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NBA Finals - Kommentar zur Championship der Milwaukee Bucks: So wertvoll wie Dirk Nowitzkis Titel

Von Philipp Jakob

In acht Jahren hat sich Giannis Antetokounmpo von einem unbekannten Schlaks zum NBA-Champion und Finals-MVP katapultiert - nicht ohne eine Menge Widrigkeiten zu überwinden. Dass er trotz allem den Bucks treu blieb, wird mit dem größten Triumph seiner Karriere belohnt, ganz ähnlich wie bei einem anderen Europäer vor ihm. Darüber darf sich auch die Liga freuen.

Es wäre für den Greek Freak ein leichtes gewesen, einfach abzuwarten. Er hätte abwarten können, wie die Saison 2020/21 verläuft, er hätte bei einer erneuten Enttäuschung ein neues Kapitel in seiner Karriere aufschlagen können. Wahrscheinlich wäre ihm sogar niemand außerhalb von Wisconsin böse gewesen, wenn sich der angehende Free Agent alle Optionen offengelassen hätte.

Doch Giannis entschied sich in der vergangenen Offseason gegen den ständigen Unruheherd seiner nahenden Free Agency. Er entschied sich für Milwaukee, für die Bucks, für Loyalität (und für garantierte 228 Millionen Dollar über fünf Jahre). Den Großteil dieses Geldes hätte er sicherlich auch anderswo einstreichen können, doch der 26-Jährige wählte "die harte Tour".

Dirk Nowitzki stand im Laufe seiner Karriere des Öfteren vor ähnlichen Entscheidungen. Nach der Enttäuschung in den Finals 2006 und drei Erstrunden-Niederlagen in den folgenden vier Jahren hätte sich Dirkules ein Superteam suchen können, so soll beispielsweise Lakers-Legende Kobe Bryant angeklopft haben.

Doch Nowitzki blieb den Mavs treu, verlängerte im Sommer 2010 langfristig und wurde im darauffolgenden Jahr mit der Championship belohnt. So wertvoll wie Dirks Titel damals ist auch der von Giannis genau zehn Jahre später.

NBA Finals: Gewisse Parallelen bei Giannis und Dirk

Wirklich vergleichbar sind die Karrieren von Nowitzki und Antetokounmpo nicht, doch gewisse Parallelen sind zu erkennen, auch abseits des Hangs zur Loyalität. Genau wie Dirk musste der Grieche in seinen mittlerweile acht Jahren in der besten Basketballliga der Welt bereits einige Rückschläge verkraften.

Zu nennen wären die bitteren Playoff-Pleiten in den vergangenen beiden Jahren. Trotz individueller Ehrungen en masse und einer irren Entwicklung vom schlaksigen No-Name zum Franchise-Star musste sich Antetokounmpo Zweifel gefallen lassen, ob er und sein Spielstil wirklich für die Playoffs gemacht sind. Ob der zweifache Regular-Season-MVP auch auf der größten Bühne als Nummer-1-Option bestehen kann.

Trotz der kritischen Töne blieb er jedoch nicht nur seiner Franchise, sondern vor allem seinen Teamkollegen gegenüber loyal. Wann immer ein Hauch von Kritik aufkam, nahm er seine Mitspieler in Schutz, so gesehen unter anderem beim Fall Jrue Holiday in den Finals.

Antetokounmpo stellte immer die Mannschaft und den Teamerfolg an erster Stelle, er bewahrte sich bei all dem Scheinwerferlicht seine bodenständige Art gepaart mit einer Prise Humor. Er ist alles andere als ein abgehobener Star, gewisse Werte will er sich selbst gegenüber nicht verraten. Das hat sich ausgezahlt.

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NBA Finals: Kaum jemand so dominant wie Giannis

Khris Middleton als Clutch-König dieser Finals zahlte das Vertrauen seines Franchise-Stars zurück, Holiday leistete defensiv immer und offensiv zumindest in Spiel 5 einen wichtigen Beitrag. Und Giannis verstand es eben auch selbst zu dominieren, wenn es nötig war. In den vergangenen beiden Dekaden hat kein Spieler mehr eine Finals-Serie so dominiert wie Antetokounmpo.

Nur ein paar Zahlen, die dies untermauern: Er ist der einzige Spieler mit einem 50 Punkte, 10 Rebounds und 5 Blocks-Spiel in den Finals, über eine komplette Finalserie hat noch nie ein Spieler Giannis' Durchschnittswerte produziert (35,2 Punkte, 13,2 Rebounds und 5 Assists bei 61,8 Prozent FG) und drei 40/10-Spiele in den Finals hat seit Shaquille O'Neal im Jahr 2000 keiner mehr geschafft.

So stand am Ende eine der besten Finals-Performances aller Zeiten mit dem Ausrufezeichen in Spiel 6 und der Besteigung des NBA-Throns. Die Krönung Antetokounmpos und der Bucks ist aber nicht nur das Ende einer 50 Jahre andauernden Dürre in Wisconsin, sie ist gleichzeitig ein Segen für die Liga.

Bucks-Championship ein Segen für die NBA

Dass Giannis' Loyalität belohnt wurde, ist ein Signal: Es müssen nicht immer nur die Superteams sein, die die Ringe abstauben. Nicht immer nur die L.A.s, Miamis oder Golden States dieser Liga, eben auch die kleineren Märkte sind im Kampf um die Larry O'Brien Trophy nicht chancenlos. An diese Championships wird man sich aber womöglich anders erinnern.

Der Weg von Antetokounmpo ist märchenhaft, aber eben auch nicht gradlinig. Es ist die Konsequenz von harter Arbeit und der Bereitschaft, gegen Widerstände anzukämpfen. Das ist heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr mit der größeren Bedeutung der Free Agency. Den "richtigen" Weg gibt es dennoch nicht, jedem ist es erlaubt, seine eigenen Entscheidungen zu treffen, wo er spielen möchte.

Für Antetokounmpo vereint Milwaukee Heimat, Stabilität und Sicherheit - Umstände, die er aus seiner Jugend so nur bedingt kannte. Es machte ihn zu dem, was er heute ist. Ein beliebter NBA-Superstar ohne Allüren, so wie es auch Nowitzki war. Noch heute wird der Mavs-Titel 2011 immer wieder als Positiv-Beispiel hervorgehoben, mit der Bucks-Championship wird es nicht anders sein.

Einen Unterschied gibt es jedoch: Nowitzki war bereits 33 Jahre alt, Giannis kommt mit 26 Jahren gerade erst in seine Prime. Der Titel steht nun erstmal für sich - er muss jedoch nicht der Einzige bleiben.

NBA Finals, Bucks vs. Suns: Die Serie im Überblick

SpielDatumHeimAuswärtsResultat
17. JuliSunsBucks118:105
29. JuliSunsBucks118:108
312. JuliBucksSuns120:100
415. JuliBucksSuns109:103
518. JuliSunsBucks119:123
621. JuliBucksSuns105:98

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