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NFL - Marcel Reif im Interview über seine Football-Leidenschaft: "Da bin ich süchtig geworden"

Von Florian Regelmann

Jeder Fan kennt Kommentatoren-Legende Marcel Reif aus dem Fußball, aber kaum jemand weiß, dass der 72-Jährige auch ein großer NFL-Liebhaber und Experte ist. Auch beruflich spielte die NFL früh eine Rolle in seinem Leben.

Im Interview mit SPOX erzählt Reif seine ganz persönliche American-Football-Geschichte, verrät sein sonntägliches Ritual und spricht über den enormen Hype in Deutschland mit dem Höhepunkt im November, wenn Tom Brady und die Tampa Bay Buccaneers in München auf die Seattle Seahawks treffen.

Außerdem erklärt Reif, warum die NFL das große Vorbild für den Fußball ist und die Super League kommen wird und muss.

Herr Reif, wie ist Ihre Liebe zum American Football entstanden?

Marcel Reif: Als ich nach dem Studium in Mainz zum ZDF kam und nach Wiesbaden gezogen bin, 1969 muss das gewesen sein, bin ich beim Durchzappen im TV an einem Kanal hängen geblieben: AFN - American Forces Network. In Wiesbaden gab es einen großen Militärstützpunkt der Amerikaner. Ich kannte AFN auch aus meiner Jugend in Kaiserslautern, Vogelweh ist bis heute der größte amerikanische Ort außerhalb der USA, aber ich kannte AFN nur als Radiosender. Ich hatte das Programm dort verschlungen und mich in meine ersten Songs verliebt. "Be my baby" von den Ronettes, wenn ich das heute höre, könnte ich immer noch ausflippen. Jedenfalls lief jeden Sonntag auf dem American Forces Network die NFL - und da bin ich süchtig geworden.

Der erste Super Bowl fand 1966 statt, da waren Sie dann also fast von Anfang an mit dabei.

Reif: (lacht) Bringen Sie mir in Deutschland jemanden, der länger mit American Football zu tun hat als ich. Sie werden sich schwertun, jemanden zu finden. Nachdem ich beim ZDF aus dem Politikressort zum Sport gewechselt war, habe ich mir American Football unter den Nagel gerissen. Es gab ein paar Naturschutzgebiete, an die durfte außer mir niemand ran. Das war italienischer Fußball, weil ich damals schon Italienisch gesprochen habe. Mit Hans-Peter Briegel durch Verona, das waren herrliche und schicke Reisen, die gehörten mir. Und das zweite Steckenpferd war American Football. Mein erster Beitrag überhaupt im Sport beim ZDF ging gleich über einen Super Bowl, Los Angeles Raiders gegen die Washington Redskins. Wenn der Super Bowl anstand, hat meine damalige Frau immer Stew gekocht, da wurde mitternächtlich ein schöner Pott mit Fleisch hingestellt und in einem auserwählten Kreis der Super Bowl geschaut.

Und heute?

Reif: Heute wird kein Stew mehr gekocht, heute ist die Red Zone jeden Sonntag mein Ritual. Wenn im Fußball alle Sonntagsspiele vorbei und ausdiskutiert sind, essen meine Frau und ich schön zusammen und danach trennen sich unsere Wege. Sie macht ihr Ding und ich ziehe mich zurück und schaue Red Zone. Bis in die Nacht hinein, so lange ich eben durchhalte.

© getty
Marcel Reif spricht im Interview über seine NFL-Leidenschaft.

Marcel Reif: "Der Super Bowl war ein Geschenk für mich"

Sind Ihre Söhne auch Fans?

Reif: Die beiden jüngeren, 20 und 21, sind riesengroße US-Sport-Fans. Aber sie sind noch sehr grün hinter den NFL-Ohren. Als wir jetzt im Urlaub waren, haben wir ein kleines Quiz gemacht. Ich habe sie gefragt: Wer ist denn die größte Legende der Green Bay Packers? Sie haben es gewagt und sind mit Aaron Rodgers angekommen. Jetzt mal ruhig, ganz ruhig, habe ich zu ihnen gesagt. Nach wem ist die Trophy denn benannt? Wer hat denn diesen berühmten Spruch gesagt, bei dem es ums Gewinnen geht? "Winning is not everything, it's the only thing." Vince Lombardi. Da haben sie große Augen gemacht - solange ich da noch ein bisschen auf den Putz hauen kann, ist alles gut.

Was macht für Sie bis heute die große Faszination von American Football aus?

Reif: Ganz genau kann ich es gar nicht sagen. Jeder Mensch hat ja so Leerräume. Der Fußball wird immer die Nummer eins bleiben, dann war Eishockey bei mir eine Zeit lang eine große Nummer, aber eben auch American Football. Es hängt sicher damit zusammen, dass ich dem amerikanischen Sportmodell verfallen bin, das muss ich zugeben. Ich kann es vielleicht mit einer kleinen Anekdote erklären.

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Gerne.

Reif: Meine Frau und ich schenken uns zum Geburtstag immer Kurzreisen, bei denen der andere nicht weiß, wohin es geht. Beim letzten Mal war sie dran und es ging für drei, vier Tage nach New York. Bevor wir am Abend zum Essen raus sind, habe ich gesagt, dass ich noch kurz telefonieren muss. Danach habe ich meiner Frau zwei Vorschläge gemacht: Entweder wir gehen am Sonntag in die Meadowlands, Jets vs. Chiefs, wird aber wirklich kalt da draußen im November. Oder wir gehen 300 Meter zu Fuß in den Madison Square Garden, Knicks vs. Magic. Meine Söhne würden zwar sagen: "was für ein Scheißspiel!", aber bitte. Wir waren dann im Garden und meine Frau war begeistert. John McEnroe saß in der ersten Reihe mit Familie, es war ein Spektakel, so wie es der Amerikaner zelebriert. Und es ist nicht der Untergang des Abendlandes, wie man manchmal meinen könnte, wenn man den Romantikern der deutschen Fankultur im Fußball so zuhört. Alle hatten ihre blau-orangen Knicks-Jerseys an oder zumindest die Klubschals um den Hals, die Leute gehen dorthin, wo es ihnen Spaß macht und das hat Spaß gemacht.

Weil Sie das Spektakel ansprechen, das größte Spektakel der Welt ist jedes Jahr der Super Bowl.

Reif: Meine Super Bowls, die ich live vor Ort erlebt habe, stehen auf einer Stufe mit den größten Fußballspielen, die ich kommentiert habe. Es ist nur nicht zu vergleichen. Wenn ich zu einem WM- oder Champions-League-Finale ins Stadion gekommen bin, packt dich das zwar auch, aber da war ich als Kommentator Teil des Ganzen. Beim Super Bowl war ich wie ein Schulbub, wie ein kleiner Junge an Weihnachten, der mit großen Augen vor seinem Geschenk steht und davon erstmal erschlagen wird. Der Super Bowl war ein Geschenk für mich. Als Gesamtkunstwerk ist das nicht zu überbieten.

Seite 1: Reif über seine Liebe zum Football, Super-Bowl-Geschenke und die Red Zone

Seite 2: Reif über den NFL-Ticket-Wahnsinn von München und die Super League

Seite 3: Reif über NFL-Kommentatoren in den USA, Tom Brady und Cristiano Ronaldo

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