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NFL

Top 5: Die wichtigsten Erkenntnisse aus Woche 5 in der NFL

Von Adrian Franke

Woche 5 hatte einige der verrücktesten Momente dieser Saison zu bieten: Die Browns schieben die Chargers zum Touchdown in die Endzone, in Cincinnati gibt es ein unfassbares Kicker-Drama, Trey Lance gibt sein Starter-Debüt - und sehen wir das Ende der Russell-Wilson-Ära in Seattle?

Nachdem die Seahawks bereits am Donnerstagabend den Kürzeren im Division-Duell gegen die Rams gezogen hatten, blieb das Thema dennoch präsent; die Verletzung von Russell Wilson spült in Seattle so einige Storylines auf den Tisch.

Am Sonntag verteidigten die Cardinals dann ihren Status als einziges ungeschlagenes Team der Liga, auch wenn es gegen die 49ers sehr knapp war - und die Verletzungen von Maxx Williams und Center Rodney Hudson muss man beobachten. Beide sind kritisch für die Pass-Protection, und ihren Ausfall spürte man deutlich. Es war ein unheimlich physisches Spiel, dass sich diese beiden Teams lieferten, vielleicht das physischste Spiel, das ich bisher in dieser Saison gesehen habe.

Das Sunday Night Game war ein bitterer Weckruf für die Chiefs - es war das erste Mal, dass ich den Eindruck hatte, dass die Offense wirklich hektisch unterwegs ist und falsche Entscheidungen traf: Die Chiefs konnten den Ball am Boden so gar nicht bewegen, und das nachdem sie gerade die Eagles-Front komplett dominiert hatten. Mahomes verfehlte mehrere Würfe, die er so nicht verfehlt. Und es bleibt dabei, dass seine Risiko-Pässe dieses Jahr fast durchweg abgefangen und somit bestraft werden. Ich würde so weit gehen, dass es angesichts der vielen kleinen Fehler das schwächste Spiel war, an das ich mich von Mahomes individuell betrachtet erinnern kann.

Die Offense, die trotz ihres Rufs auch von vielen kurzen Pässen lebt, hatte so nie einen Rhythmus, und es ist klar, dass dieses Team sich das aktuell nicht leisten kann. Ich hatte letzte Woche im Power Ranking argumentiert, dass die Chiefs-Offense so gut ist, dass ich erwarte, dass sie die Defense mitschleppen kann - und dass die Defense irgendwann auch wieder etwas stabiler auftreten wird. Letzteres muss mittlerweile schon fast per positiver Regression kommen, die Defense aktuell ist absurd schlecht. In der Run-Defense, aber auch in Coverage. Fundamentale Dinge wie Tackling klappen einfach nicht.

An Ersteres glaube ich auf die Saison betrachtet immer noch, auch nach dem schlechtesten Mahomes-Spiel zumindest mal der jüngeren Vergangenheit. Aber ein wackliger Auftritt wie dieser gegen ein sehr komplettes Bills-Team ist dann schon automatisch eine Pleite.

Los geht's heute mit dem Division-Rivalen der Chiefs; denn in Los Angeles erhebt sich eine neue Football-Macht.

Die Chargers: Eine neue Macht erhebt sich

Es ist ein Teil der Gleichung, dass Justin Herbert die Bedenken hinsichtlich einer möglichen Regression bisher pulverisiert. Herbert ist gegen den Blitz fast nochmal stärker, und bei Third und Fourth Down führt er bisher alle Quarterbacks in puncto Expected Points Added an. Der Deep Ball und die Big Plays kommen nach wie vor zur Genüge. Hier gibt es noch weitere Punkte - am morgigen Dienstag kommt übrigens mein erstes Quarterback-Ranking für diese Saison -, aber die Kernbotschaft ist: Herbert spielt in der Summe sogar noch besser als letztes Jahr.

