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Sechs Wochen 6. Liga, WM-Triumph mit 20, Ancelotti erinnert er an eine Legende: Das ist One-Touch-Knipser Calvert-Lewin

Von Lucas Neumann

Dominic Calvert-Lewin trifft unter Carlo Ancelotti beim FC Everton wie am Fließband. Sogar der Trainer-Veteran fühlt sich in vergangene Zeiten zurückversetzt.

"Ich hatte mit Inzaghi einen fantastischen Stürmer, der 300 Tore erzielte und 210 davon mit dem ersten Kontakt", schwelgte Evertons Trainer Carlo Ancelotti unmittelbar nach dem 5:2-Sieg gegen West Brom vor wenigen Wochen in Erinnerungen.

Immer am Rande der Abseitsposition, aber stets richtig positioniert, um den Ball über die Linie zu drücken - "Pippo" erlangte seinerzeit unter der Ägide Ancelottis aufgrund seines einzigartigen Positionsspiels sowie seiner perfekten Strafraumbeherrschung Kultstatus und gilt bis heute als einer der herausragendsten Knipser der vergangenen Jahrzehnte.

Dass sich Ancelotti nach der Partie gegen West Brom ausgerechnet an die Milan-Ikone zurückerinnert fühlte, ging auf die Leistung seines Mittelstürmers zurück. Dominic Calvert-Lewin hatte gegen die Baggies - quasi in Inzaghi-Manier - drei Tore mit der ersten Ballberührung erzielt und ging zugleich als jüngster englischer Hattrick-Schütze Evertons in die Vereinsgeschichte ein. Mittlerweile steht der 23-Jährige mit sechs One-Touch-Buden an der Spitze der Torjägerliste, erhielt von der Premier League die Auszeichnung zum Spieler des Monats September und erzielte bei seinem England-Debüt bereits nach 26 Minuten seinen ersten Treffer im Dienste der Three Lions.

"Ein Stürmer muss im Strafraum fokussiert bleiben. Calvert-Lewin versteht und verinnerlicht das sehr gut. Er hat Geschwindigkeit, Sprungkraft und ist physisch stark. Nun hat er auch noch sein Verhalten im Strafraum enorm verbessert", so Ancelotti, der Calvert-Lewin nach langer Anlaufzeit bei den Toffees in die Weltspitze hieven will.

imago images / PA Images

Dominic Calvert-Lewin: Legende bei einem Sechstligist

Calvert-Lewin stammt ursprünglich aus dem rund 150 Kilometer östlich von Liverpool gelegenen Sheffield. Nahe der Bramall Lane, Spielstätte seines Heimatklubs Sheffield United, durchlief er seit dem achten Lebensjahr die Nachwuchsabteilung der Blades. In jungen Jahren fand sich der großgewachsene Calvert-Lewin meist noch im Mittelfeld wieder, wie sich sein ehemaliger Trainer Keith Briggs im Gespräch mit SPOX und Goal und erinnert: "Er war eigentlich ein Box-to-Box-Spieler. Trotzdem hatte er schon immer ein Auge für das Tor, eine gute Technik und war sehr athletisch. Deshalb wurde er zunehmend in der Sturmspitze ausprobiert."

Mit 17 Jahren erlangte Calvert-Lewin erstmals größere Aufmerksamkeit, als er ein paar Wochen beim von Briggs trainierten Sechstligisten Stalybridge Celtic FC aushalf, in vier Spielen an acht Toren direkt beteiligt war und kurzerhand zum Lokalhelden avancierte. "Er gab dem ganzen Verein einen Schub und letztlich konnten wir die Klasse halten. Er ist so etwas wie eine Stalybridge-Legende geworden, obwohl er nur sechs Wochen hier war", sagte Briggs damals im Interview mit The Athletic.

Calvert-Lewins Leistungen blieben auch in der Heimat nicht unbemerkt und so feierte er wenige Wochen nach der Rückkehr sein Profidebüt für den damaligen Drittligisten Sheffield United. Es folgten weitere Fleißpunkte bei der Leihstation Northampton Town, ehe sich ein alter Bekannter hartnäckig um die Dienste des Angreifers bemühte.

Calvert-Lewin: Everton-Transfer & Lobeshymnen von Rooney

David Unsworth, der Calvert-Lewin noch aus seiner Zeit als Spieler in Sheffield bestens kannte, setzte nach seiner Anstellung als U23-Trainer Evertons alle Hebel in Bewegung, um den Stürmer nach Liverpool zu lotsen. "Als ich hier anfing, wusste ich sofort, dass ich ihn holen will. Dominic war technisch herausragend, stark in der Luft und ein guter Athlet. Diese drei Merkmale machten ihn so attraktiv", sagte Unsworth gegenüber The Athletic . Im Sommer 2016 wechselte Calvert-Lewin schließlich für eine Ablöse von 1,6 Millionen Euro von Sheffield United zum FC Everton. "Das war eine Chance, die ich nicht ausschlagen konnte", sagte der damals 19-Jährige im Gespräch mit The Star.

Während die erste Saison bei Everton mit vereinzelten Kurzeinsätzen in der Premier League gemächlich begann, folgte der größte Höhepunkt seiner bisherigen Karriere im Sommer 2017, als Calvert-Lewin die englische U20-Nationalmannschaft zum WM-Triumph schoss. "Für dein Land zu spielen und diesen WM-Titel zu gewinnen - davon träumt man als kleiner Junge", freute sich der 1:0-Siegtorschütze im Finale gegen Venezuela anschließend.

Mit dem WM-Titel im Gepäck etablierte sich Calvert-Lewin in der Folge zunehmend im engeren Mannschaftskreis der Toffees - auch dank des im Juni 2017 zurückgekehrten Altmeisters Wayne Rooney, der die Qualitäten des Youngsters regelmäßig hervorhob. "Dominic hat enorm viele Fähigkeiten. Wenn er sich auf diese Weise und in dieser Geschwindigkeit weiterentwickelt, ist er nicht nur die Zukunft, sondern bereits die Gegenwart. Wir zählen auf ihn", sagte Rooney vor Saisonbeginn 2017/18 im Interview mit dem Liverpool Echo.

Zwar sammelte Calvert-Lewin in der Folge vermehrt Spielpraxis in der Premier League, doch das Entscheidende ging ihm noch ab: Die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. Zehn Tore in 62 Premier-League-Einsätzen in den Spielzeiten 17/18 und 18/19 sind für die Ansprüche eines Mittelstürmers in der höchsten englischen Spielklasse - trotz Welpenschutz - schlicht zu wenig.

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