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Fussball

Mit Kluivert, Galtier und den Ineos-Millionen: OGC Nizza als neuer Riese in Frankreich?

Von Marc Mechenoua

OGC Nizza mischt die französische Liga auf. Mittendrin: der bei Leipzig unglückliche Justin Kluivert. Ermöglicht wird der Höhenflug durch viel Geld.

Nach jahrelangem Reservistendasein, unter anderem auch bei RB Leipzig, blüht Justin Kluivert in dieser Saison bei OGC Nizza so richtig auf. Nun erklärte Sportdirektor Julien Fournier, wie es gelang, den umworbenen Offensivspieler von einem Wechsel an die Cote d'Azur zu überzeugen.

"Er kam von drei Vereinen, die in der Champions League gespielt hatten, und strebte vielleicht nach etwas anderem. Deshalb habe ich ihn während eines Spiels von OGC Nizza gegen Reims ins Trainingszentrum bringen lassen, bevor ich ihn aufsuchte. So konnte ich ihm die Einrichtungen zeigen und mit ihm ein Gespräch unter Ausschluss der Öffentlichkeit führen. Damals konnte ich ihm noch nicht sagen, wer der neue Trainer sein würde, aber ich sagte ihm: 'Du wirst sehen, wir werden einen Top-Trainer bekommen, vertrau mir'", erklärt Fournier im Interview mit SPOX und GOAL.

Nach diesem ersten Kennenlernen kam Kluivert noch einmal zurück, allerdings nicht allein, sondern in Begleitung seines Landsmanns Calvin Stengs. Der Offensivspieler, der ein knappes halbes Jahr älter ist als Kluivert, kokettierte ebenfalls mit einem Wechsel nach Nizza. Zu diesem Zeitpunkt stand der neue Trainer Christophe Galtier bereits fest, dieser hatte zuvor OSC Lille zum Meister gemacht.

"Wir schlossen uns einen Vormittag lang mit Christophe Galtier im Büro ein, und die Diskussion drehte sich um taktische Fragen. Wir haben auch erklärt, was wir als Verein tun wollen, welche Wettbewerbe sie spielen müssen, welche Konkurrenz sie haben werden und welche Ambitionen wir für sie haben", schildert Fournier. Das Konzept überzeugte schließlich beide Spieler, in Nizza zu unterschreiben.

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Justin Kluivert blüht bei OGC Nizza auf.

OGC Nizza nach Ineos-Übernahme plötzlich ein Riese?

Ohnehin gehört Nizza zu den heißesten Themen in Fußball-Frankreich. Im Schatten des in dieser Saison wieder einmal übermächtigen Paris Saint-Germain führt Nizza das "Verfolgerfeld" als Tabellenzweiter an, weit vor Klubs wie AS Monaco, Lille oder auch Olympique Lyon. Und das hat viel mit dem neuen Klubeigentümer zu tun. Im Juli 2019 kaufte Unternehmer Jim Ratcliffe über seinen Konzern Ineos den Verein und erschuf damit scheinbar direkt einen Riesen.

Denn Ratcliffe gehört zu den reichsten Männern Großbritanniens, Ineos ist bereits weit verzweigt im Sport. Unter anderem gehört dem Chemieunternehmen ein Drittel des Formel-1-Teams von Mercedes oder auch das frühere Radsportteam Sky, das nun unter dem Namen des neuen Geldgebers antritt.

Rounier macht keinen Hehl daraus, dass Ineos dem Verein neue Möglichkeiten verschafft, warnt aber davor, falsche Vorstellungen zu entwickeln. "Die Ankunft von Ineos wird auch von vielen Illusionen begleitet, weil es scheint, dass eine Flut von Geld in den Verein fließt, was überhaupt nicht stimmt", stellt er klar. Das Geld von Ineos ermögliche es nur, "an einer Mini-Liga mit anderen Ligue-1-Mannschaften teilzunehmen, die regelmäßig nach Europa streben können", erklärt er weiter.

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Christophe Galtier wurde in der Vorsaison Meister mit dem OSC Lille.

OGC Nizza setzt auf Familie statt Geld

Der größte Unterschied sei es, dass der Klub nun in der Lage sei, seine besten Spieler zu behalten, um eine schlagkräftige Mannschaft aufzubauen. "Früher hätten wir Amine Gouiri verkauft, ebenso wie Kasper Dolberg oder Khephren Thuram", schildert Rounier. Alle drei konnten aber gehalten werden und gehören zu den Leistungsträgern.

Neben der Überzeugungskraft der finanziellen Ressourcen versucht Rounier dabei auch, auf einen besonders familiären Umgang mit den Spielern zu setzen. "Ich versuche immer, mich bei ihnen zu Hause einzuladen", sagt er und lacht. "Und wenn das nicht klappt, treffen wir uns in den Privaträumen in Hotels. Wenn wir an einem jungen Spieler interessiert sind, versuche ich auch immer, mit den Eltern zu sprechen. Ich spreche gerne mit der Familie, nicht nur mit dem Berater, denn das erlaubt es mir, ein Gefühl für das Umfeld des Jungen zu bekommen", verdeutlicht Rounier.

Die prominenteste Verpflichtung vor der Saison gelang ihm aber auf der Trainerbank. Galtier setzte seine starke Arbeit aus Lille direkt fort. Und auch wenn die Meisterschaft wohl unerreichbar ist in dieser Saison, so hat er die Erwartungen bereits wieder übertroffen. "Wir hatten ihn ausgewählt und auch schon überzeugt, bevor er französischer Meister geworden war. Auch ohne den Ligue-1-Titel wäre er nach Nizza gekommen", stellt er klar. Den Ausschlag für Galtier als Nachfolger von Patrick Vieira gab schließlich dessen Führungsstärke.

"Die Diagnose, die wir gestellt haben, ist, dass wir - auch wenn die Ergebnisse in der letzten Saison durchschnittlich oder sogar unzureichend waren -, immer davon überzeugt waren, dass wir gute Spieler haben: Dolberg, Gouiri, Atal, Todibo, Dante und viele andere sind gute Spieler. Dem Klub fehlte es nur an Charakter, an Reife im Wettbewerb. Deshalb habe ich als eines der wichtigsten Kriterien einen Trainer ausgemacht, der Erfahrung auf höchstem Niveau hat, der eine Führungspersönlichkeit ist, denn wir brauchen einen Trainer mit Führungsqualitäten", erläutert Rounier.

 

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