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NBA - Phoenix Suns überraschen die Liga: Wie die ehemalige Lachnummer die NBA aufmischt

Von Philipp Jakob

Die Phoenix Suns sind zweifelsohne eine der größten Überraschungen der neuen NBA-Saison. Der Erfolg der zuletzt so gebeutelten Franchise ruht auf mehreren wichtigen Eckpfeilern. Doch können Devin Booker und Co. den guten Saisonstart auch bestätigen?

Die neue NBA-Saison war kaum 48 Stunden alt, da flatterte den Phoenix Suns schon die erste Negativ-Nachricht in den Briefkasten: Deandre Ayton wird von der Liga suspendiert!

Bei einem Dopingtest wurde der 21 Jahre alte Center der Suns positiv auf ein harntreibendes Mittel getestet, es folgte eine sofortige Sperre für 25 Spiele. Statt in seinem zweiten Jahr in der Association den nächsten Schritt in Richtung zweiter Franchise-Star an der Seite von Devin Booker zu machen, fehlt Ayton seinem Team für fast ein Drittel der Saison.

Diese Nachricht passte irgendwie ins Bild der Suns der vergangenen Jahre, als die Franchise von einem Fettnäpfchen ins nächste zu treten schien. Da war die Eskapade mit Eric Bledsoe ("I don't wanna be here"), zahlreiche zumindest fragwürdige Draft-Picks - und natürlich die Ziegen.

Allzu viel Zeit, um sich über die Suns lustig zu machen, blieb dem NBA-Universum dieses Mal allerdings nicht. Gut eineinhalb Wochen nach der Suspendierung von Ayton steht Phoenix mit fünf Siegen und zwei Niederlagen auf dem vierten Rang der Western Conference.

Damit dürften wohl selbst die optimistischsten Suns-Fans vor der Saison nicht gerechnet haben. Die notorischen Verlierer der jüngeren Vergangenheit (Bilanz seit 2015: 87-241), die seit 2010 auf eine Teilnahme an der Postseason warten, eilen von einem beeindruckenden Sieg zum nächsten. Nach den Clippers und Warriors waren zuletzt die Sixers fällig.

Phoenix Suns: Das Überraschungsteam der neuen Saison

Das Team aus der Stadt der brüderlichen Liebe reiste, wenn auch ohne Joel Embiid, als letztes ungeschlagenes Team der Saison 2019/20 nach Arizona. Philly kehrte als weiteres Opfer eines der Überraschungsteams der neuen Spielzeit nach Hause zurück.

Einen gewichtigen Anteil daran hatte Devin Booker. 40 Punkte standen am Ende im Boxscore hinter dem Namen des Shooting Guards. Mit einer überragenden Quote von 15 von 19 aus dem Feld und 11 Zählern im Schlussabschnitt stellte er die Sixers vor enorme Probleme, er war (wieder einmal) so richtig on fire.

"Man kann es einfach erahnen, wenn das kommt", sagte Teamkollege Tyler Johnson anschließend über die Explosion Bookers. "Ich habe schon mit einigen sehr, sehr, sehr guten Spielern, Hall of Famern, gespielt. Ich denke, dass Booker als purer Scorer der Beste ist, mit dem ich jemals zusammengespielt habe. Ich habe Dwyane Wade nicht in seiner Prime gesehen, aber ja: Booker hat echt was drauf."

Dass er ein exzellenter Scorer ist, bewies Booker in seinen bisherigen vier Jahren in der NBA zuhauf. Allerdings musste sich der 23-Jähirge immer wieder den Vorwurf gefallen lassen, er könne nur gute Statistiken in einem schlechten Team auflegen. Diese Saison beweist er in den ersten sieben Spielen das Gegenteil.

Phoenix Suns: Eine der besten Starting Fives der Liga

Der derzeitige Erfolg der Suns ist aber selbstverständlich nicht allein an Booker festzumachen. Die Neuzugänge um Ricky Rubio, Aron Baynes, Dario Saric oder auch Jevon Carter schlagen bisher allesamt ein, zudem weiß Kelly Oubre Jr. in seinem zweiten Jahr in der Wüste zu überzeugen.

Die Starting Five um Rubio, Booker, Johnson, Saric und Baynes ist derzeit eine der besten Lineups der gesamten Liga. In 75 gemeinsamen Minuten in bisher fünf Partien (15 Minuten pro Spiel) legt diese Fünf ein Net-Rating von 18,7 auf - der drittbeste Wert unter allen Lineups mit mindestens 50 Minuten Einsatzzeit.

