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NFL

Chase, Waddle und der Heisman-Sieger: Das Wide-Receiver-Ranking zum Draft

Von Adrian Franke

Auch in diesem Jahr hat der NFL Draft eine enorme Receiver-Dichte zu bieten, und während 2020 in der Breite vielleicht noch etwas stärker besetzt war, kann es die diesjährige Spitzengruppe mit Jeudy, Lamb und Co. definitiv aufnehmen. SPOX-Redakteur Adrian Franke hat 25 Wide-Receiver-Talente für den diesjährigen Draft analysiert und präsentiert seine Top 12 im Ranking.

Eine persönliche Note zum Start: Unter den jährlichen Draft-Scouting-Aufgaben macht mir keine Position so viel Spaß wie die Wide Receiver. Hier gibt es die größte Vielfalt - ein Outside-Receiver und ein Slot-Receiver mögen nominell die gleiche Position spielen, dazwischen können aber 15 Kilogramm Körpergewicht und 20 Zentimeter Körpergröße liegen - und eine enorm hohe Tiefe.

Auch in diesem Jahr wird voraussichtlich keine Position derart häufig in meinem finalen Top-75-Big-Board vertreten sein wie die Receiver.

Und gleichzeitig ist das auch ein guter Hinweis zum Einstieg, der bei vielleicht keiner Position derart wichtig ist für den Hinterkopf: Dieses Ranking ist im Vakuum entstanden, und eben nicht für ein spezifisches Team.

Das macht es bei den Receivern zusätzlich schwierig, denn manche Receiver könnten mal exzellent im Slot werden, haben in der NFL aber wenige Chancen, außen zu spielen; andere wiederum sind sehr gute Allrounder. Manche gewinnen mehr mit Physis, andere mit Separation. Manche mit Speed, andere mit Technik. Für ein spezifisches Team-Board würde ich hier auch noch stärker zwischen Slot- und Outside-Optionen unterscheiden, bei jedem Receiver aber wird auf die jeweilige Einordnung eingegangen.

St. Brown, Wallace, Tutu: Wer fehlt in der Top 12?

25 Receiver habe ich in der Entstehung dieses Rankings analysiert, und dabei entsteht automatisch auch eine generelle Einordnung der Klasse: Dieser Draft hat eine sehr breite Receiver-Gruppe für die mittleren (etwa Mitte 2. bis Ende 4.) Runden. Hier sehe ich beispielsweise Amon-Ra St. Brown, den Deutsch-Amerikaner, der von USC kommt. Ein guter, bereits relativ kompletter Allrounder, dem aber das Ceiling nach oben ein wenig fehlt. Seine ideale Rolle für mich wäre eine High-End Nummer 3 in einer NFL-Offense, er ist mein Receiver 14.

Auch Tutu Atwell habe ich in dieser Gruppe, ein Receiver, bei dem die Meinungen extrem auseinandergehen. Atwell taucht in mehreren Big Boards sehr weit oben auf, ich habe ihn in Runde 4 als Receiver 18. Er hat enormen Speed, aber ich sehe ihn als reinen Gadget-Spieler. Einer der Screens und Jet Sweeps fängt und daraus Big Plays machen kann, aber er läuft trotz seiner sehr schmalen Statur und trotz des Speeds keine scharfen Routes und hat einen sehr kleinen Catch-Radius. So wurde er bei Louisville auch eingesetzt, mehr als ein Drittel seiner Catches erfolgte vor der Line of Scrimmage und Press Coverage hat er dementsprechend fast überhaupt nicht gesehen.

Wer einfach nur Speed haben will, kann auch mutmaßlich irgendwann an Tag 3 Anthony Schwartz draften. Den würde ich auch vor Atwell nehmen. Ein Sprinter - im wahrsten Sinne des Wortes - der die 100 Meter schon in 10,09 Sekunden gelaufen ist. Er hält den Rekord für die schnellste Zeit über 100 Meter in der U18-Klasse (10,15 Sekunden, gelaufen im März 2017). Bei der U20-WM 2018 gewann er Gold in der Staffel über 4x100 Meter sowie Silber alleine über 100 Meter, aber Schwartz wird als Receiver noch einiges an Feinschliff benötigen. Was man, um fair zu sein, allerdings auch über Tutu sagen muss.

