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NBA - Milwaukee Bucks wollen erneutes Playoff-Debakel verhindern: Ein Zauberwort soll es richten

Von Philipp Jakob

In den vergangenen beiden Jahren waren die Milwaukee Bucks die dominante Kraft in der regulären Saison, doch in den Playoffs folgten teils herbe Enttäuschungen. Die Verantwortlichen scheinen aus alten Fehlern gelernt zu haben, der Kader und die Spielweise haben einen neuen Anstrich bekommen. Doch was ist bei den Bucks wirklich anders als im Vorjahr?

Schon der Start war äußerst vielversprechend. Es dauerte keine 15 Sekunden, da hatte sich Giannis Antetokounmpo im Topspiel der Eastern Conference am Sonntagabend von seiner Knöchelverletzung zurückgemeldet, eindrucksvoll mit einem Alley-Oop-Dunk über Kevin Durant. Der Beginn eines spektakulären Duells zwischen zwei der größten Stars der Liga.

Am Ende der 48 Minuten standen 42 Punkte auf der Habenseite von KD, 49 und der knappe Sieg auf dem Konto des Greek Freak sowie die Bestätigung: Ein potenzielles Matchup dieser beiden Teams in den Playoffs würde eine Menge Spektakel garantieren. Doch trotz des Erfolgs der Bucks, die Favoritenrolle würde in einem solchen Duell wohl dennoch den Nets zufallen.

Zumindest die Buchmacher in Las Vegas handeln Brooklyn Stand jetzt als Anwärter Nummer eins auf die Ost-Krone, auch das Simulationsmodell der Statistiker von FiveThirtyEight bescheinigt den Nets eine deutliche höhere Chance, der Ost-Vertreter in den Finals zu sein (29 Prozent), als den Bucks (19 Prozent) - wobei beide Teams noch deutlich hinter den Sixers gerankt werden (40 Prozent).

Die Bucks also nur die Nummer drei im Osten? Eine ungewohnte Rolle für Giannis und Co., in den vergangenen beiden Jahren war das Team aus der Bierstadt die dominante Kraft, nicht nur in der Eastern Conference, sondern in der gesamten Liga. Doch kaufen konnte man sich dafür nichts. In der Postseason riss Milwaukee die eigene Messlatte jeweils deutlich, das Aus in der zweiten Runde gegen Miami in Disney World (1-4) war besonders schmerzhaft. Nun soll dieser Makel in den Playoffs ausgemerzt werden - doch wie soll das gelingen?

Milwaukee Bucks: Der Wunsch nach Flexibilität

Untätigkeit kann man General Manager Jon Horst seit dem Bubble-Debakel im Vorjahr sicherlich nicht vorwerfen. Zunächst mit dem Blockbuster-Trade für Jrue Holiday in der Offseason und während der Saison unter anderem mit dem Deal für P.J. Tucker hat der Kader ansehnliche Upgrades erhalten.

Der Hintergedanke dabei war klar: "Wir wollen Coach (Mike Budenholzer, Anm. d. Red.) weiterhin so viele Optionen und Werkzeuge wie möglich zur Verfügung stellen, damit wir flexibel sind und uns an verschiedene Situationen anpassen und die Dinge etwas anders machen können", sagte Horst vor wenigen Wochen.

Genau das war in der Vorsaison ein Problem. Coach Bud musste in den Playoffs viel Kritik einstecken, er halte zu starr an den Ideen fest, die in der regulären Saison die Bucks zum Powerhouse gemacht hatten. Als diese Taktiken jedoch nicht mehr funktionierten, war Milwaukee aufgeschmissen.

Milwaukee Bucks: Das Zauberwort mit V

Die Erfüllung des Wunsches nach mehr Vielseitigkeit fängt bei der Personalie Holiday an. Die Bucks haben einen Teil ihrer Tiefe geopfert, um den 30-Jährigen aus New Orleans nach Wisconsin zu lotsen. Die Notwendigkeit eines Upgrades auf der Point-Guard-Position hatte Eric Bledsoe in den vorherigen Playoffs eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Gegnerische Teams konnten ihn offen stehen lassen und ihren defensiven Fokus auf Giannis legen, während Bledsoe in insgesamt drei Playoffs für die Bucks katastrophale 25,4 Prozent von Downtown versenkte.

Die bisherigen Auftritte der neuen Big Three um Antetokounmpo, Holiday und Khris Middleton versprechen Besserung. Nicht nur, weil Holiday über die Saison 38,7 Prozent aus der Distanz trifft - das entspricht genau seinem Playoff-Schnitt -, sondern generell die Offense weniger berechenbar macht, vor allem im Halbfeld, wo vergangenes Jahr der Hund begraben lag.

Der Greek Freak wird öfter als Screener für Middleton oder Holiday eingesetzt, Switches werden in solchen Situationen von Giannis' Power gegen kleinere Gegenspieler gnadenlos bestraft. Auch Pick'n'Rolls zwischen Holiday und Middleton sind äußerst gefährlich. Gleichzeitig hat Milwaukee dank Holiday nun drei starke Playmaker auf dem Court, die jeweils mehr als 5 Assists im Schnitt auflegen. Die gewonnene Flexibilität in der Offense führt zu einem elitären Net-Rating von 11,2, wenn dieses Trio gemeinsam auf dem Parkett steht.

© getty
In den Diskussionen um die diesjährigen Titelfavoriten ist es um Giannis und die Bucks bislang noch relativ ruhig.

