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Fussball

FC Bayern - Louis Ngwat-Mahop im Interview: "Hummels meinte: 'Komm' Louis, heute gehen wir in die Disco!"

Von Nino Duit

Miroslav Klose ist der neue Cheftrainer des österreichischen Erstligisten SCR Altach, wo er künftig mit Co-Trainer Louis Ngwat-Mahop zusammenarbeiten wird. Genau wie Klose hat auch Mahop eine Vergangenheit beim FC Bayern: Er spielte in der Saison 2006/07 für die Münchner Reserve, ehe er den Klub wegen eines gefälschten Passes verlassen musste. In einem erstmals im März 2022 erschienenen Interview mit SPOX und GOAL erzählt der 34-jährige Kameruner seine Geschichte.

Ngwat-Mahop berichtet, wie der Wechsel zum FC Bayern und die Passfälschung zustande kamen - und was er in München erlebt hat. Mit Mats Hummels war er in der Disco, Hasan Salihamidzic verpasste ihm den Spitznamen "Louis Vuitton". Seit 2012 ist Mahop in unterschiedlichen Rollen für Altach tätig.

Herr Mahop, Sie sind in Kamerun geboren und aufgewachsen, leben aber schon seit zehn Jahren im österreichischen Altach. Kannten Sie das Land als Kind?

Louis Ngwat-Mahop: Den Namen hatte ich als Kind schon mal gehört, aber mehr wusste ich nicht. Erstmals in Österreich war ich während meiner Zeit bei Bayern. Ich wollte schon im Herbst unbedingt Schnee sehen. Weil es in München noch keinen gab, bin ich nach Österreich gefahren, habe ihn mir angeschaut und bin zurückgefahren.

Was gefällt Ihnen an Altach?

Ngwat-Mahop: Ich mag die Ruhe und die Nähe zu den Bergen. Manchmal gehe ich wandern. Ich war auch schon beim Snowboarden, aber da bin ich immer hingefallen. Vielleicht probiere ich es irgendwann nochmal.

Mittlerweile arbeiten Sie als Co-Trainer beim österreichischen Erstligisten SCR Altach - aber wie fing alles an? Was sind Ihre ersten Erinnerungen an den Fußball?

Ngwat-Mahop: Wir haben immer auf einem kleinen Platz zehn Minuten von meinem Elternhaus entfernt gespielt. Als Bub war ich am liebsten Tormann. Wenn meine Mannschaft 0:1 in Rückstand geraten ist, bin ich aber in den Sturm gegangen. Dann habe ich ein Tor geschossen und bin ins Tor zurückgekehrt. Mein erster Verein war der Dragon Club de Yaounde. Ich habe ein paar Spiele für die Jugendmannschaft gemacht, durfte aber schnell zu den Erwachsenen. Die haben in der zweiten Liga gespielt.

© imago images
Louis Ngwat-Mahop und Michael Rensing: 2006/07 spielten sie gemeinsam für die Bayern-Reserve.

2006 sind Sie im Alter von 18 Jahren zur Reserve des FC Bayern München gewechselt. Wie kam der Transfer zustande?

Ngwat-Mahop: Das lief über einen Spielerberater namens Yalla Krüger. Seine Familie stammt aus Kamerun, er hat aber in München gewohnt und hatte Kontakt zu Franz Beckenbauers Sohn. Sein Cousin lebte noch in Kamerun. Dort hat er mich zufällig spielen gesehen und Yalla von mir erzählt. Er kam dann nach Kamerun, um mich zu beobachten. Es wurde extra für mich ein Freundschaftsspiel zwischen zwei Erstligisten organisiert, bei dem ich als Gastspieler mitspielen durfte. Meine Mannschaft hat 1:0 gewonnen, ich habe das Tor gemacht.

Wie ging es weiter?

Ngwat-Mahop: Nach dem Spiel habe ich mich kurz mit den beiden unterhalten. Yalla ist zurück nach Deutschland geflogen, sein Cousin ist mit mir in Kontakt geblieben. Irgendwann meinte er: "Wir können dich beim FC Bayern unterbringen." Das konnte ich natürlich nicht ablehnen. Gemeinsam mit seinem Cousin habe ich mir auf der Botschaft ein Visum besorgt. Als das geregelt war, bin ich nach Deutschland geflogen. Yalla hat mich vom Flughafen abgeholt und in seine Wohnung gebracht. Von dort konnte man zu Fuß zu Bayerns Trainingsgelände gehen.

Und dann haben Sie direkt einen Vertrag unterschrieben?

Ngwat-Mahop: Nein, erst musste ich mit drei anderen Stürmern ein einwöchiges Probetraining absolvieren. Einer von uns sollte verpflichtet werden. Beim ersten Training hat uns Hermann Gerland 20 Minuten lang über den halben Platz Zwei-gegen-Zwei spielen lassen. Das war wirklich anstrengend. Nach dem Training hat Gerland zu Yalla gesagt, dass ihm meine Körpersprache nicht gefällt, weil ich den Kopf immer hängen lasse. In Deutschland heißt das, dass man müde oder traurig ist - aber das war ich gar nicht. Am zweiten Tag habe ich meinen Kopf ganz hochgehalten.

Dürfte sich ausgezahlt haben.

Ngwat-Mahop: Nach dem einwöchigen Probetraining meinte Gerland, dass ich zu Bayern wechseln darf und alles mit meinem Berater geklärt wird. Ich musste aber erst zurück nach Kamerun, weil mein Visum abgelaufen war. Yalla hat den Vertrag ausgehandelt, er war über zwei Jahre, glaube ich. Ich habe nicht einmal nachgeschaut, wie hoch mein Gehalt ist. Für mich war es ein Traum, zu Bayern zu wechseln. Daheim habe ich allen erzählt, dass ich es geschafft habe und bald für Bayern spielen werde - aber die meisten haben es mir nicht geglaubt. Nach drei Wochen war alles geregelt und ich durfte zurück nach München.

Hatten Sie Angst?

Ngwat-Mahop: Nein, ich habe mich nur gefreut. Bis dahin war Fußball für mich Spaß. Jetzt wurde es ernst.

Seite 1: Ngwat-Mahop über seinen Weg von Kamerun nach München

Seite 2: Ngwat-Mahop über einen Disco-Besuch mit Hummels und "Louis Vuitton"

Seite 3: Ngwat-Mahop über die Passfälschung, Sackerl und seine Ziele als Trainer

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