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NFL Thanksgiving Games: Warum spielen jedes Jahr die Detroit Lions und die Dallas Cowboys?

Von Jan Dafeld

Die Thanksgiving Games stehen vor der Tür, auch in diesem Jahr finden an dem Feiertag wieder drei NFL-Spiele statt. Doch warum warum spielen die Detroit Lions jedes Jahr? Warum haben auch die Dallas Cowboys immer wieder Heimrecht? Und woher kommt die gesamte Tradition überhaupt?

SPOX beantwortet die wichtigsten Fragen.

Woher kommt die Football-Tradition an Thanksgiving?

Die Tradition, an Thanksgiving Football zu spielen, geht mittlerweile deutlich mehr als 100 Jahre zurück. Das erste Zeugnis eines Football-Spiels an Thanksgiving ist auf das Jahr 1876 datiert, also unmittelbar nach dem ersten Football-Spiel überhaupt, in dem das Regelbuch dem der heutigen Zeit allenfalls oberflächlich glich.

Sowohl die Universitäten von Yale und Princeton als auch die von Michigan spielten Ende des 19. Jahrhunderts jährlich an dem Feiertag. Der Grund dafür ist simpel: Die Menschen hatten frei, nicht allzu viel zu tun und konnten eine Ablenkung von ihrem sonstigen Alltag somit einfach gut gebrauchen. Da bot sich der Besuch eines Football-Spiels natürlich an.

Dass die NFL diese Tradition bei ihrer Gründung im Jahr 1920 übernahm, dürfte also nur wenig verwundern. Tatsächlich fanden damals noch deutlich mehr Spiele als heute an dem nationalen Feiertag statt. Unter anderem spielten die Chicago Bears, die Chicago Cardinals und die New York Giants jährlich an Thanksgiving.

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Warum spielen die Detroit Lions jedes Jahr an Thanksgiving?

Die Ursprünge für die Tradition der Lions unterscheidet sich nicht wirklich von der der anderen Teams: Auch Detroit wollte sich die Vorzüge von Thanksgiving zunutze machen und möglichst viele (neue) Fans an diesem Tag zu seinen Spielen locken. Bereits die Tigers, Panthers und Wolverines, die vor den Lions in Detroit ansässig gewesenen Football-Teams, hatten diese Tradition gepflegt.

Die besondere Stellung der Lions geht auf ihren Besitzer George A. Richards zurück. Richards war unter anderem Besitzer des heute noch existenten Radiosenders WJR, der Teil von NBC Blue (heute ABC) war. Diese besondere Konstellation ermöglichte es Richards, ein Abkommen mit NBC auszuhandeln, laut dem der Radio- und TV-Gigant die Spiele der Lions live auf 96 Sendern im ganzen Land übertragen sollte.

Dieser Vertrag verschaffte den Lions an Thanksgiving einen enormen Reichweiten- und Popularitäts-Schub, den das Team auch bitter nötig hatte: Vor Richards' Thanksgiving-Coup betrug der Zuschauer-Rekord für ein Spiel der relativ jungen Franchise gerade mal 15.000 Zuschauer, das erste Thanksgiving-Spiel gegen die Bears war mit 26.000 Fans dann gleich ausverkauft. Als nach der Unterbrechung während des Zweiten Weltkriegs der Thanksgiving-Spielbetrieb wieder aufgenommen wurde, fand zunächst nur das Lions-Heimspiel als Fixpunkt an dem Feiertag statt. Die Tradition manifestierte sich.

Der Sonderstatus der Lions war allerdings nicht immer gänzlich unangefochten. Besonders im Anschluss an die katastrophale Saison 2008, in der Detroit alle 16 Spiele verlor und an Thanksgiving mit 10:47 gegen die Tennessee Titans unterging, wurde das Heimrecht der Lions kontrovers diskutiert.

Durch Matthew Stafford und Ndamukong Suh wurde das Team in den Saisons darauf allerdings wieder konkurrenzfähiger und konnte 2011 schließlich auch seine mehr als zehn Jahre andauernde Playoff-Durststrecke beenden. Das 2006 geschaffene dritte Thanksgiving-Spiel half zudem, andere Teams, die selbst in den Genuss eines Auftritts an dem Feiertag kommen wollten, zu beschwichtigen.

