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NFL: Quarterback Alexander Honig im Interview: "Warum sollte man einem deutschen QB vertrauen?"

Von Adrian Franke

Alexander Honig gilt als das große deutsche Quarterback-Talent, der 17-Jährige bekam gerade erst von mehreren großen Colleges Stipendien angeboten und hat sich jüngst für TCU entschieden. Zunächst aber wird er noch bei den Schwäbisch Hall Unicorns weiterspielen, gleichzeitig bereitet er sich auf seine 2021 startende College-Karriere vor.

Im SPOX-Interview spricht er über diesen Auswahlprozess und die damit einhergehende jahrelange Vorbereitung, über die Chancen, die er sich selbst einräumt und über sein Treffen mit Jim Harbaugh, der sich selbst ein Bild von Honigs Händen machen musste.

Guten Morgen Herr Honig! Frisch zurück aus den USA - ist der Jetlag noch da, oder geht es schon wieder?

Alexander Honig: Ein bisschen, dadurch, dass ich es hier durchgezogen habe und so spät ins Bett bin, weil hier ja noch Ferien sind. (lacht) Dadurch habe ich den Jetlag noch nicht komplett raus geschlafen, ich bin auch gerade eben erst um halb 11 aufgestanden.

In den Ferien geht das ja zum Glück gut. Zunächst mal: Herzlichen Glückwunsch zum angenommenen Stipendium bei TCU!

Honig: Dankeschön!

Wie lief denn dieser ganze Prozess ab? Wie lange waren Sie in den USA, wie kann man sich die Workouts und Schulbesuche vorstellen? Anders gesagt: Wie liefen die letzten Wochen?

Honig: Ich war im Juni schonmal in den Staaten, da habe ich an Camps teilgenommen und vorgespielt, da konnten Coaches zuschauen und mich bewerten. Jetzt war ich nochmal eine Woche in Texas, und eigentlich wollte ich da nur für das Baylor-Camp hin, die hatten sehr großes Interesse gezeigt. Ich habe vor Ort Texas A&M besucht und anschließend auch TCU, zwei Tage darauf wollte ich dann zu Baylor. TCU hatte auch ein Camp, ich wollte da aber nicht zu viel machen, damit meine Beine fit sind für Baylor. Deshalb habe ich nur ein paar Quarterback-Drills gemacht und ein paar Wurfeinheiten, Eins-gegen-Eins mit Wide Receiver und Defensive Back. Also kein 40-Yard-Sprint, kein Weit- oder Hochsprung, nichts davon, damit ich mich ein bisschen schone. Dementsprechend hatte ich da auch nicht viel erwartet.

Und dann kam trotzdem das Angebot?

Honig: Ja, offenbar waren diese Einheiten so gut, dass ich am Tag darauf nochmal Kontakt mit dem Quarterback-Coach hatte, der mir gesagt hat, dass ich ein Angebot bekomme. Das hat natürlich den Druck von dem Baylor-Camp etwas rausgenommen, mit dem Angebot von TCU. Und Baylor lief anschließend auch gut, dort habe ich ebenfalls ein Angebot bekommen.

Wie häufig waren Sie damit jetzt insgesamt in den USA, um sich bei Camps vorzustellen?

Honig: Da muss ich kurz überlegen. 2017 war ich im Juni drüben, da finden generell die meisten Camps statt, das ist die Recruiting-Phase. 2018 nochmal im Juni, 2019 im Januar bei der All-American Combine, dann im Juni wieder, und jetzt Ende Juli nochmal in Texas.

Das heißt, das erste Mal waren Sie bereits mit 15 Jahren für ein Camp in den USA?

Honig: Ja genau, ich war relativ jung bei meinem ersten Camp.

Haben einzelne Scouts Sie auch wiedererkannt? Also nehmen die Scouts Weiterentwicklungen wahr oder ist das jedes Mal ein ganz neues Publikum?

