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NFL

Buffalo Bills vs. Baltimore Ravens 17:3 - Bills beenden jahrzehntelange Durststrecke, Lamar Jackson verletzt

Von Adrian Franke

Die Buffalo Bills stehen im AFC Championship Game - und treffen dort in Kansas City auf die Chiefs oder zuhause in Buffalo auf die Cleveland Browns. Gegen die Baltimore Ravens gab es lange eine Defensiv-Schlacht, ehe die Bills in der zweiten Hälfte schließlich davon zogen; auch begünstigt durch einen schwerwiegenden Fehler von Lamar Jackson. Jackson musste zu allem Überfluss verletzt raus, die Bills dürfen derweil weiter vom ganz großen Wurf träumen und werden ihr erstes Championship Game seit Januar 1994 spielen.

Fans von defensiv geprägten sowie vom Wetter beeinflussten Spielen kamen in dieser Partie voll auf ihre Kosten. Denn gleich Baltimores erster Drive über zwölf Plays, 7:24 Minuten und 52 Yards war in jeder Hinsicht bis zu den Schlusssekunden der Hälfte der längste Drive der ersten Halbzeit - und er endete ohne Punkte: Nach einem langen Sack schoss Ravens-Kicker Justin Tucker den Ball im starken Wind von Buffalo gegen die Torstange.

Es folgte ein stilistisch und taktisch hochspannendes Spiel, das allerdings mit Highlights geizte. Stilistisch spannend, weil beide Teams so verschieden spielten: Baltimore versuchte, über den Run zu kommen, was Buffalo aber sehr gut verteidigte. Die Bills auf der anderen Seite warfen den Ball in der ersten Hälfte nahezu ausschließlich - ein einziger (!) designter Run stand zur Pause auf dem Konto -, Josh Allen (23/37, 206 YDS, TD) verfehlte aber den Großteil seiner zahlreichen tiefen Shots doch deutlich.

Dazu kam allerdings auch, dass es ein unsauberes Spiel war, insbesondere aufseiten der Ravens; viele kleine Fehler und kostspielige Strafen prägten hier das Bild und führten zu noch längeren Downs, was wiederum noch mehr Druck auf Lamar Jackson (14/24, 162 YDS, INT; 9 ATT, 34 YDS) ausübte, der von den Bills ohnehin mit zahlreichen Blitzes vor Probleme gestellt wurde.

Fast folgerichtig kamen die ersten Punkte des Spiels nach einem schlechten Ravens-Punt gefolgt von einer sehr harten Roughing-the-Passer-Strafe gegen Baltimore. Doch Gabriel Davis konnte bei Third Down einen gut platzierten Pass in der Endzone nicht festhalten und so stand am Ende nur das Field Goal. Ein solches mussten sich die Ravens mit dem letzten Drive der Halbzeit hart erarbeiten, zuvor hatte Tucker noch ein weiteres Mal verschossen. Vor allem jenes zweite Field Goal, bei dem die Ravens trotz des Windes bei Vierter-und-Drei an der gegnerischen 28-Yard-Line den Kick wählten, überraschte angesichts der gewohnten Aggressivität dieses Teams.

Bills vs. Ravens: Erster Touchdown zum Start in die zweite Hälfte

Mit 3:3 ging es also in die Halbzeitpause, und Buffalo fand einige gute Anpassungen zum Start in die zweite Hälfte. Die Bills streuten jetzt einige Runs ein, und erwischten die Ravens im Passspiel mehrfach auf dem falschen Fuß. Insbesondere beim Touchdown.

Doch endlich schien es, als würden die Ravens Antworten finden. Baltimore fand einen Rhythmus im Underneath Passing Game, neutralisierte so Buffalos Blitzes halbwegs und marschierte in die Red Zone. Dort allerdings passierte ein so seltener katastrophaler Fehler von Jackson in der Red Zone, bei Third Down übersah er den Underneath-Zone-Verteidiger komplett und warf den Ball in die Arme von Taron Johnson - der ihn 101 Yards zum Touchdown zurücktrug.

