NFL

Kommentar zu Antonio Brown und den Raiders: Oakland muss die Reißleine ziehen

Von Adrian Franke

Die Antonio-Brown-Saga in Oakland wird mehr und mehr richtig hässlich. Nachdem der Wide Receiver bereits mit seinem Gefrierbrand an den Füßen und der langwierigen Helm-Saga die Schlagzeilen geprägt hat, ist er jetzt zu weit gegangen. Das darf aus Raiders-Sicht nicht ohne Konsequenzen bleiben. Ein Kommentar von SPOX-Redakteur Adrian Franke.

Browns Verhalten in den vergangenen Wochen, insbesondere sein jetzt berichteter Ausraster gegenüber Geschäftsführer Mike Mayock, öffnet für die Raiders eine neue Tür: Oakland könnte damit genügend Argumente haben, um Brown vor dem ersten Saisonspiel zu suspendieren - wodurch sein diesjähriges Gehalt nicht direkt garantiert wäre - und die gesamten Garantien in Browns Vertrag in Höhe von 30 Millionen Dollar für ungültig zu erklären.

Der Wide Receiver könnte damit ohne Dead Cap oder andere finanzielle Probleme entlassen werden.

Und genau das sollte Oakland machen.

Ein neues Raiders-Team

Die Raiders wollen ein neues Team mit einer neuen Identität und Kultur aufbauen, sportlich und mit Blick auf den Charakter gesehen. Es soll das Team werden, das den Stempel von Jon Gruden - und inzwischen auch Mike Mayock - trägt. Auch deshalb haben sie mit Khalil Mack und Amari Cooper die beiden besten Spieler abgegeben, bevor sie sie bezahlen mussten.

Und sie wollten unbedingt, dass dieser Weg mit Brown funktioniert. Er sollte der Spieler sein, der den langfristig angelegten Umbruch unter Gruden beschleunigt und die Offense auch kurzfristig explosiver macht. Deshalb haben sie ihn aus Pittsburgh geholt, ihm 30 Millionen Dollar garantiert gegeben und ihm in seinem aberwitzigen Kampf gegen die NFL und deren Helm-Sicherheitsbestimmungen (!) in Person von Jon Gruden mehrfach öffentlich den Rücken gestärkt.

Doch eine Franchise darf sich nicht derart von einem Spieler öffentlich vorführen lassen, egal wie talentiert er ist. Deshalb ließ Mayock, nachdem Brown das Team Mitte August abermals verlassen hatte, seine Ansage - Brown müsse sich entscheiden, ob er "all in" oder "all out" ist - auch medienwirksam via Social Media verbreiten.

Brown kam zurück - und schwänzte unmittelbar danach den morgendlichen Walkthrough vor dem Preseason-Spiel gegen Green Bay. Es folgte die Veröffentlichung der Raiders-Straf-Ankündigung sowie der kolportierte Eklat inklusive einer Drohung gegenüber Mayock.

Welchen Präzedenzfall schaffen die Raiders?

Brown stellt sich öffentlich über das Team, er ignoriert die Regeln und die Ansagen seiner Chefs und ist unberechenbar geworden. Für alle Beteiligten. Wie soll man damit eine neue, möglichst langfristig greifende Kultur installieren? Welches Bild von Gruden und Mayock würde in den Köpfen insbesondere der jungen Spieler entstehen, wenn Brown mit dieser Offseason am Ende einfach davonkommt?

Zu einem gewissen Grad kann man den Raiders sicher vorwerfen, dass sie ja wussten, worauf sie sich einlassen. Es hatte schließlich seine Gründe, dass die Steelers ihn unbedingt loswerden wollten, und nicht wenige dieser Gründe waren weithin bekannt, weil sie sich ebenfalls in der Öffentlichkeit abgespielt haben.

Sicher, die Raiders haben schon jetzt viel Zeit und viel Öffentlichkeitsarbeit investiert, um das Brown-Experiment funktionieren zu lassen. Doch darf das kein Grund sein, um zwanghaft weiter an ihm festzuhalten, mit der Hoffnung im Kopf, dass sich das schon legen wird, wenn er erst einmal spielt und man ein paar Spiele gewonnen hat.

Oakland Raiders: Zeit für ein Statement

Man muss keine großen Worte darüber verlieren, dass die Raiders 2019 mit Brown auf dem Feld sportlich betrachtet besser wären. Aber zu welchem Preis? Um vielleicht sieben statt fünf Spiele zu gewinnen? Es ist nur eine Frage der Zeit, wann das nächste Problem kommt; weil er zu wenige Targets erhält, weil die Raiders zu viele Spiele verlieren, weil er erneut mit Mayock aneinander gerät oder vielleicht auch, weil er sich auf Social Media nicht zurückhalten kann. Er ist zu diesem Zeitpunkt eine tickende Zeitbombe für die Franchise.

Die Raiders haben kein alterndes Team, das sich auf einen letzten Super-Bowl-Run vorbereitet und perspektivisch vor einem Umbruch steht. Die Raiders sind mittendrin im Umbruch, mit einem Head Coach, der einen Zehnjahresvertrag unterschrieben hat und mit einer Strategie, die darauf aufgebaut ist, langfristig um junge Spieler herum einen neuen Kern zu formen. Sie können es sich nicht leisten, dass Antonio Brown - so gut er als Spieler ist - nachhaltigen Schaden anrichtet, indem er die entscheidenden Autoritätspersonen untergräbt und die Kultur der Franchise vergiftet.

Kultur, interne Wahrnehmung, Auswirkungen auf junge Spieler, der Effekt von Autoritätspersonen - diese Faktoren sind schwer greifbar, weil man sie nicht mittels Tape-Studium, statistischer Analyse oder irgendetwas, das zumindest ansatzweise handfest greifbar wäre, be- und auswerten kann. Aber sie sind relevant, und umso mehr, wenn man sich in der Phase befindet, in der die Raiders als Franchise aktuell sind: Noch früh im Umbruch, mit dem Umzug nach Las Vegas vor der Brust.

Einen Charakter wie Antonio Brown kann man in dieser Phase nicht nur nicht gebrauchen; er ist so kontraproduktiv, dass die Nachteile abseits des Platzes die Vorteile auf dem Platz überwiegen. Die Raiders haben das jetzt zu Genüge erfahren und sollten hier die Grenze ziehen. Keine Sonderbehandlung für einen Spieler, der sein Strike-Limit schon vor dem ersten Spieltag ausgeschöpft hat und bei dem in dieser Hinsicht kein Ende in Sicht ist.

Wenn Gruden und die Raiders wirklich eine neue Identität aufbauen und die Tür in eine neue Zukunft aufstoßen wollen, dann ist es jetzt an der Zeit für ein konsequentes Statement. Denn dieser Neustart, das ist klar geworden, muss ohne Antonio Brown stattfinden.

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