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Tennis

US Open - Daniil Medvedev im Interview: "Ich nehme immer die 33, weil ich so ein großer Fan von Mario Gomez bin"

Von Florian Regelmann

Bayern hat einen neuen Coach seit dieser Saison. Was ist Ihr Eindruck von Julian Nagelsmann?

Medvedev: Ich bin total begeistert, dass er der neue Bayern-Coach geworden ist. Ich habe seine Karriere von Anfang an verfolgt, angefangen von seiner Zeit in Hoffenheim, als er mit 28 Jahren schon Cheftrainer geworden ist. Das ist so verrückt. Mein Fitnesscoach hat früher selbst Fußball gespielt in der vierten Liga in Frankreich. Mit ihm habe ich mich über Nagelsmann unterhalten, weil er meinte, dass es in Frankreich unmöglich wäre, so früh Chefcoach eines Klubs in der ersten Liga zu werden. Nagelsmann hat in Hoffenheim einen unglaublichen Job gemacht. Er hat Spieler gefunden und gefördert - und sie zu Superstars geformt. Auch in Leipzig hat man gesehen, was er drauf hat. Mir gefällt seine Art, Fußball spielen zu lassen und ich freue mich einfach, dass er hoffentlich lange bei Bayern bleibt und eine Ära prägen kann.

Das große Ziel der Bayern neben der Meisterschaft ist natürlich immer die Champions League. Jetzt gibt es aber in Paris ein Team, das mit Messi, Neymar und Mbappe auflaufen wird - sollte Mbappe nicht noch wechseln.

Medvedev: Das ist unfassbar. Ich bin ehrlich: Paris ist nicht so weit weg von meinem Zuhause in Monaco, ich werde auf jeden Fall ein paar Trips in den Prinzenpark planen. Ich muss diese drei Jungs zusammen spielen sehen, ich muss! Oder wenn sie mit PSG nach Monaco kommen natürlich. Aber trotzdem kann Bayern auch PSG mit Messi, Neymar und Mbappe schlagen. In der Champions League ist alles möglich. Wer hätte in der vergangenen Saison zu Beginn auf Chelsea als späteren Sieger getippt? Niemand! Und am Ende haben die Blues das Ding sogar in überragender Manier und verdient gewonnen. Abgesehen von Real unter Zidane hat es kein Verein geschafft, die Champions League zweimal in Folge zu gewinnen - das macht diesen Wettbewerb so reizvoll.

"Dummerweise war ich immer richtig mies in der Abwehr"

Jeder will jetzt wahrscheinlich mit PSG auf FIFA spielen. Sie haben früher auch viel gezockt.

Medvedev: Das stimmt. Ich war sogar sehr gut, bis ich so 17, 18 Jahre alt war. Dann habe ich angefangen, meine Tenniskarriere etwas professioneller anzugehen und mehr Turniere zu spielen. Aber davor war ich auf dem gleichen Level unterwegs wie die besten FIFA-Spieler in Russland. Ich war auf dem gleichen Niveau wie ein Typ, der jetzt glaube ich dreifacher FIFA-Champion in Russland ist. Es hat so viel Spaß gemacht. Nachdem ich fünf oder sechs Jahre gar nicht mehr gespielt habe, habe ich in diesem Jahr mal wieder die Playstation angeschmissen. Überragend war ich nicht, das muss ich sagen, ich wäre gerne etwas besser gewesen, aber es war okay. Ich habe Ultimate Team gespielt, ich habe mich immer in der Liga gehalten und meine Bilanz war ziemlich gut - ein bisschen zocken kann ich noch. (lacht)

Wenn Sie Fußballer geworden wären, was für ein Spieler wären Sie?

Medvedev: Das ist eine gute Frage, aber auch eine schwierige. Ich glaube nicht, dass ich viel Erfolg gehabt hätte als Fußballer. Alleine wegen meiner Größe hätte ich wohl ein starker Innenverteidiger werden sollen, das wäre in der Theorie einfach gewesen für mich. Dummerweise war ich immer richtig mies in der Abwehr. Ich habe keine Ahnung, warum das so war, aber irgendwie fehlt mir das Gefühl für die Verteidigung. Deshalb wäre ich vielleicht eher wie Artem Dzyuba. Er hat die meisten Tore für die russische Nationalmannschaft geschossen in der Geschichte, er ist ein großer Spieler bei uns. Leute, die sich im Sport nicht auskennen, würden sagen, dass er gar nichts kann, aber er schießt am laufenden Band Tore. So ähnlich wäre ich vielleicht. Keinen Plan haben auf dem Feld, aber richtig stehen und irgendwie den Ball im Tor unterbringen.

