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Tennis

Davis-Cup-Kapitän Michael Kohlmann im Interview: "Dann ist Zverev von fast keinem Spieler zu schlagen"

Von Florian Regelmann

 

Was erwarten Sie von Roger Federer?

Kohlmann: Ich bin sehr gespannt, wie er sich in dieser Woche in Halle gegen ein wirklich starkes Feld schlägt. Halle wird ein guter Indikator sein. Wenn er sich hier behaupten kann, hat er auch gute Chancen, in Wimbledon im Lauf des Turniers sich immer besser in Form zu spielen und zu einem ernsthaften Aspiranten zu werden. Er fühlt sich auf Rasen immer noch am wohlsten, spielerisch gibt es keine Fragen, es gilt die körperliche Frage zu klären, ob er sieben Runden durchhalten kann. Ich bin sehr gespannt.

Jan-Lennard Struff könnte nach starken French Open auch ein Kandidat sein, der in Wimbledon weit kommen kann.

Kohlmann: Absolut. Jan-Lennard hat in Paris ganz stark gespielt. Nicht nur im Einzel, auch im Doppel, wo er an der Seite von Robin Haase im Viertelfinale nur 6:7 im Dritten gegen die späteren Sieger Herbert/Mahut verloren und unglaublich gespielt hat. Auf Rasen ist vieles möglich, wenn man das nötige Selbstvertrauen hat. Und das hat er aktuell. Er ist in einer guten Phase. Mit seinem Aufschlag und seinem insgesamt mächtigen Spiel kann auf Rasen einiges gehen.

Bald nach Wimbledon stehen schon die Olympischen Spiele an. Tennis-Deutschland fragt sich immer noch, welche Doppel-Aufstellung der DTB wählen wird. Gibt es da schon eine Entscheidung?

Kohlmann: Nein, noch nicht. Die Gespräche laufen immer noch, auch weil es wirklich ein sehr komplexes Thema ist. Die ITF wird jetzt die vorläufige Liste fürs Einzel rausschicken und dann müssen wir nächste Woche unsere Nominierung abgeben. Ich könnte mir vorstellen, dass aus anderen Ländern ein paar Jungs nicht spielen werden - was wiederum einiges für die Doppel-Situation verändern könnte. Das Wichtigste ist: Alle sind heiß darauf, zu spielen. Alle wollen nach Tokio und nicht nur, um dabei zu sein. Alle sind voll motiviert, um Medaillen anzugreifen.

Kohlmann zum Nachwuchs: "Frankreich ist uns voraus"

Letzte Frage: In der Junioren-Konkurrenz der French Open standen vier Franzosen im Halbfinale. Wo steht der DTB aktuell im Nachwuchs?

Kohlmann: Das Positive ist, dass wir mit Max Rehberg und Mika Lipp zwei Jungs im Hauptfeld hatten, das war in den vergangenen Jahren nicht immer so. Unsere Entwicklung geht in die richtige Richtung. Aber wir müssen natürlich auch ehrlich sagen, dass uns Frankreich da momentan ein großes Stück voraus ist. Wobei man aber auch berücksichtigen muss, dass Frankreich als Grand-Slam-Nation ganz andere finanzielle Mittel zur Verfügung hat.

Meiste Slams: Nadal lässt Federer und Djokovic hinter sich

Italien hat mit Jannik Sinner und Lorenzo Musetti zwei 19-Jährige in den Top 61 der Welt. Die Spanier hoffen auf Carlos Alcaraz, er steht mit 18 schon in den Top 80.

Kohlmann: Das sind absolute Ausnahmetalente, so wie es Sascha bei uns vor einigen Jahren war. Generell ist das Durchschnittsalter der Top 100 stetig nach oben gegangen in den vergangenen Jahren. Dass jemand wie Boris damals mit 17 Wimbledon gewinnt, ist extrem schwierig geworden. Es gibt auch nie eine Garantie, dass die Top-Junioren automatisch Top-Profis werden, weil der Weg dorthin unglaublich lang ist. Die Franzosen sind seit viele Jahren top im Nachwuchs, aber wenn ich auf die Weltrangliste schaue, sehe ich Gael Monfils als besten Franzosen auf Rang 16, dann kommt Ugo Humbert auf Rang 31. Dennoch müssen wir natürlich schauen, dass wir unseren Weg weitergehen, möglichst viele Jungs in die Junioren-Bewerbe bei den Grand Slams bekommen und dass auch dort mal wieder einer von uns um den Titel mitspielt.

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