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NBA - Uwe Blab im Interview: "Es war mir gar nicht bewusst, dass Jordan weniger Punkte hatte als ich"

Von Robert Arndt

Die Stuhl-Episode war in Ihrem Senior Year. Gehen wir aber noch einmal ein paar Monate zurück, als Sie bei March Madness North Carolina schlugen.

Blab: Das ist definitiv eines der Highlights meiner Karriere. Ich habe damals auch einen Wurf von Michael Jordan geblockt. Aber es war ja nicht nur Jordan. Neben MJ spielten mit Kenny Smith, Brad Daugherty und Sam Perkins drei weitere spätere gute NBA-Spieler und UNC war damals ein Top-Seed. Das war eine riesige Nummer, dass wir sie damals schlagen konnten.

Wie groß war denn damals der Hype um Jordan? Klar, er war noch nicht in der NBA, hatte aber auch schon einen Gamewinner im Championship Game auf dem Konto.

Blab: Es ging uns damals gar nicht so sehr um Jordan. Wie schon erwähnt, sie hatten so viele gute Spieler und Jordan bei weitem noch nicht die Strahlkraft wie später. Klar, er war einer der besten College-Spieler, aber er stach nicht so sehr heraus als DER eine Star. Das kam dann erst in der NBA.

Haben Sie sich den Boxscore dennoch eingerahmt? Bei Ihnen standen am Ende 16 Punkte, Jordan machte nur 13.

Blab: Das habe ich nicht. Ich wusste, dass ich 16 Punkte gemacht hatte, aber lange Zeit war mir gar nicht bewusst, dass er weniger gescort hatte. Sie sind nicht der erste Journalist, der mich genau auf diesen Umstand anspricht.

Ein paar Monate später lief es dann anders herum. Bei Olympia verloren Sie mit Deutschland im Viertelfinale gegen Jordan und Co. - an der Seitenlinie der Amerikaner stand ein gewisser Bobby Knight.

Blab: Das war schon lustig, aber wir wussten, dass wir da keine Chance haben würden ...

Am Ende verloren sie aber nur mit -11, es war der knappste Sieg der USA bei diesen Spielen.

Blab: Ach wirklich? Ich dachte, es wären über 20 gewesen, aber solche Details vergisst man eben mit der Zeit. Ich erinnere mich aber schon, dass wir eines unserer besten Spiele gemacht haben. Es war aber nicht nur Bobby Knight, den ich kannte, sondern auch mein Mitspieler Steve Alford. Knight hat mich dann damit aufgezogen, als ich wieder bei Indiana war. Nicht, weil wir verloren hatten, sondern wegen meines Spiels. "Im Sommer ist dir wohl dein Hakenwurf verloren gegangen. Anscheinend trainierst du den da drüber gar nicht", meinte er zu mir.

Und hatte er recht?

Blab: Es könnte schon sein. Der Hakenwurf war keine Sache, die ich in der Nationalmannschaft häufiger gemacht habe.

Nach Olympia stand Ihr letztes College-Jahr auf dem Plan. Schielten Sie damals schon ein wenig in Richtung NBA?

Blab: Schon ein wenig. Einige Experten, die sich mit dem Draft auskannten, hatten vermutet, dass ich eine Chance haben würde. Ich habe mir dann einen Agenten geholt, weil ich selbst kannte mich damit nicht aus. Ich hatte keine Ahnung, wo ich landen würde und war davon ausgegangen, dass ich irgendwo in der zweiten Runde gezogen werde. Am Ende hatte ich Glück und Dallas nahm mich an Position 17.

Wie war denn damals der Draft-Prozess? Heute ist das ja beinahe eine Wissenschaft für sich. Haben Sie für Teams vorgespielt oder im Vorfeld mit Teams gesprochen?

Blab: Das gab es überhaupt nicht, zumindest nicht in meinem Fall. Vielleicht war das bei anderen Spielern so, das weiß ich aber nicht. Bei mir war das komplizierter, weil ich in jedem Sommer bei der Nationalmannschaft war. Das war 1985 in meinem Draft-Jahr nicht anders. Zusammen mit Detlef (Schrempf, Anm. d. Red.), der im gleichen Jahr wie ich gedraftet wurde, waren wir zum Zeitpunkt des Drafts in Frankreich bei einem Qualifikationsturnier. Ich habe die Veranstaltung gar nicht mitbekommen und unser Coach hat Detlef und mich im Training zur Seite genommen und uns erzählt, was passiert ist.

Was wussten Sie denn zu diesem Zeitpunkt von der NBA?

Blab: Ich hatte mich auf dem College damit nicht beschäftigt und als ich als Jugendlicher in die USA ging, wusste ich noch viel weniger von der NBA. Bis ich 13 Jahre alt war, kannte ich Basketball überhaupt nicht. Das kam erst durch meine Schwester und einen Film, dessen Name ich nicht mehr weiß, in dem ich den Sport zum ersten Mal sah. In den USA erzählte mir jemand von einem Kareem Abdul-Jabbar und ich wunderte mich eigentlich nur, was für ein komischer Name das ist.

© getty
Joe Kleine war für Uwe Blab stets ein unangenehmer Gegenspieler.

Nach dem ersten Sky Hook gegen Sie dürfte der Name schließlich kleben geblieben sein ...

Blab: Das stimmt, wobei man dazu sagen muss, dass der Sky Hook nicht mehr so wichtig war, als ich gegen ihn gespielt habe. Entweder er traf ihn oder eben nicht. Sein Passspiel war zu diesem Zeitpunkt seine größte Stärke, er war da auch schon fast 40 Jahre alt. Wenn man ihn dann gedoppelt hat, machte er immer einen guten Pass.

Kommen wir zurück zum Draft und einem weiteren Zufall. Detlef Schrempf wurde ebenfalls von den Mavs ausgewählt und zwar an Position 8. Hat es das für sie beide leichter gemacht, sich an die NBA zu gewöhnen?

Blab: Natürlich hat das geholfen. Ich kannte Detlef immerhin schon, aber wir wurden sehr schnell von den Mavericks integriert. Wir hatten damals tolle Spieler wie Mark Aguirre, Rolando Blackman, Brad Davis, Derek Harper oder Sam Perkins. Dazu passte es auch menschlich, deswegen war das gar nicht so wichtig, dass neben mir ein Landsmann im Kader war.

Dallas galt damals als aufstrebendes Team, das auch um die Meisterschaft mitspielte. Sie selbst sahen in vier Jahren nur durchschnittlich 10 Minuten pro Spiel. Hätten Sie sich womöglich gewünscht, lieber von einem anderen Team gedraftet worden zu sein?

Blab: Hin und wieder hatte ich solche Gedanken, aber wir hatten Erfolg und das ist auch wichtig. Später habe ich für die Golden State Warriors gespielt und mehr Einsatzzeiten bekommen, aber ich bereue es ganz und gar nicht, dass ich damals in Dallas gelandet bin.

Seite 1: Blab über Recruiting im Biergarten, einen Korb für Coach K und den Stuhl

Seite 2: Blab über den Sieg gegen Jordan und Kareems Sky Hook

Seite 3: Blab über Training mit David Robinson und Assistant Coach Popovich

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