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NFL

Top 5: Die wichtigsten Erkenntnisse aus Woche 2 in der NFL

Von Adrian Franke

4. Colts: Der Spielraum im Roster Building ist aufgebraucht

Natürlich kann man bei den Indianapolis Colts anbringen, dass sie schon fast traditionell schlecht starten: Seit neun Jahren hat Indianapolis mittlerweile schon keinen Opener mehr gewonnen. Man kann auch anbringen, dass die Colts seit 2014 nicht mehr in Jacksonville gewonnen haben, wo man als Division-Gegner natürlich in jedem Jahr eine Chance bekommt.

Man könnte also als Colts-Fan auf diesen Saisonstart schauen und mit einem kurzen Blick in die Geschichtsbücher sich selbst davon überzeugen, dass man ja fast schon damit rechnen musste, dass ein Saisonstart gegen die Texans und in Jacksonville fast nur schiefgehen konnte. Dass es danach sicher besser werden wird. Immerhin war das Spiel in Jacksonville dieses Mal nicht das Playoff-Endspiel.

Ein komplett indiskutabler Auftritt war es trotzdem, und das auf beiden Seiten des Balls.

Und zumindest in Teilen mag diese Einschätzung stimmen. Indianapolis hat nach wie vor Talent, spielt in der vielleicht schwächsten Division in der NFL und hat Spielraum. Vielleicht klickt es zwischen Matt Ryan - so enttäuschend er am Sonntag auch spielte -, der Offensive Line und seinen Receivern noch signifikant besser in den kommenden Wochen. Vielleicht gibt es einen Run und die Division wird eingetütet.

Colts: Was genau plant Chris Ballard?

All das ist nach wie vor ohne Frage denkbar, aber das übergreifende Thema für dieses Team muss doch ein anderes sein: Was genau baut Chris Ballard hier? Und natürlich waren die Quarterback-Karten, die er erhalten hat, mitunter bitter. Doch wir sprechen hier auch über eine Sample Size von nunmehr vier Jahren seit dem Rücktritt von Andrew Luck. Vier Jahre Quarterback-Suche, aber auch vier Jahre Roster-Building und vier Jahre übergreifende Kaderplanung.

Vier Jahre, in denen man sich langfristig hätte ausrichten können, vier Jahre, in denen man ein klares Quarterback-Profil hätte kreieren und sich langfristig für die Zukunft ausrichten können.

Und ja, die Gefahr wäre da gewesen, dass man mit dieser Herangehensweise zumindest für Teile des jungen, talentierten Kaders ein Fenster hätte verstreichen lassen; letztlich aber ist genau das auch so passiert, und auch wenn ich Matt Ryan in der Offseason als ein klares Upgrade zu Carson Wentz betrachtet habe, eine Einschätzung, die aktuell überschaubar gut aussieht: Womit arbeitet Matt Ryan, und was sagt uns das über Ballard und die Colts-Führung?

Colts der Inbegriff von personifiziertem Mittelmaß

Die Colts haben einen klaren Nummer-1-Receiver in Michael Pittman. Ein guter bis sehr guter Receiver, eine gute Nummer 1. Kein Elite-Receiver allerdings. Und dahinter? Rookie Alec Pierce, Parris Campbell, Ashton Dulin. Die Offense ist komplett auf Ballkontrolle ausgerichtet, inklusive dem Run Game, inklusive der Art Tight End, auf die sie seit Jahren setzen. Der Floor ist da, aber wo ist die Upside? Wo die Dynamik, wo die Explosivität?

Dazu kommt eine Offensive Line, die im Vorjahr enttäuschte, bisher auch dieses Jahr unter ihren Möglichkeiten spielt und zudem die Left-Tackle-Position noch immer nicht gelöst hat. Während die Defense unter Gus Bradley erwartbar vorhersehbar ist. Bereits gegen Houston in der Vorwoche war zu sehen, dass die Texans Bradleys Single-High-Coverage gleich zwei Mal auf die gleiche Art und Weise zum Touchdown schlugen.

Wenn man sich für Matt Ryan als nächste Quarterback-Lösung entscheidet, sollte man auch bereit sein, um Ryan herum zu investieren. Denn selbst wenn Ryan noch zwei Jahre auf hohem Level im Tank hat, mit diesen Umständen hat man auch in dem Szenario nicht ansatzweise genügend Feuerkraft, um in der AFC mitzuhalten. Alles was man ansonsten bekommt, ist nichts anderes als personifiziertes Mittelmaß.

Zu gut, um schlecht zu sein, zu schlecht, um wirklich oben anzugreifen. Der in meinen Augen schlimmste Bereich in der NFL. Und das ist für mich ein Paradoxon: Entweder man will angreifen, man geht auf Matt Ryan und will ein Fenster über rund zwei Jahre öffnen - oder man ist bereit, nach dem Carson-Wentz-Intermezzo einen Umbruch einzuleiten.

Chris Ballard: Der Spielraum ist aufgebraucht

Chris Ballard und die Colts versuchen in meinen Augen seit Jahren, einen Spagat aus beiden Dingen hinzubekommen: Kein echter Rebuild, aber auch nie All-In, nicht einmal ansatzweise. Und das führt nirgendwohin.

Wo soll die Quarterback-Antwort denn herkommen, wenn man jährlich sein Glück mit einem neuen Veteran versucht, ohne Interesse daran, im Draft nachzulegen? Und wo soll der Playoff-Run herkommen, wenn man nicht auf eine Art und Weise in den Kader investiert, die einen ernsthaft kompetitiv macht? Wenn einige der teuersten Spieler im Kader auf - vergleichsweise - Low-Value-Positionen spielen?

Nochmal: Ich denke, dass die Colts mit Ryan am Ende eine bessere Saison spielen werden als letztes Jahr und damit auch die Division gewinnen können. Aber mehr sehe ich eben nicht, und das ist ja der Kern des Punktes.

Ballard hatte Spielraum verdient, weil er früh gut gedraftet hat und mit dem überraschenden Rücktritt von Andrew Luck umgehen musste. Dieser Spielraum ist in meinen Augen aber aufgebraucht, weil Ballards Taten bisher ein klares Bild zeichnen: Das eines GMs, der klare Schwierigkeiten offenbart hat, wenn es darum geht, einen Contender-Kader aufzubauen.

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