen Sportarten zu verletzen, ist immer da. Das will ich auf jeden Fall vermeiden. Deshalb lasse ich es heutzutage etwas ruhiger angehen und gehe lieber mal ins Kino. Sportliche Betätigung habe ich beim Training ja mehr als genug. (lacht)

SPOX: Sie nahmen an mehreren Weltmeisterschaften teil, waren im Jahr 2008 sogar bei den Olympischen Spielen. Ihre Zeit als Amateur bestand dennoch nicht nur aus Höhen. Wie haben Ihnen etwaige Rückschläge geholfen?

Culcay: Diese Zeit ist für mich heute von unschätzbarem Wert. Vor allem die Niederlagen haben mich weitergebracht. Es ist ein großer Ansporn, aufgezeigte Schwachstellen zu beseitigen. Deshalb habe ich immer noch eine Schippe im Training draufgelegt.

SPOX: Würden Sie also zustimmen, dass der Lerneffekt aus Niederlagen größer ist?

Culcay: Das würde ich schon sagen. Deshalb ist die Zeit als Amateur so wertvoll. Im Gegensatz zum Profigeschäft sind Niederlagen nicht ganz so entscheidend. Die Chance, Erfahrungen zu sammeln, ist hingegen sehr wichtig.

SPOX: Selbst im Falle einer strittigen Niederlage?

Culcay: Das ist im Boxen leider ein Thema. Auch bei mir gab es Kämpfe, die ich meiner Ansicht nach nicht verloren hatte. Allerdings spielen diese für mich im Nachhinein keine wirklich große Rolle. Ich bin immer wieder zurückgekommen und am Ende sogar Weltmeister geworden.

SPOX: Und haben damit 2009 deutsche Boxgeschichte geschrieben...

Culcay: Richtig. Der letzte Erfolg eines deutschen Boxers stammte aus dem Jahr 1995. Das war natürlich ein großartiges Gefühl und in gewisser Weise eine Bestätigung meiner Arbeit.

SPOX: Danach ging es zu den Profis. Wie groß ist der Unterschied zwischen dem Amateur- und dem Profigeschäft wirklich?

Culcay: Die Umstellung ist enorm. Eigentlich sind es zwei verschiedene Sportarten - obwohl es noch immer Boxen ist. Sei es die Rundenanzahl, die größere Härte oder andere Handschuhe - es liegen einfach Welten dazwischen. Vom geschäftlichen Aspekt ganz zu schweigen.

SPOX: Gerade in diesem Bereich gab es für Sie eine entscheidende Veränderung. Nach Problemen beim Universum-Boxstall ging es 2012 zu Sauerland Event. Handelte es sich dabei um den so wichtigen nächsten Schritt?

Culcay: Der Wechsel war in der Tat äußerst wichtig für mich. Ich bin sehr stolz darauf, dass mich Sauerland unter Vertrag genommen hat. Aus den perfekten Bedingungen versuche ich deshalb, das Beste rauszuholen und mit meinem Team im Rücken Weltmeister zu werden.

SPOX: Die Richtung scheint zu stimmen, denn bisher mussten Sie nur eine einzige Niederlage hinnehmen. Gegen Guido Nicolas Pitto fiel die Entscheidung nach Punkten. Lassen wir Titel außen vor: Wie wichtig war es für Sie, die Verhältnisse im Rückkampf direkt geraderücken zu können?

Culcay: Ich hatte nach der Niederlage keine Albträume. Ich wusste, dass ich ihn schlagen kann. Deshalb war die Chance, in einem so kurzen Zeitraum diesen Fehler zu berichtigen, für mich sehr wichtig. Vor allem da ich in meinen Augen den ersten Kampf nicht verloren hatte.

SPOX: Das Urteil im ersten Duell war in der Tat alles andere als eindeutig.

Culcay: Richtig. Der erste Kampf war sehr eng und hätte ebenso gut zu meinen Gunsten ausgehen können. Es kommt bei engen Entscheidungen immer auch etwas auf die Punktrichter an. Daran lässt sich nichts ändern, deswegen sehe ich das relativ locker.

SPOX: Im Boxen kann man meist nur von Kampf zu Kampf planen. Werfen wir dennoch einen Blick in die Zukunft: Wohin soll der Weg führen? Vielleicht in die Vereinigten Staaten?

Culcay: Das ist natürlich schon ein Thema. Die USA haben viel zu bieten. Beispielsweise wäre ein Kampf gegen Erislandy Lara oder Saul Alvarez ein absoluter Traum.

SPOX: Spielt Aufmerksamkeit eine Rolle? In Deutschland wird ja mit wenigen Ausnahmen vor allem das Schwergewicht beachtet.

Culcay: Meine Gewichtsklasse bietet enorm viel und erfreut sich weltweit großer Bedeutung. In Deutschland ist das jedoch in der Tat ein wenig schwierig. Auch deshalb sind die USA natürlich ein spannendes Ziel. Schließlich will ich gegen die Besten antreten.

SPOX: Wie sieht es mit einem Wechsel der Klasse aus?

Culcay: Ich kann mit meiner Gewichtsklasse umgehen und selbst mögliche Wechsel wären für mich kein großes Problem - solange es im Rahmen bleibt. Ich kann hoch gehen oder runter, das ist für mich kein Thema. Wenn der Kampf stimmt, wäre ich deshalb definitiv bereit dazu.

Seite 1: Culcay über Trainer Wegner, seine Vorbilder und die Faszination Boxen

Seite 2: Culcay über Niederlagen, Aufmerksamkeit und ein Duell mit Lara oder Alvarez

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