WWE: Wie aus Playboy-Bunnys die WrestleMania-Superstars wurden

Von Maurice Kneisel

© WWE

Bei WrestleMania 35 in New Jersey in der Nacht von Sonntag auf Montag erreicht die Women's Evolution ihren Höhepunkt: Erstmals in der Geschichte werden in Person von Ronda Rousey, Charlotte Flair und Becky Lynch beim größten Event des Wrestlingjahres Frauen den Main Event bestreiten.

Der Weg dorthin hätte für das Trio derweil kaum unterschiedlicher verlaufen können: Während Charlotte als Tochter einer Legende mit enormen Vorschusslorbeeren startete, verdiente Lynch sich ihre Sporen im Indy-Wrestling und stand zu Beginn ihrer WWE-Karriere sogar kurz vor der Entlassung.

Rousey machte sich derweil beim MMA-Flaggschiff UFC einen Namen und avancierte zur bekanntesten Kampfsportlerin auf dem Planeten, bevor eine schockierende Niederlage sie völlig aus der Bahn warf. In der WWE stieg sie dann sofort in den Main Event ein. Doch schauen wir uns die Entwicklung der drei Frauen etwas genauer an:

The Good: Becky Lynch

Die Irin wird unter dem ohrenbetäubenden Jubel von knapp 80.000 Fans ins MetLife Stadium einziehen. Dabei ist Lynch alles andere als ein prototypischer Face - im Gegenteil ist sie mindestens so verschlagen und unfair wie ihre beiden Kontrahentinnen. Doch genau dieses Verhalten hat ihrer Karriere neues Feuer verliehen.

Kurz nach dem Gewinn der neu eingeführten SmackDown Women's Championship Mitte 2016 folgte Lynchs Absturz. Ihr Titelrun fiel äußerst schwach aus und schadete ihrem Standing nachhaltig. In der Folge wurde sie als liebenswerter Clown porträtiert, viele ihrer Fans dadurch verprellt.

Wie The Man kürzlich bei Twitter selbst verriet, stand sie bereits vor ihrem NXT-Debüt 2014 kurz vor der Entlassung. Diverse WWE-Verantwortliche sahen in ihr kein zukünftiges Aushängeschild der damals noch schwachen Women's Division. Während ihrer Indy-Zeit hatte sich die heute 32-Jährige nach einer schweren Kopfverletzung sogar sechs Jahre lang komplett vom Pro Wrestling zurückgezogen.

Angesichts dieser widrigen Umstände ist es umso beeindruckender, dass Lynch nun WrestleMania headlinen wird. Zudem berichtete Pro Wrestling Sheet's Ryan Satin jüngst, ihr läge ein unterschriftsbereiter langfristiger Vertrag vor, der eine gewaltige Gehaltserhöhung beinhalten soll.

The Bad(dest): Ronda Rousey

Rousey trägt nicht ohne Grund den Spitznamen The Baddest Woman on the Planet. Bis zu ihrer Niederlage gegen Holly Holm bei UFC 193 hatte sie sämtliche ihrer sechs Kämpfe gewonnen und dafür durchschnittlich gerade mal 2 Minuten und 59 Sekunden benötigt. Dabei verdiente sie insgesamt 1.080.000 US-Dollar, was einem Verdienst von knapp 1002,79 Dollar pro Kampfsekunde entsprach. Jeder dieser Werte stellte einen neuen UFC-Rekord auf.

Infolge ihrer ersten Niederlage nahm Rousey sich über ein Jahr lang eine Auszeit, bevor sie am 30. Dezember 2016 bei UFC 207 gegen Amanda Nunes zurückkehrte - und nach nur 48 Sekunden in Runde 1 per TKO die nächste Niederlage kassierte. Es sollte bis heute ihr letzter Auftritt in einem Octagon sein.

Als langjähriger Fan der WWE und von Roddy-Piper, dem sie ihren anderen Spitznamen Rowdy verdankt, bestritt Rousey bei WrestleMania 34 ihr erstes offizielles WWE-Match und sicherte sich beim SummerSlam 2018 den Raw Women's-Titel, den sie kommenden Sonntag aufs Spiel setzen wird. Gleichzeitig könnte ihr erster WrestleMania Main Event aber auch ihr letzter sein; Rousey wird die WWE im Anschluss wohl zumindest vorläufig verlassen, um sich ihrer Familienplanung zu widmen.

The Evil: Charlotte Flair

Einerseits könnte man es so auslegen, dass Charlotte den mit Abstand einfachsten Weg der drei Frauen zu bewältigen hatte. Schließlich kam sie als Tochter des zweifachen Hall of Famers und 16-fachen World Champs Ric Flair zur WWE. Bereits während ihrer Zeit bei NXT, wo Flair noch reichlich unerfahren wirkte, wurde deutlich, dass die WWE große Pläne mit ihr hat.

Mit solchen Vorschusslorbeeren sind allerdings immer auch enorme Erwartungen verknüpft, an denen schon viele Talente gescheitert sind. Doch nicht so The Queen! Sie entwickelte sich nicht nur im Ring, wo ihr Talent von Anfang an offensichtlich war, sondern insbesondere auch am Mikrofon und schauspielerisch stetig weiter. Die einzige 8-fache Women's Championesse kann heute ohne Bedenken als die beste Wrestlerin der WWE-Geschichte bezeichnet werden und ist längst aus dem gigantischen Schatten ihres Vaters getreten.

Im letzten Jahr stagnierte Charlottes Entwicklung allerdings etwas, da sie als Face von Lynch gnadenlos den Rang abgelaufen bekam. Ihr Persönlichkeitswandel hin zu einem bösartigen, teils psychopathisch wirkenden Heel war entsprechend goldrichtig. In dieser Rolle entwickelte sie sich einmal mehr weiter und durfte am 26. März Asuka die SmackDown Women's Championship abnehmen, um den WrestleMania-Main-Event zu einem Doppel-Titel-Match zu machen.

WWE

Nie wieder Kissenschlachten!

Sonntagnacht erlebt die 2015 gestartete Women's Evolution ihren absoluten Höhepunkt: Nach eigenen Royal-Rumble-, Money-in-the-Bank- und Hell-in-a-Cell-Matches sowie dem reinen Frauen-PPV Evolution stehen die Frauen erstmals dort, wo man sie sich noch vor wenigen Jahren niemals hätte vorstellen können.

Seit geraumer Zeit stielt die Frauen-Division ihrem männlichen Pendant gnadenlos die Show und man erhält den Eindruck, dass die WWE-Kreativen sich mittlerweile deutlich mehr darauf konzentrieren. Entsprechend folgerichtig ist diese Ansetzung, für die man mit Rousey, Flair und Lynch auch (noch) die perfekten Protagonisten in petto hat.

Die Emanzipation einer ganzen Division, die sich vor nicht allzu langer Zeit noch über Kissenschlachten, Bikini-Wettbewerbe und Playboy-Shoots definierte, kann nicht hoch genug bewertet werden. Das unglaubliche Talent, das in dieser Division auch abseits der drei Main-Eventerinnen steckt, ist ohne Frage auf einem ewigen Hoch.

Rousey, Flair und Lynch werden Sonntagnacht einen Moment für die Ewigkeit schaffen. Weil die WWE-Verantwortlichen endlich bereit waren, den Frauen eine faire, den Männern gleichwertige Chance zu geben. Und natürlich, weil sie es sich mit ihrer jahrelangen harten Arbeit sowie der ihrer Vorgängerinnen verdient haben.

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