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NBA - Oscar da Silva von Alba Berlin im Interview: "Kann verstehen, dass die Fans böse auf mich sind"

Von Philipp Jakob

© imago images

Zurück zu Ihnen: Nach vier Jahren in Stanford endete Ihre College-Zeit in diesem Frühjahr. Konnten Sie Ihre letzten beiden Saisons in Corona-Zeiten überhaupt genießen?

da Silva: Definitiv, die letzte Saison hat trotz Corona viel Spaß gemacht. Wir sind als Team noch enger zusammengewachsen - es gab ja ansonsten nicht viel zu tun, entsprechend haben wir viel Zeit miteinander verbracht. Zwischenzeitlich haben wir einen Monat lang in einem Hotel gelebt, da bei uns am Campus Sport verboten war. Das war eine spannende Zeit. Leider haben wir das NCAA-Turnier verpasst. Ich fand aber, wir haben gezeigt, dass wir dort hingehört hätten.

Sie haben nun ein abgeschlossenes Biologiestudium mit den Schwerpunkten Biochemie und Biophysik in der Tasche. Haben Sie vor, das Thema nach Ihrer aktiven Karriere in beruflicher Hinsicht wieder aufzugreifen?

da Silva: So ist der Plan. Ich würde irgendwann gerne wieder im Medizinbereich arbeiten. Aber bis dahin ist noch Zeit.

Oscar da Silva über seinen kontroversen Wechsel zu Alba Berlin

Nun steht erst einmal die BBL im Fokus. Kurz nach dem Saisonstart haben Sie bei Alba Berlin unterschrieben, Ihr Wechsel aus Ludwigsburg verlief äußerst kontrovers, offenbar gab es unterschiedliche Interpretationen bezüglich Ihrer Ausstiegsklausel. Beim Abschlusstraining vor dem Saisonauftakt waren Sie noch dabei, beim Spiel gegen die Hamburg Towers dann aber nicht mehr. Können Sie uns die Umstände Ihres Wechsels aus Ihrer Sicht genauer erklären?

da Silva: Das einzig Schwierige an dem Wechsel war der Zeitpunkt so kurz vor dem ersten Spieltag. Ich kann verstehen, dass die Fans böse auf mich sind. Aber gleichzeitig bin ich nicht der Meinung, dass ich etwas falsch gemacht habe. Ich habe im Rahmen meines Vertrags gehandelt und ein Angebot angenommen, das mir eine neue Perspektive und die Chance, EuroLeague zu spielen, geboten hat. Aus meiner ganz persönlichen Sicht habe ich richtig gehandelt.

Ihr ehemaliger Coach in Ludwigsburg, John Patrick, sagte nach dem Saisonauftakt gegen Hamburg: "Er ist einfach abgehauen. So etwas habe ich noch nie gesehen." Wie haben Sie reagiert, als Sie diese Aussage gehört haben?

da Silva: Ehrlich gesagt, habe ich mich damit nicht auseinandergesetzt. Ich habe die Interviews von ihm oder Alexander Reil (Vorsitzender der MHP Riesen Ludwigsburg, Anm. d. Red.) nicht gelesen.

© getty
Oscar da Silva wechselte erst kurz nach dem Saisonstart zu Alba Berlin.

Alba-Big Oscar da Silva: "Diese Darstellung ist nicht richtig"

Sie sagen, Sie können den Unmut der Fans verstehen. Bereuen Sie es, wie der Wechsel abgelaufen ist?

da Silva: Ich habe kein schlechtes Gewissen. Ich habe mich von den Jungs verabschiedet, ich habe auch mit Patrick das Gespräch gesucht, aber von Ludwigsburger Seite wurde es im Nachhinein ein bisschen so dargestellt, als wäre ich gegangen, ohne irgendwem etwas zu sagen. Diese Darstellung ist nicht richtig. Aber das Thema ist jetzt abgeschlossen und da muss ich nicht nachtreten oder nochmal alles aufwühlen.

Hatten Sie nach dem Wechsel nochmal Kontakt mit Patrick oder einem der Verantwortlichen in Ludwigsburg oder ist das Thema für Sie abgehakt?

da Silva: Das Thema ist für mich abgehakt.

Werfen wir einen Blick auf Ihren jetzigen Arbeitgeber. Warum wollten sie unbedingt zu Alba?

da Silva: Die EuroLeague war natürlich ein großer Faktor. Hinzu kommt, dass Alba eine tolle Organisation ist, angefangen bei Sportdirektor Himar Ojeda und Geschäftsführer Marco Baldi. Charakterlich sind das hier sehr feine Jungs, es macht Spaß, mit ihnen zusammenzuspielen. Ich denke, ich passe auch in sportlicher Hinsicht ganz gut ins Konzept.

