NFL

Third and Long Week 6: Rams in der Krise - was stimmt nicht bei den Pats?

Von Adrian Franke

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Chiefs, Patriots-Offense, Eagles - Niners Favorit? Eure Fragen

Demi, Jan-Philipp Gosdzick und Ste Ros: Kann den 49ers in der NFC überhaupt jemand gefährlich werden? Selbst die Rams haben ja offensichtlich keinerlei Lösungen für die Defense gefunden. Was fehlt den 49ers noch zu einem Spitzenteam? Hältst du es für möglich, dass es die 49ers bis in die Divisional Round oder sogar noch weiter schaffen?

Für mich bleiben die Saints das Top-Team in der NFC. Um es überspitzt zu formulieren: Die Saints spielen in der Summe aktuell ähnlich gut wie die Niners - und bekommen ihren Hall-of-Fame-Quarterback spätestens nach der Bye-Week zurück.

Will sagen: Beide Teams haben exzellente Defenses und scheinen hier - ich sage bewusst "scheinen", weil wir gerade bei Defensiv-Prognosen vorsichtig sein sollten - in ihrer Entwicklung deutlich weiter zu sein, als man das vor der Saison vielleicht antizipiert hatte. Beide Teams haben zudem extrem gute offensive Play-Caller, starke Offensive Lines und gefährliche Waffen.

Doch wie immer kommt es auf den Quarterback zurück. Nach wie vor habe ich bei den 49ers den Eindruck, dass die Offense am zuverlässigsten funktioniert, wenn sie den Quarterback bestmöglichst verstecken kann. Das ist einerseits gut, weil es für die Play-Designs, für den Play-Caller, für die Offensive Line und für die Waffen spricht. Andererseits ist es auch ein Spiel mit dem Feuer, da man, wenn man wirklich oben angreifen will, früher oder später Spiele gegen starke Gegner gewinnen muss, bei denen der Quarterback dominiert.

Ich will nicht sagen, dass Garoppolo das nicht kann - nur bislang zumindest zeigt er es in dem Maße nicht. Bei den Saints wissen wir, dass Brees dazu in der Lage ist. Trotzdem sehe ich San Francisco aktuell als Playoff-Team und auch als ein Team, das in der Wildcard-Runde definitiv gewinnen kann - wenn man es nicht sogar auf eine First-Round-Bye schafft.

Chris Hook: Muss man sich um die Chiefs Sorgen machen? Zweite Niederlage in Folge (und das zuhause) gegen zwar gute, aber sicher nicht unschlagbare Gegner. Und woran liegt es? Verletzungen? Hill beispielsweise war ja wieder da.

Um die Chiefs-Defense muss man sich Sorgen machen.

Beide Niederlagen hatten ein gemeinsames Thema: Man konnte wieder und wieder lange gegnerische Drives einfach nicht stoppen. Houston hatte sechs Drives über zehn oder mehr Plays und war das nächste Team, das im Run Game wenige Probleme gegen KC machte. Vor allem aber machten die Texans im Passspiel, was sie wollten, hatten immer wieder kritische Pässe für First Downs sowie natürlich auch die Big Plays hier; dazu kamen mehrere fallengelassene Watson-Touchdown-Pässe, insbesondere durch Will Fuller.

Wir wussten, dass Kansas Citys Defense nicht gut sein würde - wenn sie konstant so schlecht ist wie über die letzten beiden Spiele, dann wird das ein Problem sein, das die Chiefs, so gut die Offense auch ist, am Ende die Saison kosten wird. Wir können über Inkonstanz der Defense, der größeren Stabilität der Passing Offense und dem unterschiedlichen Wert dieser beider Dinge so viel reden, wie wir wollen - wenn ein Part so anfällig ist, wie es bei der Chiefs-Defense der Fall zu sein scheint, muss man diese Baustellen zumindest halbwegs schließen.

Was die Chiefs-Offense angeht, da mache ich mir noch keine Sorgen. Man merkt, dass Mahomes nicht bei 100 Prozent ist und die Offense, das ist mir beim nochmaligen Anschauen des Texans-Spiel erneut aufgefallen, scheint häufiger einfach ein paar Inches daneben zu sein. Hier und da fehlt ein halbes Yard, Andy Reid coachte gegen Houston auch merkwürdig konservativ, was sich aber alles einfach einpendeln kann.

Reids Play Designs, Mahomes' Talent und die Waffen in dieser Offense sind viel zu gut, als dass sich Spiele wie gegen die Colts oder jetzt nach dem ersten Viertel gegen Houston häufiger wiederholen sollten. Auch Dinge wie der Fumble von Mahomes, der zu Houstons Punkten direkt vor der Halbzeitpause führte, ist uncharakteristisch und könnte mit seiner mangelnden Beweglichkeit zusammenhängen.