Tylan Wallace ist mein Wide Receiver 13, hat das Ranking also denkbar knapp verpasst. Ein Receiver, der vertikal gewinnt und auch schwierige Catches weg vom Körper zeigt, bei Wallace aber hat mir das Route-Running überhaupt nicht gefallen und ich kann mir vorstellen, dass sich seine Spielweise so nicht auf die NFL übertragen wird.

Ein letzter Name bevor es hier zu sehr ausartet: Tre Walker. Ein eher kleiner Receiver, der bei San Jose State Outside spielte, in der NFL aber vermutlich in den Slot rücken dürfte. Spielt physischer als seine Statur nahelegen würde, hat aber trotzdem beachtlichen Speed und Stop-and-Start-Fähigkeiten und gewann auch regelmäßig tief. Umso überraschender war, dass er beim Pro Day komplett katastrophale Zahlen lieferte. Sein Tape zeigt einen anderen Spieler, ab Runde 4 würde ich über ihn nachdenken.

Wie analysiert und bewertet man Wide Receiver?

Wide Receiver zu analysieren erfordert neben den technischen Details auch eine Berücksichtigung der Offense: Was war die Rolle des Receivers? Welche der gezeigten Eigenschaften übertragen sich auf die NFL? Und wie, beziehungsweise in welcher Rolle? Und was konnte der Receiver vielleicht nicht zeigen, obwohl er dazu in der Lage ist? Justin Jefferson letztes Jahr war so ein Beispiel: Spielte bei LSU quasi nur im Slot, wie viel mehr er kann, hat er als Rookie bei den Vikings gezeigt.

Um zumindest ein generelles Verständnis für die gröbsten Unterscheidungen der Position (Slot-, Z-, X-Receiver) zu entwickeln, wäre der Artikel, den ich vor zwei Jahren zu genau dieser Frage geschrieben habe, zu empfehlen.

Einige Kernkompetenzen für Wide-Receiver-Play - auch hier gibt es im verlinkten Artikel noch mehr Details zu den jeweiligen punkten - sind:

  • Route-Running
  • Explosivität
  • Speed
  • Agilität
  • Release
  • Hände
  • Yards nach dem Catch
  • Contested Catches
  • Physis und Blocking
Mock Draft nach dem irren Trade: Wer schnappt sich Quarterback Nummer 4?

NFL Draft 2021: Das Wide Receiver Ranking

12. Dyami Brown, North Carolina

Receiver-Typ: X-Receiver/Nummer-2-Outside-Receiver

Stärken:

  • Gewinnt konstant tief, das ist seine beste Qualität - und das obwohl er kein Speedster und auch nicht sonderlich explosiv ist. Brown gewinnt mit kleinen Körpertäuschungen um dann mit seinen langen Schritten Boden gutzumachen, diesen Vorteil hält er danach am Catch Point mit seiner Größe.
  • Zeigt einen guten Release, den er auch variieren kann. Auch hier hat er einige Male auf den ersten Schritten gewonnen und dann war es für die meisten Cornerbacks schwer, wieder die Oberhand an der Seitenlinie zu gewinnen.
  • Verschafft sich am Catch Point zuverlässig Raum, spielt mit guter Physis durch Kontakt, gewinnt einiges an Jump Balls. Dyami Brown ist in meinen Augen keine Nummer 1, aber eine potenziell gefährliche Nummer 2. Ein Receiver, der am ehesten davon profitieren würde, außen isoliert Eins-gegen-Eins-Matchups zu bekommen. Hatte letztes Jahr laut PFF die zweitmeisten Deep-Receiving-Yards im College Football (543).
  • Hat auch einiges nach dem Catch und als Blocker gezeigt.

Schwächen:

  • Brown ist kein Elite-Athlet und ich frage mich, in wie weit sich seine Dominanz bei North Carolina auch auf die NFL überträgt. Da wird er in puncto Speed und Explosivität eher noch an Grenzen stoßen und dann bin ich mir nicht sicher, ob er eine echte Trumpfkarte hat, um gegen NFL-Cornerbacks konstant zu gewinnen.
  • Die Cuts und Routes sind meist nicht sonderlich scharf gelaufen, Agilität ist eher durchschnittlich. Route-Tree war relativ limitiert im College, viele isolierte Go-Routes.
  • Relativ viele Body-Catches, das hat mir nicht gefallen. Er gewinnt zwar viele Jump Balls, aber davon abgesehen habe ich häufiger die Tendenz zum Body Catch gesehen.