Honig: Allzu viele haben sich nicht daran erinnert, dass ich im Jahr davor da war. Da sind natürlich sehr viele Jungs dabei und teilweise sind es auch unterschiedliche Camps. Aber sie waren jedes Jahr überrascht, wie groß ich für mein Alter bin und so konnte ich ein wenig herausstechen. In den vergangenen Jahren, als ich noch jünger war, haben mir viele gesagt, dass sie mir auf Twitter folgen und wir so schon in Kontakt kommen. Dieses Jahr, mit 17, wurde es ernsthafter und lief letztlich ja auch darauf hinaus, dass sie eine Entscheidung treffen müssen, ob sie mir ein Angebot machen oder nicht.

Wie haben Sie sich denn ursprünglich für diese ganzen Camps und all das angemeldet? Ich habe gesehen, dass Sie Highlight-Tapes hochgeladen haben, aber wie kamen diese Kontakte generell überhaupt zustande?

Honig: Highlight-Tapes sind ganz wichtig, ja. Die muss man auch immer wieder auffrischen. Durch PPI (PPI Recruits, ein Scouting-Service für Football-Spieler aus Europa, d. Red.) hatte ich da viel Hilfe, um mir einfach einen Namen zu machen. Der Quarterback-Coach von TCU hat jetzt konkret von mir gehört, als ich im Juni Videos auf Twitter gepostet habe; ich hatte von meinen Camp-Besuchen etwas zusammengeschnitten. Den Post hat jemand geteilt, dem er selbst auch folgt, dann hat er sich das Video angeschaut und war interessiert, danach ist er mir ebenfalls gefolgt.

Eigentlich ja wirklich verrückt - da spielt dann "zur richtigen Zeit am richtigen Ort" eine gar nicht unwesentliche Rolle.

Honig: Ein bisschen Glück spielt mit rein, ja. Aber wenn man das mit den Highlight-Videos regelmäßig macht - im Endeffekt haben die Recruiter ja keine andere Aufgabe als Highlight-Videos zu suchen und mögliche Talente zu finden. So kommt man dann irgendwie immer rein, aber klar: als Europäer ist es echt schwer, da brauchst du dieses Glück auch. Man spielt nicht in der Nähe der Schulen, man ist einfach nicht auf deren Listen. Man muss es irgendwie schaffen, deren Aufmerksamkeit zu bekommen, und da sind die Videos ein sehr guter Weg, genau wie PPI. Aber ich hatte jetzt auch einfach Glück, dass er das Video gesehen hat. Am Ende ist es ja gut gelaufen. (lacht)

Ich weiß nicht, wie offen Sie da sein dürfen, aber von welchen anderen Colleges hatten Sie am Ende noch Angebote?

Honig: Also ich hatte zwei 100-Prozent-Stipendien von UMass und Baylor. Andere haben Interesse gezeigt, da wäre vielleicht noch etwas passiert. Aber ich hatte die drei offiziellen vollen Stipendien von Baylor, TCU und UMass, und das hat mir auch gereicht. Ich wollte einfach nur ein Angebot, das für mich passt, mit dem ich zufrieden bin und dann kann ich ja mein Ding machen. Mir war es aber auch nicht wichtig, dass ich bei allen Schulen, bei denen ich bin, ein Angebot bekomme und am Ende möglichst viele Angebote habe. Das bringt einem letztlich ja auch nichts.

Was hat denn im Endeffekt den Ausschlag für TCU gegeben?