Wenn Sie Sportdirektor eines Vereins wären und das Budget hätten, um jeden Spieler der Welt kaufen zu können, für wen würden Sie sich entscheiden?

Medvedev: Ich würde gar nicht einen Spieler für 100 Millionen kaufen wollen. Mir würde es viel mehr Spaß machen, einen 18-Jährigen in irgendeiner zweiten Liga irgendwo auf der Welt auszugraben und zu sehen, wie sich so ein Junge eines Tages zu einem Superstar entwickelt. Das muss doch richtig cool sein. Und wenn er nicht schon für Bayern spielen würde, dann würde ich Serge Gnabry kaufen. Einfach nur deshalb, weil ich seinen Torjubel so abfeiere.

© getty
Daniil Medvedev will bei den US Open seinen ersten Grand-Slam-Titel holen.

"Schon mehr erreicht, als ich jemals gewagt hätte, zu träumen"

Im Fußball ist die Atmosphäre natürlich anders als im Tennis. Sie sind ein sehr emotionaler Spieler auf dem Court und lieben es auch, ein bisschen mit den Fans zu spielen. Wie sehr brauchen Sie die Energie der Fans, um Ihr bestes Tennis zu spielen?

Medvedev: Ich glaube, das gilt erstmal für jeden Sportler oder jeden Sport. Wir alle lieben es, die Fans auf den Rängen zu sehen und ihre Unterstützung zu hören. Wir haben in der Pandemie jetzt so viele Turniere ohne Fans erlebt und auch wenn du selbst dann immer weißt, dass sie zuhause vor dem Fernseher sitzen und du für sie gewinnen willst, ist es einfach nicht das Gleiche. Es macht so viel mehr Spaß, wenn du die Fans deinen Namen schreien hörst, wenn sie so nahe an dir dran sind. Selbst wenn sie mal gegen dich sind. Dann kannst du zu dir sagen: So, jetzt schlage ich euch alle! Wenn wir jetzt in New York wieder Night Sessions mit Fans erleben werden, ist das wahrscheinlich die Stimmung, die einer Stadionatmosphäre im Fußball am Ähnlichsten ist. New York am Abend ist einfach elektrisierend.

Ihren ersten Grand-Slam-Titel zu gewinnen, ist natürlich Ihr großes Ziel. In New York gehen Sie zusammen mit Novak Djokovic als großer Favorit an den Start. Aber was muss in den nächsten zehn Jahren passieren, damit Sie mit Ihrer Karriere zufrieden sein werden? Sind es die Grand-Slam-Titel?

Medvedev: Die Antwort auf diese Frage ist ganz leicht für mich. Ich habe nicht dieses eine Ziel, das ich unbedingt erreichen muss, damit ich am Ende nicht enttäuscht bin. Natürlich könnte ich mich jetzt hier hinsetzen und sagen, dass ich 30 Grand Slams und 55 Masters gewinnen will. Aber das ist wahrscheinlich unmöglich. Deshalb ist mein oberstes Ziel, mein Bestes zu geben - auf und auch außerhalb des Courts. Ich will so hart arbeiten, wie ich nur kann und versuchen, jedes Match zu gewinnen, sobald ich den Platz betrete. Ich habe in meiner Karriere schon mehr erreicht, als ich jemals gewagt hätte, zu träumen. Nicht falsch verstehen: Ich will noch viel mehr erreichen, das ist meine Persönlichkeit, so bin ich gestrickt. Aber das Wichtigste ist, dass ich, wenn ich den Schläger mal zur Seite lege, zu mir selbst ehrlich sagen kann: Ich habe alles gegeben und alles getan, was nur irgendwie möglich war. Jetzt schauen wir uns mal an, wofür es gereicht hat. Dann werde ich auch nichts bereuen.

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