Da kommt das Thema wackligen Pass-Protection in Kombination mit Mahomes' eingeschränkter Beweglichkeit ins Spiel - Mahomes hat über die letzten drei Spiele bei 12,5 Prozent seiner Dropbacks einen Hit eingesteckt; in den drei Spielen davor lag diese Quote bei 6,8 Prozent.

Das Problem für die Chiefs ist eben, dass mit dieser Defense keine Verschnaufpausen für die Offense möglich sind. KC führte am Sonntag nach dem ersten Viertel 17:3 und lag zur Halbzeitpause dennoch hinten. Teams bewegen den Ball gegen die Chiefs einfach über weite Strecken mühelos. Man kann in der heutigen NFL immer gewinnen, wenn man eine Elite-Offense hat; aber die muss dann eben auch Woche für Woche und Viertel für Viertel auf diesem hohen Level spielen, wenn die eigene Defense abgesehen von gelegentlichen Turnovern permanent das Feld runter gejagt wird.

dieb4um: Was ist mit der Patriots-Offense los? Liegt es an der löchrigen Offensive Line? Sony Michel und dem Run Game? Den Wide Receivern? Das Play-Calling von Josh McDaniels? Oder doch an Tom Brady?

Ja!

Es ist in meinen Augen tatsächlich eine dieser Situationen, in der all diese Dinge eine Rolle spielen. Die Offensive Line ist nach einer dominanten Vorsaison auch infolge der Verletzungen ins Liga-Mittelmaß abgerutscht; Brady wird den Ball auch deshalb schon extrem schnell los, doch obwohl er den Ball bei nur 42 Prozent seiner Dropbacks 2,5 Sekunden oder länger hält, hat er hier bereits neun Sacks kassiert.

Brady muss den Ball also noch schneller loswerden, gelingt das nicht, kommt die Offense schnell in Probleme; gleichzeitig sehen wir auch von Brady selbst vor allem gegen Pressure Fehler in einer Frequenz, die von ihm einfach ungewohnt ist. Hier kommen also bereits mehrere Faktoren zusammen, die sich dann noch gegenseitig multiplizieren.

Und dann muss man auch die Verletzungen mit einberechnen. Gegen die Giants war New England über Teile des Spiels zu bestimmten Personnel-Groupings gezwungen, weil neben den Spielern, die generell ausgefallen waren, weitere Verletzungen dazu kamen.

Die Patriots waren über Jahre eine Offense, die bevorzugt aus 21- und 12-Personnel gearbeitet hat - die 12-Personnel-Sets, also mit zwei Tight Ends, sind ohne Gronkowski fast verschwunden, hier findet also auch eine Umstellung ab. Mit Jakob Johnson haben sie jetzt schon ihren zweiten Fullback auf IR setzen müssen. New England kann viel mit den Running Backs machen, doch fehlen einfach die vertikaleren, verlässlichen Pass-Optionen und auch das Wide Receiver Corps kann das (noch?) nicht auffangen.

Es würde mich deshalb auch nicht wundern, wenn die Pats wirklich noch für einen Wide Receiver traden würden, nachdem das Experiment mit Antonio Brown krachend gescheitert ist. Aber es war natürlich kein Zufall, dass New England Brown trotz allem, was um ihn im Vorfeld passiert war, verpflichtet hat und, als die Probleme sich direkt fortsetzten, zunächst an ihm festhielt. Die Pats haben das ebenfalls als Schwachstelle ausgemacht, und daran hat sich nichts geändert. Viel könnte davon abhängen, wie weit N'Keal Harry nach seiner Verletzung schon ist.

Hendrik, LenScholz und Tim Stadtherr: Wie hoch sollte die Schmerzgrenze der Eagles bei einem möglichen Ramsey-Trade liegen? Wer wäre abgesehen von Ramsey für einen normalen Preis gut zu holen?

Fangen wir mit dem offensichtlichen Aspekt an: Die Eagles sind unter Howie Roseman ein aggressives Team, das weiß, dass der Kader in vielen Bereichen - Offensive Line, Defensive Line, Quarterback, offensive Waffen - im Titelfenster ist; ein Titelfenster, das mit dieser Secondary allerdings geschlossen bleibt.

Zu wichtig ist es in der NFL, dass man den Pass verteidigen kann. Die Eagles, das können wir nach sechs Wochen sagen, können das nicht. Nur 6,9 Prozent von Cousins' Pässen am Sonntag kamen in enge Fenster (Verteidiger beim Pass maximal ein Yard vom Receiver entfernt), der drittniedrigste Wert der Woche. Philly hatte keine Cornerbacks, die Diggs und Thielen Eins-gegen-Eins verteidigen konnten.