Honig: Es waren mehrere Sachen. Ich habe jetzt schon relativ früh zugesagt, was aber auch daran liegt, dass ich Quarterback spiele; auf der Position wollen die Schulen es oft schon möglichst früh geklärt haben, wer da kommt. Dann kommt der Europa-Faktor noch dazu. Man muss sich das so vorstellen: Die Amerikaner haben jetzt ihre Saison, die High-School-Camps haben am 1. August bekommen. Das bedeutet, dass sie über den Herbst und Winter nochmal von Scouts und Trainern beobachtet werden - und das ist bei mir eben nicht der Fall. Ich bin jetzt wieder hier in Deutschland, wieder "abgeschottet", wenn man so will, und könnte erst wieder nächsten Juli rüber fliegen und mich zeigen. So lange wollte ich nicht warten, das wäre mir etwas zu spät gewesen. Da war ich natürlich froh, dass ich die Angebote jetzt hatte. Baylor und TCU sind beides sehr schöne Schulen, man merkt auch, dass Football in Texas einfach nochmal eine größere Nummer ist. Beide sind schön, beide sind akademisch gut. Aber rein vom Football her hat es mir bei TCU besser gefallen. Der Trainer hat perfekt mit mir die Übungen gemacht, die Drills waren wirklich super. Er hatte auch wahnsinnig viel Enthusiasmus dabei, das hat sich einfach besser angefühlt, am Ende ist das ja auch eine Bauchentscheidung. Ich glaube, dass das perfekt zu mir passt. TCU ist nicht so groß, dass ich kaum eine Chance auf Spielzeit hätte, aber groß genug, dass ich mir Spielzeit trotzdem erarbeiten muss.

Und gute Gegner, das ist ja auch immer wichtig ...

Honig: ... ganz genau, die Big 12 ist eine super Conference mit Oklahoma, Texas, Baylor, West Virginia - da sind wirklich starke Schulen mit dabei.

Ich habe von zwei interessanten Begegnungen Ihrerseits mit Coaches im Rahmen der Football Camps gelesen: Einmal Jim Harbaugh in Michigan - war es tatsächlich so, dass er nicht geglaubt hat, dass Ihre Hände so groß sind?

Honig: Während wir die Drills hatten, hat er irgendwie erfahren, dass meine Hände so groß sind und ist dann zwischendrin auf mich zugekommen; ja, das war tatsächlich so. Wir haben dann über den Tag auch ein wenig gesprochen, mit Jim Harbaugh hatte ich mehrfach Kontakt und war auch häufiger in Michigan. Bei dem Camp war natürlich viel los, aber wir konnten uns ab und zu austauschen. Das war ganz schön, für mich war es das erste Mal, dass ich ein Treffen mit einem so großen Coach hatte - es war schon irgendwie auch verrückt. Das war 2017, als es in Michigan gerade noch den großen Hype um ihn gab, ich hatte mitbekommen, wie er nach Michigan gegangen ist. Insofern war es auch etwas surreal. Aber man merkt einfach, wie riesig Football in den USA ist, allein wie viele Leute zu den Spielen kommen; und dann über diese Camps mal mitten drin zu sein und so einem Trainer die Hand zu schütteln, ist dann schon auch etwas Besonderes.

Das wird für Sie vermutlich generell eine ziemliche Umstellung, oder? Ich hatte auf ein paar Videos Highlights Ihrer Spiele bei Schwäbisch Hall gesehen, und hätte geschätzt, dass da ein paar hundert Zuschauer waren?

Honig: Ja genau, das kommt hin. Mehr sind es nicht.

... und TCU hat wie viele Zuschauer im Stadion? 70.000? Ist das etwas, was einen manchmal kurz zusammenzucken lässt? Oder blendet man das im Spiel sowieso aus?

Honig: 50.000 Plätze sind es bei TCU, ja. Ich glaube, das ist genau der richtige Ausdruck: Während man spielt, blendet man es aus. Aber wenn man an der Seitenlinie steht, kann man daraus Motivation ziehen und es auch genießen. Das wird mich auf keinen Fall negativ beeinflussen.

Seite 1: Honig über College-Camps, Angebote und Jim Harbaughs Handvergleich

Seite 2: Honig über den Manning-Mentor, Playbooks und Football in Deutschland

Seite 3: Honig über neue Offenses und das wichtigste Quarterback-Attribut

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