Es war der bittere Anfang vom Ende. Beim übernächsten Snap der Ravens-Offense flog der Snap zu hoch - nicht der erste schlechte Snap für die Ravens in dieser Partie - über Jacksons Kopf, der zwar noch den Touchdown für Buffalo verhinderte, sich aber beim Versuch, den Ball zu retten und weg zu werfen, verletzte und das Spiel verlassen sowie das Concussion Protocol starten musste. Ein komplettes Desaster innerhalb weniger Plays für die Ravens, Jackson kam im weiteren Spielverlauf nicht mehr zurück.

Das war trotz einiger beherzter Plays von Backup Tyler Huntley zu viel, um noch einmal zurück zu kommen. Innerhalb weniger Minuten war das Spiel den Ravens, die gerade noch kurz vor dem möglichen Ausgleich gestanden hatten, komplett aus der Hand geglitten. Für Baltimore beginnt somit jetzt die Offseason - die Bills dagegen werden ihr erstes AFC Championship Game seit Januar 1994 spielen. Damals schlug Buffalo die Kansas City Chiefs, um in den Super Bowl einzuziehen.

NFL Playoffs: Divisional Round

No. 2 Buffalo Bills (13-3) - No. 5 Baltimore Ravens (11-5)

Ergebnis: 17:3 (3:0, 0:3, 14:0, 0:0) BOXSCORE

Bills vs. Ravens - die wichtigsten Statistiken

  • Die Bills hatten trotz des Windes keinerlei Absichten, die starke Run-Defense der Ravens sonderlich zu testen. Buffalo beendete das erste Viertel mit zehn Pässen und ohne Run, die ersten 14 Plays waren alle Pässe, dann folgte ein Scramble von Allen. Er hatte 17 Pässe, den Scramble und einen Sack auf dem Konto, ehe Buffalo unmittelbar vor der 2-Minute-Warning der ersten Hälfte den ersten designten Run spielte. Es blieb auch der einzige vor der Pause.
  • Unter dem Strich stand Buffalo am Ende bei 36 Rushing-Yards - ohne die Kneeldowns am Ende - und keinem Run über mehr als zwölf Yards. Baltimore beendete die Partie mit 150 Rushing-Yards bei 32 Runs.
  • Die Fehlschüsse von Ravens-Kicker Justin Tucker fühlten sich trotz der äußeren Umstände doch sehr ungewohnt an - und das nicht ohne Grund: Es war das erste Mal in Tuckers Karriere, dass er in einem Spiel zwei Field Goals von je unter 50 Yards verschoss.
  • Es war das erst vierte Playoff-Spiel seit der 2000er Postseason, in dem beide Teams je nicht mehr als drei Punkte zur Halbzeitpause auf dem Konto hatten.
  • Der 101-Yard-Pick-Six stellt die bisherige Playoff-Bestmarke für den längsten Interception-Return ein. Außerdem stellt es die Bestmarke für den längsten Pick Six in der gesamten Bills-Historie ein. Es war auch die erste Red-Zone-Interception in der Karriere von Lamar Jackson (bisher: 49 Touchdowns, 0 Interceptions).
  • Die Bills beenden mit dem ersten Einzug ins Championship Game seit Januar 1994 nicht nur ihre lange Durststrecke: Buffalo hat mit diesem Sieg nach 1990 und 1991 auch zum erst dritten Mal in der Franchise-Geschichte in einer Saison 15 Spiele gewonnen.

Der Star des Spiels: Stefon Diggs (Bills)

Diggs wird vermutlich noch für eine ganze Weile das Paradebeispiel dafür sein, wie ein echter Elite-Receiver die Entwicklung eines jungen Quarterbacks nach vorne katapultieren kann, und es gab mehrere Spiele in dieser Saison, in denen einen diese Erkenntnis förmlich anzuspringen schien. Die zweite Hälfte gegen Pittsburgh etwa wäre jüngst so ein Beispiel, und auch gegen die Ravens war Diggs mehrfach derjenige, den Allen nicht nur in kritischen Momenten suchte, sondern dem er auch blindlings vertraute und Bälle in seine Richtung feuerte, längst bevor Diggs seinen Cut setzte. Der Ex-Viking hat jetzt in beiden bisherigen Playoff-Spielen dieser Saison die 100-Yard-Marke geknackt. Ebenfalls erwähnenswert bei Buffalo: Die Linebacker Tremaine Edmunds und Matt Milano, die den Run exzellent verteidigten und mehrfach auch in Eins-gegen-Eins-Coverage gut hielten.

