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NFL: Philadelphia Eagles am Abgrund - darum ist ein Übergangsjahr unausweichlich

Von Marcus Blumberg

Nur drei Jahre nach dem größten Triumph ihrer Geschichte stehen die Philadelphia Eagles vor einer ungewissen Zukunft. Quarterback Carson Wentz ist weg, ein Nachfolger nicht klar auszumachen und die Mittel für einen schnellen Turnaround sind auch nicht in Sicht. Wie geht es nun also weiter in Philly?

Vor etwas mehr als drei Jahren, im Februar 2018, zerlegten die Fans der Philadelphia Eagles freudetrunken die Stadt der brüderlichen Liebe - ihr Team hatte gerade zum ersten Mal überhaupt den Super Bowl gewonnen. Und das Team sah aus wie eines, das um diesen Titel auch in den Folgejahren zumindest mal mitspielen könnte.

Besonders optimistisch stimmte alle im Umkreis der Eagles, dass mit Carson Wentz der zuletzt verletzte Star-Quarterback zur Saison 2018 zurückkommen würde, nachdem er 2017 in seiner zweiten NFL-Saison auf MVP-Niveau agiert hatte und nur durch einen Kreuzbandriss außer Gefecht gesetzt worden war. Backup Nick Foles führte die erfolgreichste Saison der Franchise-Geschichte auf spektakuläre Weise zu Ende, doch allen war klar, dass dies Wentz' Team war.

Foles ging schließlich 2019 und Wentz unterschrieb noch vor der Saison eine Rekord-Verlängerung im Wert von 128 Millionen Dollar - 107,9 Millionen davon garantiert. Die Message war klar: Dies ist "unser" Quarterback, mit dem "wir" noch einige Erfolge feiern wollen.

Im Februar 2021 nun wurde Wentz unzeremoniell nach Indianapolis getradet. Zurück bleibt nur ein Dead-Money-Betrag in Höhe von schier unglaublichen 33,8 Millionen Dollar. Und eine insgesamt ungewisse Zukunft für diese Franchise, die eigentlich gedacht hatte, ihre unruhigen Jahre hinter sich gelassen zu haben.

Zuvor bereits wurde berits Erfolgs-Coach Doug Pederson, ebenfalls nach fünf Jahren, entlassen. Sein Nachfolger ist Nick Sirianni, der zuvor Offensive Coordinator von Ex-Pederson-Assistent Frank Reich in Indianapolis war. Welches Team ihm jedoch letztlich zur Verfügung stehen wird, ist noch völlig offen.

Philadelphia Eagles: Zahlreiche Abgänge stehen an

Die Eagles, die sich bereits von Wide Receiver DeSean Jackson getrennt haben und wohl demnächst auch noch Wide Receiver Alshon Jeffery und Defensive Tackle Malik Jackson entlassen werden, stehen vor einer prekären Situation. Center Jason Kelce könnte ebenso wie der langjährige Left Tackle Jason Peters die Karriere beenden. Und Tight End Zach Ertz, der ohnehin unzufrieden ist, steht auch vor einem Trade oder einem Cut.

Für Ertz könnte Dallas Goedert übernehmen, während die Receiver ebenso wie Kelce eine größere Lücke in den Kader reißen würden. Lücken, die erstmal gestopft werden müssen.

All diese Personalien würden aber nur bedingt helfen, den Berg von aktuell Minus-43 Millionen Dollar an Cap Space abzubauen. Hier werden noch weitere Kniffe erforderlich sein. Es ist das Resultat aus Ausgaben am Limit über die vergangenen paar Spielzeiten im Glauben, den Franchise-QB zu haben und nur noch das Personal um ihn herum optimieren zu müssen.

Freilich spielt auch die Pandemie eine Rolle, die für einen Rückgang der Salary Cap im Vergleich zum Vorjahr gesorgt hat. Doch mit diesem Problem haben alle zu kämpfen, es ist keineswegs Philly-exklusiv.

Wie gut der Kader in den Folgejahren war, unterstreicht die Tatsache, dass Philly nach dem Triumph 2017 auch noch 2018 und 2019 jeweils die Playoffs erreichte - wenn auch jeweils mit überschaubaren 9-7-Saisons. Die Baseline war sehr hoch und es gelang sogar noch ein Playoff-Sieg in Chicago nach der Saison 2018 - das "Double-Doink Game".

Philadelphia Eagles: Großer Absturz 2020

2020 jedoch folgte der große Absturz: Die Offensive Line, die einst eine große Stärke war, präsentierte sich löchrig, was auch an zahlreichen Ausfällen lag. Und die Verletzungsmisere im Receiving Corps, die 2019 besonders stark grassierte, setzte sich auch im Folgejahr konsequent fort. Doch auch Wentz' Leistungskurve ging steiler gen Süden als je zuvor. 2020 war seine klar schlechteste Saison in der NFL.

Folglich übernahm Rookie Jalen Hurts, dessen Pick in Runde 2 seinerzeit für viel Verwunderung sorgte - warum ziehen die Eagles so früh einen QB, nachdem Wentz gerade erst langfristig verlängert hatte? "Niemand wird einen Rookie-QB als jemanden ansehen, der für einen Pro-Bowl-Quarterback übernehmen wird, der kurz davorstand, einen MVP zu gewinnen", sagte General Manager Howie Roseman damals.