Wie sehen Sie Ihre Rolle im Team? Eigentlich ist Ihre angestammte Position die des Power Forwards, aufgrund von zahlreichen Verletzungssorgen im Frontcourt, unter anderem fehlen Ben Lammers, Johannes Thiemann oder Christ Koumadje, mussten Sie zuletzt häufig auf Center aushelfen.

da Silva: Ich spiele gerne weiter außen, das ist richtig. Aber ich sehe auch, dass ich Vorteile auf der Fünf mitbringe, gerade im Pick'n'Roll. Langfristig sehe ich mich aber eher auf einer Außenposition. Aufgrund der Verletzungen ist aktuell etwas Not am Mann - ansonsten wäre mein Wechsel nach Berlin auch gar nicht zustande gekommen. Von daher möchte ich keine Ansprüche stellen, sondern spiele die Rolle, die die Mannschaft von mir verlangt. Von Luke Sikma oder Thiemann kann ich noch sehr viel lernen, was das Spiel auf der Vier angeht. Ich hoffe, dass ich dort früher oder später wieder mehr Minuten sehe.

Oscar da Silva bei Alba Berlin: "Das Ziel ist klar: Titel gewinnen"

In der neuen BBL-Saison hinkt der Titelverteidiger den Erwartungen hinterher. Von den ersten sechs Spielen gingen gleich drei verloren. Es ist noch sehr früh, aber machen Sie sich Sorgen um die Saison?

da Silva: Keine Frage, das können wir noch umbiegen. Es stimmt schon, der Saisonstart war durchwachsen, die Verletzungen haben da sicherlich eine Rolle gespielt. Da ich erst nach dem Saisonstart zum Team gestoßen bin, muss ich mich auch noch mit meinen neuen Kollegen einfinden. Nichtsdestotrotz müssen wir in der BBL zusehen, dass wir ein paar Spiele gewinnen. Playoffs, Finale, Meisterschaft - das ist unser Anspruch, daran hat sich nichts geändert.

In der EuroLeague steht Alba bei drei Siegen aus den ersten acht Spielen. Mit den Playoffs wird es schwierig.

da Silva: Auf europäischer Ebene können wir die Spiele mit etwas weniger Druck angehen. Wir sind das jüngste Team im Wettbewerb, vor allem nachdem ein paar erfahrene Spieler ausgefallen sind. In der EuroLeague ist es einfach wichtig, immer unser bestes Spiel abzurufen, dann kommen die Erfolge von ganz allein.

Langfristig gesehen: Was wollen Sie mit Alba erreichen? Sie haben in Berlin immerhin einen Dreijahresvertrag unterschrieben.

da Silva: Das Ziel ist klar: Titel gewinnen. In erster Linie in Deutschland, aber perspektivisch möchte ich mit Alba auch in der EuroLeague den nächsten Schritt machen, damit wir uns im Playoff-Feld etablieren können.

Für Sie persönlich wäre ein weiterer logischer Schritt in Richtung Nationalmannschaft. Bisher sind Sie nur für die deutsche Junioren- und A2-Nationalmannschaft aufgelaufen. Machen Sie sich Hoffnungen auf einen Anruf vom neuen Bundestrainer Gordon Herbert?

da Silva: Natürlich würde ich mich riesig freuen, wenn ich für die A-Nationalmannschaft berufen werde. Mit der EuroLeague und dem engen Terminkalender ist es allerdings schwieriger, die Fenster außerhalb des Sommers wahrzunehmen. Außerdem habe ich seit September letzten Jahres keine wirkliche Pause gehabt. Für mich überwiegt dennoch die Hoffnung, lieber früher als später für die Nationalmannschaft zu spielen.

Und lieber früher als später würden Sie sich sicherlich gerne den Traum von der NBA verwirklichen. Ist in Ihrem aktuellen Vertrag bei Alba eine Ausstiegsklausel inkludiert? Also könnten Sie den Sprung in die USA wagen, sollte sich eine Türe öffnen?

da Silva: Ja, die gibt es. Die NBA bleibt mein großes Ziel, diese Option war entsprechend wichtig für mich. Falls ein Team Interesse hat, will ich die Möglichkeit haben, diese Chance wahrzunehmen. Wenn sich die NBA meldet, könnte ich im Sommer wechseln.

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