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NBA

NBA-Legendenserie - Karl Malone: Unaufhaltsam, aber unvollendet

Von Jan Dafeld

Karl Malone: Nice or bad Guy?

Es sind nicht die ersten Schlagzeilen, die über Malone geschrieben werden. Neben seiner Arbeitseinstellung, die ihn eigentlich zum Vorbild machen sollte, bringen ihn auch immer wieder Verfehlungen auf und neben dem Platz in die Medien. Bereits während seiner College-Zeit schwängert er eine 13-jährige. Dass er der Vater ist, wird erst Jahre später öffentlich.

Es folgen zwei weitere uneheliche Kinder, 1991 verpasst er Isiah Thomas einen so heftigen Ellbogencheck, dass dieser mit vierzig Stichen genäht werden muss und ein Jahr später ist es Malone, der die Comeback-Kampagne für Magic Johnson nach dessen HIV-Erkrankung nicht mittragen will und sich öffentlich gegen eine Rückkehr des Point Guards ausspricht.

Karl Malone: Kritik als Motivation

"Karl Malone reagierte wahrscheinlich sensibler auf Kritik als jeder andere Spieler, den ich jemals beobachtet habe" stellt Tom Nissalke von Jazz Radio fest. Malone bleibt nicht immer so kühl und unabhängig, wie er es vielleicht gern getan hätte: "Es wird immer nur berichtet, was andere über mich denken und sagen, dass sie sauer auf mich sind und all so etwas. Wenn du etwas Gutes machst, dann wird darüber nie geredet."

Wer denkt, dass die negativen Stimmen aus der Liga und den Medien Malone hemmen konnten, der irrt sich jedoch. "Hast du Karl vor dem Spiel erzählt, dass er großartig ist, konntest du sehen, wie der Druck in ihm anstieg. Hast du ihm erzählt, dass er ein Niemand ist, zerstörte er dich und dein gesamtes Team", erklärte Reporter David James.

Als in der Saison 1989/1990 A.C. Green und nicht Karl Malone zum Starting Power Forward der Western Conference gewählt wird, stellt dieser im nächsten Spiel Utahs mit 61 Punkten einen neuen Teamrekord auf.

Karl Malone: Tragische Finals-Niederlagen gegen Jordans Bulls

Die Saison 1996/1997 schien die Komplettierung der Karriere von Malone werden zu können. Nach dem Gewinn der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 1996 führt er seine Jazz zum Franchise-Rekord von 64 Siegen, wird zum ersten Mal auch in das All-NBA Defensive First Team gewählt und gewinnt nach zwölf Jahren in der NBA seinen ersten MVP-Titel.

In den Playoffs führt Malone seine Jazz sogar zum ersten Conference-Titel und dem ersten Finals-Einzug der Geschichte. Doch weiter geht es nicht. Sowohl 1997 als auch 1998 verliert er mit seinen Jazz gegen Jordan und die Chicago Bulls, nimmt in den kritischen Momenten des entscheidenden Spiels sogar jeweils tragische Rollen ein.

In seiner ersten Finals-Teilnahme vergibt er die entscheidenden Freiwürfe am Ende des ersten Spiels. Ein Jahr später besiegelt sein Ballverlust gegen Michael Jordan das Schicksal der Jazz.

© imago images
Karl Malone scheiterte mit den Jazz zweimal in den Finals an Jordans Bulls.

Malone und Stockton: Das Ende einer Ära

Trotz schwindender Athletik bleibt Malone danach einer der dominantesten Spieler der Liga. Er kann sein Shooting und sein Passing weiter verbessern, sein Spiel gewinnt zudem an Finesse hinzu. Er holt noch einen MVP-Titel und wird weitere viermal All-Star, echte Chancen auf den Titel haben die Jazz trotz allem in all den folgenden Jahren nicht mehr.

