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Fussball

Hull-City-Besitzer Acun Ilicali und sein unglaublicher Aufstieg: Vom Jeansverkäufer zum Klub-Besitzer in England

Von Fatih Demireli

Acun Ilicali (52) war einst ein Sportjournalist mit einem Einstiegsgehalt von 100 Dollar. Seit vergangener Woche ist der Türke nun Besitzer des englischen Klubs Hull City. Wie ein einstiger Jeansverkäufer seinen Kindheitstraum verwirklichte.

Cem Yilmaz ist einer der witzigsten Menschen der Türkei. Der inzwischen 48-Jährige hat die Standup-Comedy im Land salonfähig gemacht. Seine Vorstellungen sind ausnahmslos ausverkauft - auch international. Was sein Erfolgsgeheimnis sei, wurde Yilmaz mal gefragt. Er antwortete: "Ich mache keine Witze. Ich erzähle den Menschen, was im Leben passiert. Und sie lachen darüber. Und ich erzähle Dinge, über die ich selbst lache."

So auch in seinem aktuellen Programm Diamond Elite Platinum Plus. Dort erzählt Yilmaz, wie er für Ali Koc live im Fernsehen Geld sammelte - und sorgte für viele Lacher. Koc ist als Mitglied der mächtigsten Familie der Türkei einer der reichsten Männer des Landes. Als Koc Fenerbahce-Präsident wurde, startete er einen Spendenmarathon für seinen Klub, um die Fans für den horrenden Schuldenberg des Klubs zu sensibilisieren und sie an der Konsolidierung zu beteiligen.

Viele TV-Stars machten in diversen Live-Shows mit und riefen an der Seite von Koc zu Spenden auf. Einer von ihnen war Yilmaz. In seiner Show fragte er sich, wie er auf die Idee kommt, für einen milliardenschweren Mann Geld zu sammeln. Und er kam zu dem Schluss: "Das war Acun. Er hat eine unglaubliche Überzeugungskraft. Er kann dich von allem überzeugen."

Mit Acun ist Acun Ilicali gemeint, der Spende-Sendungen organisierte und moderierte. Über 20 Millionen Euro sollen so zusammengekommen sein. Ein riesiger Erfolg und es war nur eine weitere Episode der Erfolgsgeschichte des Acun Ilicali, der alles, was er angeht, mit Erfolg segnet. Nun hat der 52-Jährige das nächste Projekt am Start: Hull City.

Hull-City-Besitzer Acun Ilicali: 100 Dollar Einstieggehalt

Der englische Traditionsklub gab in der vergangenen Woche die Übernahme durch Ilicali bekannt. Für einen vergleichsweise läppischen Betrag von 24 Millionen Euro. "Ich freue mich, dass ich mir heute einen meiner größten Träume erfüllt habe", sagte Ilicali. Der große Traum war tatsächlich der Kauf eines englischen Fußballklubs, den er seit Jahren immer wieder mal äußerte. Dass er es geschafft hat, wundert die Ilicali-Kenner nicht wirklich. Dass er auch in Hull erfolgreich sein wird, erwarten sie schlichtweg.

Denn Ilicali hat das Spiel des Tellerwäschers, der es zum Millionär bringt, zu Ende gespielt und hat sogar noch ein paar Bonus-Runden draufgelegt. Ilicali war schon früh ein Stehaufmännchen. Nachdem die Karriere als Jeans-Verkäufer nicht lange hielt, kam er mit 20 Jahren durch einen Freund zum Sportjournalismus. Ein TV-Sender suchte fleißige Reporter, die gut sprechen können, aber nicht viel Geld verlangen.

"Für 100 Dollar habe ich angefangen, das war mein erstes Gehalt als Reporter", erzählt Ilicali. Er fand sich schnell zurecht und machte sich als rasender Fenerbahce-Reporter beliebt. Doch schon damals suchte er nicht den Ansatz des klassischen Berichterstatters. Weg von eisenharten News, hin zum Boulevard. Er besuchte Fußballer zuhause, ging mit ihnen einkaufen. Die Art kam im sonst bierernsten Fußballbusiness in der Türkei gut an.

Bei der WM 1998 schickte ihn sein damaliger TV-Sender nach Frankreich, um von dort über das Turnier zu berichten. Wochenlang tourte Ilicali mit dem Auto durch das Land. Vor dem Achtelfinalspiel Brasiliens gegen Chile kam ein Anruf aus Istanbul. Freunde organisierten eine Geburtstagsparty für Ilicalis Freundin Meryem. "Du bist die Überraschung", sagte ein Freund und bat den Reporter für eine kurzzeitige Heimreise. "Ich lehnte erst ab, aber ich liebte meine Freundin so sehr, dass ich dann für einen Tag nach Istanbul flog."

Mit "Berühr mich" wurde alles anders

Doch der TV-Sender, der sonst nie besondere Umstände bei den Telefon-Schaltungen forderte, wollte diesmal etwas Stimmung erzeugen. "Sie sagten mir, ich soll in die Stadt fahren, ein paar Brasilien-Fans aufgabeln und in ihrer Umgebung die Schalte machen. Aber ich war in Istanbul und konnte das natürlich nicht sagen", so Ilicali.

