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Fussball

Moritz Jenz: Celtic Glasgows unbekannter deutscher Abwehrturm

Von Ruben Stark

In Deutschland ist Moritz Jenz beinahe gänzlich unbekannt. Nun hat der Berliner, der schon als Teenager nach England ging, beim ruhmreichen schottischen Topklub Celtic FC in Glasgow die Gelegenheit, sich auf großer Bühne ins Blickfeld zu spielen.

Sein Blick verriet großen Stolz, das Strahlen im Gesicht die pure Glückseligkeit. Als Moritz Jenz bei seiner Vorstellung das berühmte grün-weiß-gestreifte Trikot des Celtic Football Club hochhalten durfte, da war für den gebürtigen Berliner ein Traum in Erfüllung gegangen.

Für wen? Moritz wer? Moritz Jenz. Jahrgang 1999. Innenverteidiger. Vorbilder: Jérôme Boateng und Leonardo Bonucci. Als Teenager in die Nachwuchsakademie des FC Fulham gewechselt - und in Deutschland für die breite Öffentlichkeit ein völlig unbeschriebenes Blatt.

Für Celtic-Coach Ange Postecoglou offenkundig nicht. Der frühere Nationaltrainer Australiens hat Jenz als Verstärkung für den schottischen Meister ausgemacht. Nachdem er das 2:0 im ersten Heimspiel zum Saisonauftakt gegen den FC Aberdeen erstmal von der Bank aus erlebte, stand er beim folgenden Auswärtsspiel bei Ross County gleich 90 Minuten auf dem Feld - und stellte gleich mal mit seinem ersten Tor per Kopf zum 2:1 in der Schlussphase auf Sieg. Beim 5:0-Erfolg in Kilmarnock legte Jenz nur eine Woche später sein zweites Saisontor nach.

Jenz ist ein Abwehrspieler mit Gardemaß (1,90 m), ein bisschen Boateng lässt sich in ihm durchaus auch erkennen. Der 23-Jährige spielt nämlich gerne eben jene langen Diagonalbälle, die der Weltmeister von 2014 auf seinem Leistungszenit nahezu perfektioniert zu seinem Repertoire zählte. Jenz ist überdies physisch stark, ziemlich flott auf den Beinen, robust im Zweikampf und in Luftduellen ein unangenehmer Kontrahent.

Moritz Jenz: Von Lorient an Celtic ausgeliehen

Als reiner Zerstörer sieht er sich zudem nicht, wie er in seinen ersten Tagen bei Celtic erzählte. "Ich mag es, wenn ich das Spiel vor mir habe, wenn wir das Tempo diktieren können. Ich versuche, viel von meinen Vorbildern zu lernen", sagte Jenz und meinte eben dabei Boateng und Bonucci. Gelingt ihm dies konstant, sollte Celtic die Kaufoption ziehen, die der Europapokalsieger von 1967 bei der Ausleihe vom FC Lorient vereinbart hat.

Beim Klub aus der Bretagne steht Jenz noch bis 2026 unter Vertrag, doch in der Ligue 1 lief es nicht wie gewünscht und in Glasgow warben offenbar Fürsprecher wie Celtic-Legende Peter Grant, sein U23-Trainer beim FC Fulham und Matt O'Riley, sein bester Kumpel, den er ebenfalls bei Fulham kennenlernte.

So wurde der Deal begünstigt, der Jenz nun erstmals auf eine große Bühne hieven könnte, denn der Celtic FC wird in der neuen Saison in der Champions League dabei sein. Dann nimmt womöglich auch Fußball-Deutschland richtig Notiz vom großen Unbekannten.