Nach 19 gemeinsamen Jahren, in denen die Jazz 19-mal die Playoffs erreichen, wird das konstanteste Duo der NBA-Geschichte gesprengt. Stockton beendet seine Karriere, Malone wechselt nach Los Angeles.

Reporter Sean Deveney ist sich damals sicher: "Karl Malone hätte Kareem Abdul-Jabbars NBA-Scoring-Rekord jagen können. Er hätte in Utah bleiben und ihn sich schnappen können. Aber er wollte den NBA-Titel gewinnen."

Karl Malone: Letzter Versuch in Los Angeles

So schließt sich Malone für ein letztes Hurra den Superstars Kobe Bryant und Shaquille O'Neal bei den Lakers an. Das Team geht 2003/04 als Topfavorit in die Saison, doch dieses Kapitel in Malones Geschichte steht unter schlechten Vorzeichen.

Drei Tage nach seinem Wechsel wird Bryant wegen Vergewaltigung angezeigt. Kurz darauf stirbt Malones Mutter. Darüber hinaus kommen Kobe und Shaq nicht gut miteinander aus, Malone muss die Rolle als Leader des Teams einnehmen und zwischen den beiden Hitzköpfen vermitteln.

All der Umstände zum Trotz reicht das Talent der Lakers aus, um der Favoritenrolle zunächst gerecht zu werden. Nach 18 Siegen in 21 Regular-Season-Spielen verletzt sich Malone jedoch schwer. Ausgerechnet in Los Angeles trifft es ihn hart, nachdem er in Utah vorher in 19 Jahren nur sechs Spiele verletzungsbedingt aussetzen musste.

Karl Malone: Seine Statistiken in der NBA

SaisonTeamSpieleMinutenPunkteFG%ReboundsAssists
85/86Jazz8130,614,949,68,92,9
86/87Jazz8234,821,751,210,41,9
87/88Jazz8239,027,752,012,02,4
88/89Jazz8239,029,151,910,72,7
89/90Jazz8238,131,056,211,12,8
90/91Jazz8240,329,052,711,83,3
91/92Jazz8137,728,052,611,23,0
92/93Jazz8237,827,055,211,23,8
93/94Jazz8240,625,249,711,54,0
94/95Jazz8238,126,753,610,63,5
95/96Jazz8238,025,751,99,84,2
96/97 (MVP)Jazz8236,627,455,09,94,5
97/98Jazz8137,427,053,010,33,9
98/99 (MVP)Jazz4937,423,849,39,44,1
99/00Jazz8235,925,550,99,53,7
00/01Jazz8135,723,249,88,34,5
01/02Jazz8038,022,445,48,64,3
02/03Jazz8136,220,646,27,84,7
03/04Lakers4232,713,248,38,73,9

Karl Malone: Rücktritt von der NBA-Bühne

Malone zeigt in den Playoffs dennoch seine Qualität, vor allem defensiv ist er mehr als nur ein Mitläufer und trägt einen großen Teil dazu bei, dass Los Angeles in die Finals einziehen kann. Noch vor dem ersten Spiel gegen Detroit verletzt er sich jedoch erneut.

Vier Spiele lang beißt er mehr schlecht als recht auf die Zähne, bei der endgültigen Niederlage im fünften Spiel setzt er bereits komplett aus und kehrt nie wieder aufs NBA-Parkett zurück.

Seine Rückennummer, die 32, wird von den Jazz nicht mehr vergeben, er zieht in die Hall of Fame ein und seit Jahren steht eine große Bronzestatue von ihm, zusammen mit seinem kongenialen Partner Stockton, in Salt Lake City vor der Arena.

Es gibt genug Positives, auf das Malone heute zurückblicken kann. Die große Krönung des vielleicht besten Power Forwards in der Geschichte der NBA blieb aber aus. Wie im Kampf um die Meisterschaft mit seinen Teams reichte es auch für ihn persönlich in der Scoring-Liste der NBA am Ende nur zu Rang zwei.

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