Er kam auf die bahnbrechende Idee, dass er das Partyvolk dazu animierte, für die Stimmung zu sorgen. Doch das Ganze ging nach hinten los. Als ihnen Ilicali während der Schalte das Handzeichen gab, jetzt den Brasilianern nachzumachen, stimmten sie ein türkisches Volkslied an. "Ich versteckte mich im Klo, damit man die anderen nicht mehr hört, aber ich flog auf." Schaut man sich die Schalte an, erkennt man auch, wie der Moderator im Studio misstrauisch wird.

Doch Ilicali wurde der Ausflug verziehen. Allerdings war es keine Erfüllung mehr, nur über Fußballspiele zu berichten. "Ich wollte mehr machen und nervte meine Vorgesetzten mit einigen Projektideen." Die Penetranz erfüllte ihren Zweck.

Er bekam seine eigenen Sendungen. Bei der ersten eigenen Show "Acun Firarda" bereiste er die Welt und sah sich Sehenswürdigkeiten an. Der wenig originelle Ansatz wurde dennoch zum Erfolg, weil Ilicali gewitzt moderierte und beim jungen Publikum ankam. 105 Länder kamen am Ende zusammen und öffneten die Tür für weitere Formate.

Zum Gamechanger wurde eine TV-Sendung, die übersetzt "Berühr mich" hieß. Mehrere Kandidaten mussten mit beiden Händen ein Auto berühren. Wer am längsten aushält, bekommt das Auto. Sponsor wurde ein Autohersteller, der sein Image in der Türkei aufpolieren wollte und vor allem die ständige Verwechslung mit Peugeot aus der Welt schaffen wollte. Weil aber der eigentliche Moderator in seiner allerersten Ansage sagte, dass es "hier einen Peugeot zu gewinnen" gibt, flog er raus. Ilicali übernahm und blieb fortan für immer im Showgeschäft.

Macher vom türkischen The Voice

Doch Ilicali wollte mehr. Er drängte seine TV-Sender, für die er arbeitete, für den Kauf weiterer Showformate aus dem Ausland. "Ich habe immer meinen eigenen Kopf aufs Spiel gesetzt. Ich habe gesagt, dass ich dafür geradestehe, wenn es nicht klappt." Doch mit jeder neuen Show kam der Erfolg. Und Ilicalis Macht stieg.

2013 machte er dann einen gewagten Vorstoß und sicherte sich die Rechte am TV-Sender TV8. Bis dahin ein Sender mit verschwindend geringem Marktanteil, machte er daraus einen Entertainment-Kanal mit den besten Shows des Landes, darunter der türkische Ableger von The Voice (u.a. mit Max Kruse) oder Survivor, Masterchef. TV8 wurde zum Quotenkönig und Ilicali zum TV-Mogul, der die Szene nun beherrschte. Mit besten Kontakten in Gesellschaft, Sport und Politik wurde er mit zur populärsten Figur des Landes.

Seine große Liebe blieb aber immer der Sport. Bei TV8 organisierte er Legenden-Turniere, die auch zu Quotenbringern wurden. Aber da ging mehr. Erst zeigte er ein paar Länderspiele bei TV8 - dann griff er in den großen Topf: Er holte die teuren Champions-League-Rechte, deren Kosten sich sich viele TV-Sender aufgrund der schwankenden Wirtschaft im Land nicht zutrauten. Seit Beginn dieser Saison ist sein Streamingdienst Exxen, wo bisher nur eigens produzierte Serien liefen, der exklusive Sender für Champions League, Europa League und Conference League.

Doch der Traum, Fußball nicht nur zu zeigen, sondern auch zu managen, sorgte beim Macher aus Istanbul für innere Unruhe. Ein Einstieg bei Fortuna Sittard in den Niederlanden hielt nur kurz, weil Ilicali das Projekt nicht erfüllte.

Es sollte eine Nummer größer sein. Schon seit 2021 gab es Gerüchte, wonach Ilicali Interesse an einer Übernahme von Hull City hätte. Zum einen, weil die bisherigen Eigentümer - die Allam-Familie - wohl bereit waren, ihre Macht abzugeben und zum anderen, weil Ilicali dort die Chance für ein Wachstum als hoch einschätzte.

"Für mich war Hull schon vorher ein großer Klub, aber wir können noch größer werden", sagt er. Bei seinem Empfang im MKM-Stadion in der letzten Woche wurde Ilicali schon mal sehr herzlich empfangen und mit "Acun, Acun"-Sprechchören empfangen. Und er sprach auch gleich die Fanseele an: "Ich komme von der Straße und ich weiß, wie es ist, Fan eines Fußballklubs zu sein."

Der Abstiegskandidat der Championsship beendete beim ersten Ilicali-Besuch auch auf Anhieb eine wochenlange Durststrecke und besiegte den Aufstiegskandidaten Blackburn Rovers. Der Mann hat eben Erfolg.

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