Der Flop des Spiels: Greg Roman (OC Ravens)

Hier könnte fraglos auch die Offensive Line der Ravens erwähnt werden, die ihre liebe Mühe hatte. Oder Jackson selbst, der natürlich den Pick Six hatte, aber auch darüber hinaus mehrfach den Ball viel zu lange hielt und Sacks kassierte, wenn sich kein Receiver freilief. All das ist berechtigte Kritik, und doch hätte man sich von Roman mehr Ideen gewünscht, um die Bills von ihrem Plan A abzubringen. Mehr Deep Shots und Screens aus Play Action, um die Blitz-Aggressivität runter zu schrauben. Mehr designte schnelle Pässe. Mehr Jet Sweeps und dergleichen, um die Bills mehr in die Breite zu ziehen. Generell mehr Vielfalt und mehr Flexibilität im Passing Game. All das fehlte.

Analyse: Bills vs. Ravens - die Taktiktafel

  • Buffalo hatte absolut keine Angst davor, von den Ravens tief geschlagen zu werden. In der ersten Hälfte blitzten die Bills Jackson vor dem finalen Hurry-Up-Drive bei fast 60 Prozent (!) seiner Dropbacks, eine enorme Quote. Jackson beendete die Partie mit einer Blitz-Quote von 48 Prozent gegen sich. Dabei variierten die Bills sehr gut, mal kam ein Linebacker, dann wieder ein Cornerback.
  • Und gegen den Run brachten sie regelmäßig einen Safety Post-Snap in die Box. Baltimore bestrafte das viel zu selten, im Gegenteil, die Blitzer kamen oft durch und sorgten für große Probleme, weil Jackson den Ball ewig hielt, während sich kein Receiver freilief und es in puncto Play-Designs keine Antworten gab.
  • Generell war es spannend zu sehen, auf welche Art die Bills offenbar bevorzugt den Run verteidigen wollten. Buffalo stellte selten nur die Line of Scrimmage zu, agierte eher mit einer 4-Men-Line gegen den Run. Das Ziel war es dann eher, dahinter die Linebacker und häufig noch einen Safety mit dem Play-Flow gehen zu lassen, um zu verhindern, dass die Ravens mit ihrer Explosivität aufs zweite und dritte Level der Defense durchbrechen. Das klappte häufig sehr gut, während die Edge-Verteidiger sehr diszipliniert ihre Edges hielten und Jackson teilweise bei Zone-Reads noch reinlegen konnten.

  • Das spiegelte sich auch im Personnel wider. Buffalo nutzte in der Regular Season kaum sein Base Personnel - gegen die Ravens spielten sie lange kaum etwas anderes wenn die Ravens zwei oder mehr Running Backs aufboten.
  • Auch die Ravens waren sehr vielseitig in ihren Pass-Rush-Paketen, und generell in der Defense. Die Ravens variierten ihre Formationen immer wieder und versuchten so die Protection zu beschäftigen, nur um dann eine Seite der Offensive Line zu überladen. Und sie verschoben auch die Safeties immer wieder Post-Snap, um Allen dazu zu bringen, den Ball länger zu halten. Was Baltimore im Gegensatz zu den Bills aber auffallend wenig versuchte, war der Blitz: Die Blitz-Quote von 22 Prozent war der niedrigste Wert für die Ravens in einer ersten Hälfte dieser Saison.
  • Die Bills blieben unbeirrt bei ihrem Kurs und kamen so auch zu mehr Big Plays als Baltimore. Buffalo ging häufig in Spread- und Spread-Empty-Formationen, um so die Defense in die Breite zu ziehen und Allen möglichst klare Reads vor dem Snap zu geben. Im Laufe der Partie nutzten sie dann auch mehr Run Pass Options. Selbst als die Bills am Ende ihre Führung verwalten wollten, blieben sie beim Passspiel.

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