Moritz Jenz: Als Teenie von Berlin nach London

Jenz wurde in Berlin groß und kickte für Alemannia 06 Haselhorst, den SC Siemensstadt und Tennis Borussia. Sein Horizont wurde schon früh geweitet, berichtete er bei seiner Antritts-Medienrunde in der schottischen Metropole. "Mit meinen Eltern bin ich oft gereist in viele verschiedene Länder, daher kommen auch meine Interessen", erzählte Jenz. Sehr oft hätte die Familie Museen angesteuert, sich für allerlei Geschichtliches begeistert. Die Veränderung der Umwelt durch den Klimawandel ist ein Thema, das ihn umtreibt.

Weniger anfangen kann er dagegen mit dem Jet-Set-Leben etlicher Profis heutzutage. "Ich halte es einfach und bin ein ziemlich privater Typ. Wenn du dein Hirn benutzt und eine Frau hast, die dich am Boden hält, dann passt das ganz gut."

So viel Reflektiertheit gewinnt offenbar, wer schon recht früh auf eigenen Beinen steht. Mitten in der Teenagerzeit wagte Jenz den Schritt aus Berlin nach London. In der Akademie des FC Fulham blieb er bis 2020, dann zog Jenz weiter zu Lausanne Sport in die erste Schweizer Liga und überzeugte so, dass 2021 etliche europäische Klubs die Ohren spitzten.

© Imago
Moritz Jenz will bei Celtic Glasgow durchstarten.

Moritz Jenz: Auf den Spuren von Andreas Thom und Co.

Auch Celtic war darunter, doch Jenz wählte Frankreich, wählte Lorient und verteidigte immerhin schon gegen Paris Saint-Germain und Lionel Messi. "Vielleicht ist es Schicksal", sagte er jetzt, als der Transfer sozusagen im zweiten Anlauf klappte.

Für Celtic, so merkte er an, habe er schon lange geschwärmt. Was auch an Grant gelegen haben kann, der ihm unter anderem davon berichtete, wie er einst mit Andreas Thom zusammenspielte, dem Deutschen, der bei Celtic den größten Eindruck hinterließ. Noch heute wird der frühere Nationalspieler, der einst der erste Fußballer war, der aus der DDR offiziell in die Bundesliga wechselte, bei den Hoops verehrt.

Jenz ist nach Thom, Andreas Hinkel, Marvin Compper und Jeremy Toljan nunmehr der fünfte deutsche Profi beim fast 135 Jahre alten Klub, der in Musik-Star Rod Stewart einen seiner größten Fans weiß.

Und wie gerne würde er sich im Trikot mit der Nummer "6" und starken Leistungen in die Herzen der Anhänger spielen. "Sie können erwarten, dass ich mich für diesen Klub zerreiße", sagte Jenz, "denn jeder träumt davon, für ein so tolles Team zu spielen."

Das hat schon mal gewirkt, denn online finden sich Fan-Kommentare wie: "Wenn er so spielt wie er spricht, dann wird dieser Kerl perfekt funktionieren."

Moritz Jenz träumt von Spielen für Deutschland

Irgendwann darf es für Jenz, der auch für Nigeria auflaufen dürfte, idealerweise noch mehr sein - Spiele für Deutschland zum Beispiel. "Hoffentlich schaffe ich eines Tages ein paar Einsätze, dann vielleicht ein paar mehr und dann, wer weiß: Womöglich spiele ich bei einer WM oder einer Euro."

In dem Fall würde er die Verheißungen seines Fulham-Coaches womöglich noch erfüllen.

"Als ich begann, ihn zu beobachten", erzählte Grant einmal der britischen Boulevardzeitung The Sun, "da glaubte ich ganz ehrlich, dass er es bis ganz noch oben schaffen kann. Aber als er jung war, ging es zu leicht für ihn." Auch Jenz räumt das ein: "Es gab Zeiten, da dachte ich: Und jetzt hol' ich mir eine Cola, einen Kebab und spiele eine Runde Playstation."

Aber weil das längst Geschichte und seine Arbeitseinstellung eine ganz andere ist, öffnen sich vielleicht doch noch ganz unerwartete Wege. Der in den Celtic Park ist schon mal ein ziemlich cooler gewesen.

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