Vier Spiele vor Schluss in der Saison 2020 trat jedoch genau dieser Fall ein. Trotz ohnehin schon schwacher Bilanz waren die Eagles da noch im Playoff-Rennen, weil die NFC East in der abgelaufenen Saison ohnehin einem Trümmerhaufen glich.

Hurts übernahm und brachte frischen Wind rein. Er gab den Eagles und einer schwächelnden Offense neue Hoffnung und schlug direkt die Saints - allerdings ohne Drew Brees. Anschließend hatte Hurts sein wohl bestes Spiel gegen Arizona und baute in der Folge ab - die Eagles verloren überdies ihre finalen drei Spiele der Saison und verpassten die Playoffs erstmals seit 2016 - Wentz' Rookie-Saison.

Was folgte, war der Wentz-Trade und die große Frage, wie es denn nun für die Eagles weitergeht. Hurts zeigte gute Ansätze, wurde jedoch schlechter je mehr Tape von ihm vorhanden war. Soll heißen: Es ist unklar, ob die Eagles vollends von ihrem aktuell einzigen QB im Kader überzeugt sind.

Philadelphia Eagles: Spielzeiten seit 2016

SaisonPlatzierung NFC EastSiegeNiederlagenRemisPlayoffs
20164.790-
20171.1330Super Bowl LII Champions
20182.970Divisional Playoffs
20191.970Wildcard Playoffs
20204.4111-

Philadelphia Eagles: 6. Pick im Draft bietet einige Optionen

Mit dem sechsten Pick im anstehenden Draft sind die Eagles in Position, einen weiteren QB zu holen, ob nun mit jenem Pick oder einem Trade in die Top 3. Bereits für Wentz fädelten sie letztlich zwei Trades ein, um auf Position 2 vorzurücken. Generell ist die Philosophie der Eagles unter Teameigner Jeff Lurie, vieles in Bewegung zu setzen, um auf der Quarterback-Position abgesichert zu sein.

Nach zehn Jahren Donovan McNabb, der mit dem zweiten Pick 1999 geholt wurde, übernahm dessen Backup Michael Vick, während ohnehin schon größere Ressourcen in einen gewissen Kevin Kolb investiert worden waren. Und nachdem man nach Vick in ein kleines Loch gefallen war, wurden mit Wentz erneut die Weichen für die Zukunft gestellt - mit Foles als kompetentem (Super-)Backup.

Es ist also denkbar, dass die Eagles auch dieses Mal wieder auf Nummer sicher gehen und nicht alle Chips auf Hurts setzen werden. Der Draft ist die naheliegendste Option, obgleich es schmerzhaft wäre, nach einem Zweitrundenpick im Vorjahr nun einen hohen Erstrundenpick erneut in einen QB zu investieren - allerdings handelt es sich hier nun mal auch um die mit Abstand wichtigste Position überhaupt.

Es existiert jedoch ein weiteres Problem: Der Kader ist nicht mehr so gut wie 2017 oder 2018. Er braucht dringend Upgrades und die müssen in diesem Jahr in erster Linie über den Draft kommen - Cap Space ist derzeit nicht vorhanden. Und wer weiß? Vielleicht würde einer der Top-Receiver des Drafts, mutmaßlich DeVonta Smith oder Ja'Marr Chase, an Position 6 schon das Gesamtniveau der brachliegenden Offense erhöhen.

© getty
Jalen Hurts könnte als Starting QB der Eagles in die Saison 2021 gehen.

Philadelphia Eagles: Übergangsjahr als beste Option

Sollte dies der Weg sein, bietet sich eine Übergangsoption auf QB hinter oder neben Hurts via Free Agency an. Vielleicht lässt sich ein Ryan Fitzpatrick dazu bewegen, noch ein Jahr in Philly dranzuhängen. Oder - und das steht offenbar auch im Raum - man holt Foles zurück, der in Chicago kaum eine große Zukunft hat. Er wäre wohl für einen späten Draftpick zu haben.

Ein Übergangsjahr scheint ohnehin die sinnvollste Strategie für die Eagles zu sein. Es gibt selbst nach diversen Manövern nur sehr wenig Cap Space, die Topleute auf dem Markt bekommen sie damit ohnehin nicht und im Draft wäre die Franchise unterm Strich wohl besser dran, würde sie ihr Talentlevel großflächig erhöhen.

Gehen die Eagles n dieser Hinsichtdennoch All-in, stünde dann womöglich der QB für die Zukunft - wenn es nicht doch Hurts ist - schon mal im Kader, könnte aber mit dem Talent um sich herum zumindest in der kommenden Saison wohl auch keine Bäume ausreißen.

In jedem Fall wird es der ohnehin sehr ambitionierten Fan Base nur schwer vermittelbar sein, ein Übergangsjahr einzuleiten. Der Super Bowl aus dem Jahr 2018 ist zwar noch nicht vergessen, doch dürfte er spätestens jetzt nicht mehr als Schutzschild herhalten.

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