Darüber hinaus ist jedoch offensichtlich, dass die Chargers offensiv einen immer besseren Rhythmus finden. Ekeler binden sie immer besser in ihr Passspiel ein und kreieren Mismatches, gegen die Browns gab es auch einige sehr schöne Screen-Designs. Der schon jetzt größte Gewinner der neuen Offense ist Mike Williams. Die Chargers finden Wege, vertikal Big Plays via Scheme zu kreieren und dann Herberts Arm für die tiefen Pässe zu nutzen. Dazu diese starke Offensive Line, die mittlerweile auch am Boden Räume kreiert.

Die Chargers sind schon jetzt ein größerer Herausforderer für Kansas City innerhalb der AFC West als ich es vor Saisonstart vermutet hatte. Und die Raiders und Broncos müssen sich für die mittelfristige Zukunft etwas einfallen lassen, wie sie ihrerseits die Hände an einen Top-10-Quarterback bekommen. Andernfalls droht ein langes Jahrzehnt in der eigenen Division.

Wo liegt Clevelands realistisches Potenzial?

Beide Teams präsentierten sich am Sonntag in ihren In-Game-Entscheidungen auch gewohnt clever, nicht nur mit diversen Fourth-Down-Entscheidungen. Als die Chargers am Ende kurz vor der Endzone an der Uhr drehen wollten, schoben die Browns kurzerhand Running Back Austin Ekeler selbst in die Endzone. Dass die Chargers hier nicht einfach abknieten, um dann mit auslaufender Uhr den Game Winner zu kicken, war zumindest kurios. Diese Teams sind gekommen, um zu bleiben, beide haben ohne Frage den Head Coach dafür.

Die Chargers aber haben den Vorteil, auch den Elite-Quarterback bereits in ihren Reihen zu haben.

Es würde mich keineswegs wundern, wenn wir dieses Duell tief in den diesjährigen AFC-Playoffs wiedersehen würden. Und umso spannender für die Storyline dann wäre, dass im Duell dieses Mal beide Teams sehr stark innerhalb ihrer Identität agierten. Die Browns dominierten, trotz einiger Ausfälle, offensiv die Line of Scrimmage, während die Chargers Probleme damit hatten, einen Zugriff auf das Run Game zu erhalten. Nick Chubb ist so gut.

Kaum ein Team kann das so ausnutzen wie Cleveland, aber ein neues Thema ist es für diese Chargers-Defense nicht: L.A. spielt viel aus seinen 2-High-Looks mit Post-Snap-Rotationen der Safeties, und will somit auch aus einer leichten Box den Run verteidigen. Das aber klappt nur, wenn man reaktionsschnelle und explosive Safeties hat - und wenn man Defensive Linemen hat, die mehr als eine Gap spielen können.

Cleveland lief für 230 Yards und 6,6 Yards pro Run sowie insgesamt drei Touchdowns. Baker Mayfield hatte einige Wackler, alles in allem war es aber ein Spiel ohne größere Fehler, in dem er den Ball gut verteilte und seine Rolle innerhalb der Offense spielte.

Doch am Ende war Cleveland das erste Team überhaupt in der NFL-Geschichte, welches mehr als 40 Punkte sowie mehr als 500 Yards auflegte und ohne eigenen Turnover blieb, und das Spiel dennoch verlor. Und dennoch, so hart es im Zusammenhang dieses Spiels klingt, wurde Clevelands Offense in der zweiten Hälfte zu häufig gestoppt.

Die Browns sind ein Top-Team mit einer klaren Identität, vielleicht das ausgeglichenste Spiel in der NFL aktuell. Der große Zweifel bleibt der Quarterback. Nicht, weil Mayfield schlecht wäre - aber weil in der AFC-Spitze mit Mahomes, Jackson, Allen und eben Herbert vier Top-Quarterbacks in den Playoffs warten, die jederzeit Spiele dominieren und gewinnen können. Bei Mayfield bin ich da deutlich skeptischer.

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