In diesem Jahr treffen die Lions um 18.30 Uhr auf die Chicago Bears. Das Spiel könnt ihr live auf DAZN verfolgen.

Warum spielen die Dallas Cowboys jedes Jahr an Thanksgiving?

Inspiriert vom enormen Marketing-Erfolg der Lions, wollten es die Cowboys der Franchise aus Michigan im Jahr 1966, nur sechs Jahre nach ihrer Gründung, gleichtun. Dass das Thanksgiving-Spiel auch in Texas so gut angenommen werden würde, galt allerdings als alles andere als sicher. Die NFL erklärte sich sogar bereit, den Cowboys eine gewisse Summe als Einnahme zu garantieren, falls einfach keine Fans zu dem Spiel auftauchen sollten.

Doch Cowboys-GM Tex Schramm, der zuvor bereits als "Erfinder" der Cowboys-Cheerleader ein gutes Gespür dafür bewiesen hatte, was beim Publikum gut ankommen würde, war sich seiner Sache sicher - und sollte Recht behalten. Dallas' erster Thanksgiving-Auftritt war ein voller Erfolg, mehr als 80.000 Fans kamen ins Stadion, die Cowboys stellten einen neuen Zuschauerrekord auf und gewannen das Spiel gegen die Cleveland Browns obendrein noch mit 26:14.

1975 und 1977 mussten die Cowboys ihr Heimrecht am Feiertag allerdings nochmal abgeben und nach St. Louis reisen. Angesichts der Zuschauermassen in Detroit und Dallas meldeten auch die Cardinals Interesse an einem Thanksgiving-Heimspiel an. Das Problem: Mit Dallas hatte sich die Franchise den falschen Gegenspieler ausgesucht. Die Cowboys gewannen nicht nur die drei direkten Thanksgiving-Duelle zwischen 1975 und 1977 allesamt, durch NFC Championships 1975 und 1977 sowie den Super-Bowl-Sieg 1977 stieg die Franchise aus Texas obendrein zu einem der populärsten Teams des Landes auf.

Als Commissioner Pete Rozelle die Cowboys 1978 daher darum bat, wieder als Gastgeber eines Spiels zu fungieren, forderte das Team sein Thanksgiving-Heimrecht ein - und zwar für immer! Die Liga kam der Forderung nach, sodass seit 1978 in jedem Jahr an Thanksgiving das frühe Spiel in Detroit und das zweite Spiel in Dallas ausgetragen wird.

Dieses Jahr empfangen die Cowboys um 22.30 Uhr die Buffalo Bills.

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Warum gibt es drei Spiele an Thanksgiving?

Die ganz kurze Antwort: Um das Potenzial von Thanksgiving noch besser auszunutzen! Die Vorteile von Thanksgiving-Football sind für die NFL jedes Jahr in Form von Zuschauerzahlen und Einschaltquoten zu erkennen, 2006 fasste man schließlich den Entschluss, sich diesen Vorteil durch ein drittes, in der Nacht stattfindendes, Spiel zunutze zu machen und aus sechs Stunden Football am Stück bis zu zwölf Stunden zu machen.

Darüber hinaus war die NFL in der Auswahl der beiden Mannschaften für das dritte Spiel völlig frei, während die Lions aufgrund von TV-Vertragsregularien in jedem Jahr gegen ein AFC-Team spielen mussten und die Cowboys gegen eine Mannschaft aus der NFC. Das erleichterte der Liga das Erstellen eines reizvollen Thanksgiving-Spielplans.

In den vergangenen Jahren wurden die Hürden in den TV-Verträgen allerdings nach und nach abgebaut. Seit 2018 dürfen an Thanksgiving so viele Teams aus jeder Conference zum Einsatz kommen, wie es der Liga beliebt - einzig die Lions und die Cowboys müssen (natürlich) nach wie vor als Heim-Teams mit dabei sein.

2019 treffen im Spiel am Freitag um 2.20 Uhr die Atlanta Falcons auf die New Orleans Saints.

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