Unter Umständen war die Suspendierung von Ayton in dieser Hinsicht sogar ein Segen. Die australische Center-Vertretung Baynes trifft nicht nur Dreier auf einem überragenden Niveau (48,4 Prozent bei 4,4 Versuchen pro Partie), womit er Platz für Drives der Kollegen schafft, sondern lässt den Ball in der Offense wunderbar rotieren. Im Gegensatz zu Ayton beansprucht Baynes nur äußerst selten den Ball im Post.

Suns-Coach Williams: 0.5-System statt 7 Seconds or Less

Diese Eigenschaft kommt der Spielidee des neuen Head Coaches Monty Williams zugute, der mit seinem sogenannten 0.5-System der Offense der Suns auf ein neues Level verholfen hat. "Entweder du wirfst, passt oder ziehst zum Korb. Du hältst den Ball nicht einfach nur. Und es muss innerhalb von 0,5 Sekunden passieren", erklärte der 48-Jährige.

Vor allem beim Ball-Movement machen sich die Ansagen von Williams positiv bemerkbar. Phoenix verteilt im Schnitt 27,7 Assists pro Spiel (Platz 2 in der NBA). 3,6 davon gehen auf das Konto von Baynes, Booker fügt weitere 5 Vorlagen pro Spiel hinzu und schließlich ist da auch noch Rubio mit durchschnittliche 8,5 Assists.

Letzterer nimmt Booker damit etwas Last von den Schultern, die der Franchise-Star in den vergangenen Jahren noch allein zu tragen hatte. Nach jahrelanger, erfolgloser Suche könnte Phoenix nun tatsächlichen den richtigen Point Guard neben Booker gefunden haben. Der Spanier hilft gleichzeitig auf der anderen Seite des Courts - genau wie Baynes, der zum jetzigen Zeitpunkt ein deutlich besserer Verteidiger ist als Ayton.

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Neuer Suns-Coach Williams: Guter Coach, großartiger Anführer

Die Suns sind derzeit eines von nur zwei Teams, dass sich sowohl in Sachen Offensiv- als auch Defensiv-Rating in der Top 10 der Liga befindet. Ein Grund dafür: Phoenix lässt die drittwenigsten gegnerischen Dreier zu, die die Konkurrenz zudem mit unterdurchschnittlichen 33,5 Prozent im Korb unterbringt.

Auch in der Defense ist der Einfluss von Williams erkennbar. Das Coaching ist für Clippers-Coach Doc Rivers deshalb auch der wichtigste Eckpfeiler des Suns-Erfolgs. "Sie haben ein paar gute Spieler geholt, aber es ist das Coaching", bekräftige er gegenüber der L.A. Times. "Monty Williams ist ein höllisch guter Coach. Und noch mehr als alles andere: Er ist ein guter Leader. Solch einen Anführer hatten sie schon lange nicht mehr."

Doch reicht das, um die gute Form über eine volle Saison zu bestätigen? Die Stichprobe ist auch nach sieben Spielen immer noch sehr klein. Zudem spricht gegen die Suns, dass aktuell 28,9 Prozent ihrer Würfe von stats.nba.com als weit offen deklariert werden, der zweithöchste Wert in der Association.

Dies dürfte sich im Laufe der Spielzeit ändern, wenn mehr Teams die Suns ernst nehmen. Immerhin hat Phoenix genau dafür zum Saisonauftakt einige Argumente geliefert, für die gebeutelte Franchise ist dies nach den vergangenen Jahren bereits als Erfolg zu werten.

Die wichtigsten Statistiken der Phoenix Suns 2019/20

BilanzOffensiv-RatingDefensiv-RatingNet-Rating
5-2 (Platz 4 im Westen)108,8 (10.)100,9 (5.)7,8 (3.)

Phoenix Suns: Der Fortschritt ist erkennbar

Im Idealfall legen die Suns 2019/20 - ab Mitte Dezember sogar wieder mit der Unterstützung des Nr.1-Picks von 2018 - eine ähnliche Überraschungssaison hin wie die Kings im Vorjahr, die den Ruf einer Lachnummer hinter sich ließen und sogar an der Postseason kratzten.

Andererseits könnte Aytons Rückkehr auch das funktionierende Teamgefüge etwas durcheinanderwirbeln. Doch selbst wenn der Erfolg nicht anhalten und am Ende wieder ein Platz im Tabellenkeller warten sollte, die Suns haben bereits jetzt einen deutlichen Schritt nach vorne und somit Hoffnung auf eine rosige Zukunft gemacht.

"Jeder ist aufgeregt, jeder ist glücklich", fasste Booker die positive Stimmung in Phoenix nach dem Sieg gegen die Sixers zusammen, um anschließend die Marschrichtung für die kommenden Spiele vorzugeben. "Ich muss einfach weitermachen." Er und die Suns sind noch lange nicht am Ziel angekommen.

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