SPOX Draft-Runden-Empfehlung: 3. Runde.

© YouTube

11. D'Wayne Eskridge, Western Michigan

Receiver-Typ: Z-Receiver

Stärken:

  • Speed ist offensichtlich. Fliegt über den Platz, aber spielt nicht nur mit Straight-Line-Speed, sondern auch mit Explosivität. Cuts sind scharf, er kreiert Separation. Seine 18,8 Yards pro Target gegen Man Coverage waren Platz 1 im College-Football letztes Jahr.
  • Release sieht gut aus, Cornerbacks hatten große Probleme, ihn zu pressen. Das ist teilweise sicher auch mit der Qualität der Gegenspieler bei Western Michigan zu erklären, allerdings übertrug sich das auch auf den Senior Bowl.
  • Generell war er einer der auffälligsten Receiver beim Senior Bowl. Gutes Zeichen dafür, wie er sich gegen bessere Gegner behaupten wird.
  • Monster nach dem Catch. 14,4 Yards nach dem Catch pro Reception waren Platz 1 im College-Football 2020. Unheimlich dynamischer Spieler mit dem Ball in der Hand, sollte auch als Returner Value mitbringen.

Schwächen:

  • Zu viele Drops. Tendenz dazu, den Ball per Body Catch zu fangen und nicht weg vom Körper. Hatte auch einige Male Probleme damit, den Ball durch Kontakt zu sichern.
  • Ist einen relativ eindimensionalen Route-Tree gelaufen und müsste seine Routes noch subtiler laufen können. Teilweise wirkte es so, als wüssten die Cornerbacks ganz genau, was er vorhat.
  • Sprung in die NFL wird einen enormen Anstieg, was das Gegnerlevel angeht, bedeuten. Seine Athletik wird ihn dort nicht so tragen können wie bei Western Michigan, das muss man bei der Prognose Richtung NFL im Hinterkopf behalten.
  • Auf der älteren Seite. Wird 24 in seiner Rookie-Saison.

SPOX Draft-Runden-Empfehlung: 3. Runde.

© YouTube

10. Jaelon Darden, North Texas

Receiver-Typ: Slot-Receiver

Stärken:

  • Freak mit dem Ball in der Hand. Extrem agil und shifty, häufig überhaupt nicht zu greifen. Sollte auch Returner in der NFL spielen können. Kein Receiver hatte laut PFF mehr erzwungene Missed Tackles als Darden in der vergangenen Saison (23). Kommt super durch Traffic, aber hat auch die Athletik und Explosivität, um Verteidiger sehr dumm aussehen zu lassen. Exzellente Körperkontrolle.
  • Bei Darden überträgt sich das alles auch auf seine Routes. Kreiert Separation, gute Cuts an der Spitze seiner Routes, explosiv, Richtungswechsel sind fließend und ohne Geschwindigkeitsverlust. Mir haben auch sein Timing und wie er den Ball attackiert sehr gut gefallen.
  • Exzellente Hände. Mehrere extrem schwierige Catches, insbesondere wenn der Ball zu tief geworfen wurde.
  • Bringt alles mit um die Art vertikaler Slot-Receiver zu werden, der in der NFL immer beliebter wird. Hatte die drittmeisten Slot-Catches (63), aber auch die achtmeisten Deep-Receiving-Yards (470) im College-Football letztes Jahr.

Schwächen:

  • Ähnlich wie bei Eskridge muss man auch bei Darden auf das Gegnerlevel schauen. Der Sprung in die NFL von der Conference USA wird sehr, sehr groß sein.
  • Ist klein und bringt physische Limitierungen mit. Hat fraglos bei North Texas auch davon profitiert, dass er einiges an geschemten Targets erhalten hat. Musste sich auch selten gegen Press Coverage behaupten und ist absolut kein Contested-Catch-Receiver.
  • Reiner Slot-Receiver in der NFL. Hat schon bei North Texas nahezu ausschließlich im Slot gespielt.

SPOX Draft-Runden-Empfehlung: 3. Runde.

© YouTube

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Seite 2: Die Plätze 9 bis 7

Seite 3: Die Plätze 6 bis 4

Seite 4: Die Top 3 und das Ranking im Überblick

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