Der andere offensichtliche Aspekt: Jalen Ramsey wäre die Antwort für diese Defense. Ja, die Jaguars haben öffentlich erklärt, dass sie Ramsey nicht traden wollen - aber wir alle wissen, wie viel so eine Team-Aussage wert ist, wenn plötzlich das Angebot rein kommt, auf das man gewartet hat. Jags-Besitzer Shad Khan prognostizierte auch, dass Ramsey gegen die Saints wieder spielen wird - was er bekanntermaßen nicht tat.

Wenn man all diese Punkte zusammenführt, stehen unter dem Strich zwei Fragen: Was wäre das Angebot, das die Jaguars schwach werden lässt - und sind die Eagles bereit, sich von derartigen Draft-Ressourcen zu trennen?

Meine Meinung: Zwei Erstrunden-Picks als Verhandlungsbasis. Das wäre der Preis, den ich als Team bereit wäre, für Ramsey zu bezahlen und der Preis, bei dem ich anstelle der Jaguars zumindest über einen Trade nachdenken würde, falls Ramsey nach wie vor unbedingt weg will.

Und die Alternativen? Man könnte es bei Denvers Chris Harris oder Arizonas Patrick Peterson versuchen; doch beide Teams haben gerade zwei Spiele in Folge gewonnen und von den Cardinals wissen wir über ESPN-Insider Adam Schefter, dass alle jüngst eingegangen Anfragen abgelehnt wurden. Miami mit seinem Kader-Kahlschlag wäre womöglich bereit, Xavien Howard gehen zu lassen - doch auch der wäre nicht günstig und kommt bereits mit einem teuren Vertrag, zudem ist er noch deutlich inkonstanter als die anderen Kandidaten.

Und eine Premium-Lösung müsste es schon sein. Andernfalls hätte der neue Corner nicht die Wirkung auf die Eagles-Defense, die Philly braucht, um wirklich einen Hebel umzulegen.

Tobias: Wie sieht die Zukunft von Kyle Allen aus, wenn Cam Newton wieder fit ist?

Was ich denke, was passieren wird? Ich vermute, dass die Panthers vorerst geduldig sind, nach außen auch kommunizieren, dass man Newton auf keinen Fall vorschnell zurückholen will und so weiter - zumindest, so lange das Team mit Allen konkurrenzfähig ist und Spiele gewinnt. Sobald diese Serie reißt, wird dann der Wechsel eher früher als später durchgeführt.

Und ich denke nach wie vor, dass das passieren wird. Allen hatte ein sehr gutes Spiel, gleich zum Auftakt gegen Arizona, und war in London gegen die Bucs solide - das allerdings sind auch zwei der schlechtesten Secondaries der Liga aktuell. Dazwischen lagen zwei sehr schlechte Spiele.

Allen hat große Probleme in der Pocket, er ist - abgesehen von einigen durchaus sehenswerten Pässen - stark auf Sicherheit bedacht und ist somit maximal ein Game Manager, der mit seinen Fumbles aber gleichzeitig Turnover-Gefahr mitbringt. Newton, das sollten wir nicht vergessen, ist mehr als das.

Mit Allen aktuell läuft die Offense besser als mit einem angeschlagenen Cam Newton - wenn Newton wieder bei 100 Prozent ist, besteht für mich aber kein Zweifel daran, dass er die bessere Quarterback-Option für die Panthers ist.

Burton77767: Mariota, Winston etc.: Die QB-Klasse war ja echt sehr bescheiden - wie viele QB-Starter sehen wir nächstes Jahr aus diesem Draft und wen?

Um hier zum Abschluss den Bogen zum Anfang zu schlagen: Ich glaube, dass Winston 2020 irgendwo startet, die Frage wird sein, ob das in Tampa Bay der Fall ist. Ich sehe ihn vor Mariota und ich vermute, dass Teams sich von den High-End-Möglichkeiten überzeugen lassen.

Mariota ist in meinen Augen 2020, und vielleicht auch langfristig darüber hinaus, ein Backup-Kandidat, der sich im Idealfall nochmal empfehlen kann. Auch er wird ein Team finden, das allerdings wird nicht Tennessee sein. Vielleicht holt sein Ex-Coordinator Matt LaFleur ihn hinter Rodgers nach Green Bay? Solche Szenarien halte ich für denkbar.

Ansonsten wird aus dem Jahr keiner der anderen Quarterbacks (Garrett Grayson, Sean Mannion, Bryce Petty, Brett Hundley, Trevor Siemian) in der NFL nochmal ein fester Starter werden.

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