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NBA - Cognac in der Halbzeitpause, Massenschlägerei mit Fans: Wie Ron Artest seine Dämonen besiegte und zum Champion wurde

Von Philipp Jakob

© getty

Ron Artest: Cognac in der Halbzeit und frühes Karriereende?

Angefangen mit dem Draft 1999, als die Knicks auf das New Yorker Urgestein verzichteten. Der Grund: Artest verpasste ein Workout, weil er am Abend zuvor zu hart gefeiert hatte, wie er später selbst verriet. In Chicago, die Bulls wählten den Forward an 16. Stelle, bewarb er sich als Rookie bei einem Elektronikfachgeschäft, um Rabatte auf Computer zu bekommen.

Während seiner Zeit bei den Bulls gönnte er sich in Halbzeitpausen immer mal wieder einen Cognac, den er in seinem Spind versteckt hatte. Auch das gab er selbst zu. 2003 zerstörte er nach einer knappen Niederlage im Madison Square Garden aus Frust einen Monitor und eine Kamera. Zu Beginn der Saison 2004/05, wenige Wochen vor Malice at the Palace, bat er die Pacers angeblich um eine Auszeit, um ein Rap-Album zu promoten.

"Alles, was die Leute gesagt haben, war wahr", so Artest später über seinen damaligen Ruf bei den Fans und in den Medien. "Ich komme von der Straße, aus der Hood. Es gab da kein Missverständnis, die Frage war nur: Könnt ihr das akzeptieren? Ich liebe es, wo ich herkomme. Ich hatte eine Mutter und einen Vater, bis ich 13 Jahre alt war. Dann haben sie sich getrennt und für mich ging es emotional bergab."

Schon zu Beginn seiner Karriere hatte Artest mit Depressionen, Angstzuständen und Aggressionsstörungen zu kämpfen. Bereits 2004, nach gerade einmal fünf Jahren in der Liga, dachte er an ein vorzeitiges Karriereende, um der Emotions-Achterbahn namens NBA zu entfliehen. Artest machte weiter - nur nicht in Indiana.

Ron Artest nach Malice at the Palace: "Druck war zu groß"

"Mein Indiana-Trikot wurde in meinem schlimmsten Moment im Fernsehen gezeigt. Als ich es trug, wollte ich mich verstecken. Ich wollte nie wieder im Indiana-Trikot spielen. Der Druck war zu groß", erklärte Artest in der Netflix-Doku "Untold: Malice at the Palace". Er absolvierte nach seiner Sperre nur noch 16 Spiele für die Pacers, bevor er einen Trade forderte. Doch seine Teamkollegen fühlten sich verraten.

Bei all den Eskapaden geriet der Spieler Ron Artest dabei fast in Vergessenheit. Zu seinen besten Zeiten war er nicht nur ein ekliger Verteidiger, wie vier All-Defensive-Nominierungen und der DPOY-Award in der Saison 2003/04 belegen, sondern auch ein hervorragender Scorer. Eine echte Bedrohung an beiden Enden des Courts.

Bei seiner nächsten Station, den Sacramento Kings, knackte er über die komplette Saison die 20-Punkte-Marke, in insgesamt sieben Spielzeiten legte er mindestens 15 Zähler pro Partie auf. Nach Zwischenstopps bei den Kings und Rockets landete er schließlich in Los Angeles. An der Seite von Kobe Bryant gelang ihm 2010 mit den Lakers das, was den Pacers verwehrt blieb: der Gewinn der Championship.

Artest selbst spielte dabei eine tragende Rolle. Einerseits mit seiner immer noch hervorragenden Defense, andererseits mit wichtigen Buckets genau zur richtigen Zeit. Sein Gamewinner in Spiel 5 der West-Finals gegen die Suns nach einem Kobe-Airball ist da zu nennen. Oder auch sein Dreier eine Minute vor dem Ende von Spiel 7 der Finals gegen die Boston Celtics, der den Titel quasi eintütete.

NBA: Die Karrierestatistiken von Ron Artest

TeamSaisonsG / MINPunkteReboundsAssistsFG%3FG%
Bulls3175 / 31,012,54,22,940,932,3
Pacers5193 / 34,916,55,23,042,931,2
Kings3167 / 38,418,95,93,643,134,9
Rockets169 / 35,517,15,23,340,139,9
Lakers6358 / 28,08,93,62,039,433,5
Knicks129 / 13,44,82,00,639,731,5
GESAMT17991 / 31,713,24,52,741,433,9

Ron Artest: Therapie zum Titel

Im anschließenden Interview entschuldigte er sich öffentlich bei den ehemaligen Kollegen in Indiana, die er im Stich gelassen habe. Er bedankte sich auch bei seiner Psychologin, die ihn damals schon einige Jahre begleitet und ihm durch schwere Zeiten hindurchgeholfen hatte.

Zum Beispiel, als er 2007 wegen häuslicher Gewalt zu zehn Tagen Gefängnis verurteilt wurde. Auch das gehört eben zur Geschichte von Artest. Ohne die Therapie wäre er nicht in der Position gewesen, den entscheidenden Wurf in Spiel 7 zu versenken, war sich Artest sicher.

Der Wunsch, an sich zu arbeiten und die persönlichen Probleme zu verarbeiten, spiegelte sich auch in seiner Namensänderung wider. 2011 gab er seinen neuen Namen bekannt: Metta World Peace. Metta ist ein Begriff aus dem Buddhismus und bedeutet so viel wie "Freundschaft" oder "Güte".

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An der Seite von Kobe Bryant avancierte Ron Artest (r.) bei den Los Angeles Lakers zum NBA-Champion

Ron Artest: Über Weltfrieden zu Metta Sandiford-Artest

"Ich habe meinen Namen geändert, weil ich genug von Ron Artest habe", erklärte er damals in der L.A. Times. "Und wenn die Fans sauer auf mich werden, können sie nicht sagen:' Ich hasse World Peace.'" Kurz vor einem Wechsel aus der NBA nach China, spielte er mit dem Gedanken, sich in Panda's Friend umzubenennen, mittlerweile hat er den Namen seiner Frau angenommen: Metta Sandiford-Artest.

Der einstige Raufbold wurde sogar mit dem J. Walter Kennedy Citizenship Award ausgezeichnet, der jährlich einem NBA-Spieler für besondere Verdienste in der Arbeit für die Community verliehen wird. Zudem hat er sich für zahlreiche Organisationen eingesetzt, die im Bereich mentale Gesundheit arbeiten.

Zu diesem Zweck versteigerte er seinen Championship-Ring, um Spenden zu sammeln. 650.000 Dollar kamen zusammen. Er spricht mittlerweile offen über seine Probleme, um mehr Aufmerksamkeit für das Thema Depression zu generieren.

Ron Artest aka Metta World Peace aka Metta Sandiford-Artest scheint die schlimmsten Dämonen überwunden zu haben. Nach insgesamt 17 turbulenten Jahren in der NBA, nach unglaublichen Höhen und Tiefen wäre sein Vater sicherlich stolz auf ihn.

Seite 1: Ron Artest - Die Dämonen einer schwierigen Kindheit

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