Die Defense der Bucks: Coach Buds Experimentierstunde

Letzteres liegt aber natürlich nicht allein an der Offense. Die Bucks sind nur eines von drei Teams, die laut Cleaning the Glass jeweils eine Top-10-Platzierung sowohl beim Offensiv- als auch beim Defensiv-Rating vorweisen können (ohne Garbage Time, Utah und Phoenix sind die anderen beiden). Holiday trägt auch an diesem Ende des Courts seinen Teil bei, nicht umsonst gilt er als einer der besten Guard-Verteidiger der Liga, was am Sonntag auch Kyrie Irving feststellen musste.

Natürlich war die Defense der Bucks auch in den Vorjahren elitär, doch auch hier ist 2020/21 Variabilität das Stichwort. In der Vergangenheit vertraute Coach Bud fast ausschließlich auf eine Drop-Coverage im Pick'n'Roll, in der die Big Men absinken, um den Weg in die Zone dicht zu machen. Dieses System wurde in den Playoffs von den Miami Heat auseinandergenommen, Milwaukee fehlte eine Alternative.

In der laufenden Saison wählt Budenholzer eine deutlich experimentellere Herangehensweise. Ab und an streut er sogar eine Zonenverteidigung ein, was in den vergangenen Jahren sehr selten zu sehen war. Am auffälligsten sind aber die vermehrten Switches. Schon vor dem Trade für Tucker Mitte März hatte Milwaukee laut Second Spectrum prozentual gesehen doppelt so häufig in Pick'n'Roll-Situationen geswitcht als in der Vorsaison (bei 14 Prozent der Picks zu 6 Prozent).

Die Resultate waren anfangs durchwachsen, die Ausführung der Switches teils fehlerbehaftet. Im Laufe der Saison klappte es im Teamverbund aber immer besser, dabei half auch Tucker, mit dem die Bucks vermehrt auf Small-Ball-Lineups umstellen können. Auch Brook Lopez als klassischer Big Man ist in manchen Matchups weiterhin effektiv, dazu kommt in Person von Giannis ein hervorragender One-on-One-Verteidiger, der auch mal KD beim Jumper blocken kann.

"Wenn du Leute wie P.J., Bobby (Portis, Anm. d. Red.), Giannis oder mich hast, dann kannst du eine Menge unterschiedlicher Defensiv-Coverages spielen", erklärte Lopez gegenüber The Athletic. "Egal, was wir spielen oder wer auf dem Parkett steht, wir können eine großartige Verteidigung stellen."

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Milwaukee Bucks: Es bleiben Fragezeichen

Doch reicht das, um in den Playoffs den erhofften Schritt Richtung Finals zu machen? Fragezeichen gibt es weiterhin: Die Defense lässt ligaweit die drittmeisten Dreier zu, die die Gegner in 37,6 Prozent der Fälle verwandeln. Mehr als die Hälfte davon werden sogar als "weit offen" deklariert, je nach Matchup könnte das in den Playoffs bitter enden - noch mehr Switches aber Abhilfe schaffen.

Zudem muss der Supporting Cast um Giannis erst noch beweisen, dass er auch in der Postseason abliefern kann, wenn die Gegner womöglich eine Mauer um Giannis errichten. Nicht jeder wird Antetokounmpo im Eins-gegen-Eins verteidigen, wie es Brooklyn am Wochenende tat - und nicht immer wird Giannis dies mit seinem Jumper so eiskalt bestrafen können. Doch gerade Middleton hatte in den vergangenen Wochen eine Menge Inkonstanz in seinem Spiel.

So waren die Bucks in den Diskussionen um die Titelfavoriten nicht immer prominent vertreten und von ihren dominanten Vorjahren weit entfernt, als man zweimal das beste Team der regulären Saison stellte, Giannis zweimal den MVP-Award einstrich - und Milwaukee zweimal in Folge früher als erwartet die Koffer packen musste. Vielleicht ist genau das nun aber auch ein Vorteil.

Milwaukee Bucks: Auf Widrigkeiten vorbereitet

"Wir hatten in den vergangenen beiden Jahren so viel Erfolg in der regulären Saison, dass wir leicht aus dem Tritt gekommen sind, wenn es in den Playoffs schlecht lief. Wir waren nie in der Lage, uns zu sammeln und uns da durchzukämpfen", sagte Pat Connaughton Anfang Februar, kurz nachdem die Bucks vier von sechs Spielen verloren hatten und kurz bevor eine Fünf-Spiele-Pleitenserie folgen sollte.

Zwar hasse natürlich jeder im Team das Verlieren, "aber auf lange Sicht könnten wir in den Playoffs deshalb besser sein", war sich Connaughton damals sicher. Die Erfahrungen aus der regulären Saison sollen in der Postseason helfen, gegen eventuelle Widrigkeiten besser anzukämpfen.

Da macht es nichts, dass die Bucks wohl nicht als Spitzenreiter in die Postseason gehen, auch wenn Milwaukee im erneuten direkten Duell mit den Nets in der Nacht auf Mittwoch (ab 1.30 Uhr live auf DAZN) den Rückstand auf Platz zwei weiter verkürzen könnte. Dennoch werden Giannis und Co. in einer Serie gegen die Nets oder Sixers erstmals seit zwei Jahren wohl Außenseiterstatus haben. In Milwaukee hört man allerdings niemanden, der sich darüber beschwert.

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