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Boxen - Culcay im Interview: "Kritik an Canelo kann ich nicht verstehen"

Von Carl Neidhardt

In der Nacht von Samstag auf Sonntag (ab 3 Uhr LIVE auf DAZN) steht in Las Vegas der WM-Vereinigungs-Kampf zwischen dem Mexikaner Saul "Canelo" Alvarez und dem US-Amerikaner Daniel Jacobs auf dem Programm. Jack Culcay, der von 2016 bis 2017 WBA-Weltmeister im Halbmittelgewicht war und seit 2018 im Mittelgewicht aktiv ist, wird den Fight als Experte bei DAZN begleiten.

Zuvor spricht "Golden Jack" im Interview mit DAZN und SPOX über die Chancen der beiden Boxer, die Schlüsselthemen und das Standing von Canelo. Außerdem äußert sich der 33-Jährige zu seiner eigenen Zukunft.

Herr Culcay, der Fight zwischen Canelo und Jacobs steht auf dem Programm. Ist das der größte Kampf der jüngeren Geschichte im Mittelgewicht?

Jack Culcay: Es ist ein großer Kampf, wenn man sieht, wie viel Gold auf dem Spiel steht. Schließlich stehen der IBO-, WBA-, WBC- und IBF-Titel auf dem Spiel. Aber qualitativ war der Kampf Canelo vs. Golovkin etwas besser und bedeutender.

Was erwarten Sie von diesem Kampf?

Culcay: Canelo wird klar gewinnen. Er ist Jacobs in Sachen Schnelligkeit und Kraft klar überlegen. Jacobs kann nach Punkten nicht gewinnen. Er muss eine gewisse Balance finden. Er darf sich nicht treffen lassen, muss in Bewegung bleiben und darf sich nicht vor Canelo hinstellen und mitmachen. Seine einzige Chance auf einen Sieg ist seine Explosivität. Aber er braucht wohl einen Glückstreffer, um zu gewinnen.

Welches sind die Schlüsselthemen in diesem Kampf?

Culcay: Wenn Canelo so kämpft wie gegen Golovkin, dann hat Jacobs keine Chance. Er boxt nicht typisch mexikanisch, ist immer variabel und sehr beweglich. Er weiß immer, wie er Treffer vermeiden kann und obwohl er der kleinere Mann ist, kann er mit der Größe seiner Gegner immer gut umgehen. Er ist ohnehin ein Konterboxer und kann auch jederzeit über Körpertreffer zum Erfolg kommen. Wenn Jacobs Erfolg haben will, muss er sich am Kampf von Floyd Mayweather gegen Canelo orientieren. Mayweather ist Canelo immer ausgewichen, hat ihn viel ins Leere schlagen lassen und ihn so ausmanövriert.

Wird der Größenvorteil tatsächlich überschätzt im Boxen?

Culcay: Dass Jacobs größer ist als Canelo, ist kein Vorteil. Kleine Boxer mögen es sogar, wenn der Gegner größer ist, da man schneller Lücken erkennt und in den Infight kommt. Größe- und Reichweitenvorteile sind also nicht so hilfreich, wie man meinen könnte.

Jacobs hat den Krebs besiegt. Eigentlich ist es ein Wunder, dass er überhaupt im Ring steht. Wie nahe gehen einem solche Geschichten, gerade wenn man selbst Boxer ist?

Culcay: Die Lebensgeschichte von Daniel Jacobs ist echt faszinierend. Dass er dann auch noch Weltmeister geworden ist, verdient absoluten Respekt.

Lassen Sie uns über Canelo sprechen. Was macht diesen Mann aus?

Culcay: Er kämpft sehr taktisch und ist in seiner Körper- und Kopfarbeit sehr variabel, ich hätte gerne gegen Canelo gekämpft. Er hat sehr jung als Profi angefangen und hat das zu seinem Vorteil genutzt.

Was würde ein Sieg mit Canelo machen? Ihm würde schließlich nur noch der Gürtel von Demetrius Andrade fehlen, um "Undisputed Champion" zu sein.

Culcay: Canelo hat sich schon häufig bewiesen. Dass er immer noch kritisch gesehen wird, kann ich nicht verstehen. Er wird sich gegen Daniel Jacobs den nächsten Gürtel schnappen und sich erst zufrieden geben, wenn er alle Gürtel im Mittelgewicht hat. Der WBO-Gürtel ist wie angesprochen aktuell in Besitz von Demetrius Andrade, aber der spielt nicht in der Klasse von Canelo. Ich habe selbst gegen ihn geboxt und hätte ihn geschlagen, wenn ich eine störungsfreie Vorbereitung gehabt hätte. Ich denke, dass Canelo Demetrius Andrade schlagen wird. Canelo wird lange Zeit Weltmeister bleiben.

Sie haben ecuadorianische Wurzeln und kennen die Bedeutung des Boxsports in Südamerika. Boxer genießen dort ein hohes Ansehen, oder?

Culcay: Also in Ecuador ist Boxen sehr wichtig, wenn jemand mit der Weltelite mitkämpft. Die Leute stehen ganz stark hinter einem und sind sehr stolz. Ich selbst habe das erfahren, als ich in Quito war. Das hat mich sehr positiv überrascht.

Canelo ist in Mexiko extrem populär.

Culcay: Canelos Bedeutung in Mexiko kann man mit der von Oscar De La Hoya vergleichen. Beide sind Volkshelden. Alle Mexikaner erwarten, dass Canelo gewinnt.

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Canelo Alvarez bekommt es in Las Vegas mit Daniel Jacobs zu tun.

Sie werden den Kampf für DAZN mit Uli Hebel kommentieren. Freuen Sie sich schon auf die neue Aufgabe?

Culcay: Natürlich, das ist mal was Neues für mich, als Experte so einen großen Kampf zu begleiten.

Lassen Sie uns zum Abschluss noch über Ihre Karriere sprechen. Sie haben den Ausscheidungskampf um eine Chance auf den IBF-Gürtel (aktuell bei Jacobs) zuletzt knapp gegen Sergiy Derevyanchenko verloren. Wie geht es bei Ihnen sportlich weiter?

Culcay: Der Kampf war eng. Das habe ich schon im Ring gespürt, dennoch habe ich bis zum Schluss gekämpft und niemanden enttäuscht. Das war mir sehr wichtig. Ich mache momentan noch eine Pause, aber ich denke, dass ich nächste Woche wieder mit dem Training beginne.

Welche Auswirkungen könnte der Canelo-Fight gegen Jacobs für Sie haben?

Culcay: Das weiß ich nicht so genau. Aber wie jeder weiß: Ich kämpfe gegen jeden Gegner.

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