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Fussball

"Sie stürmten nachts in mein Zimmer": Wie Neymar und Ganso bei Santos ihren Trainer schockten

Von Oliver Maywurm

Neymar und Ganso sind zu ihrer gemeinsamen Zeit bei Santos unzertrennlich. Und eine Geschichte von damals wird sie ewig zusammen schweißen.

August 2011. Neymar, damals erst 19 und ein aufstrebender Star beim FC Santos, und sein bester Kumpel Ganso, sind nervös. Sie warten gebannt, sind auf dem Sprung. Eigentlich sollten sie schlafen, denn morgen früh ist Training. Doch darauf kann sich vor allem Neymar gerade nicht konzentrieren.

Dann die Gewissheit, sie müssen los, schnell ins Krankenhaus. "Als Neymar erfuhr, dass sein Sohn geboren werden würde, stürmten sie (Ganso und er, d. Red.) nachts in mein Zimmer und baten darum, sie vom Training freizustellen", wird Muricy Ramalho, damaliger Trainer von Santos, bei Bleacher Report zitiert.

Neymar und Ganso waren seinerzeit unzertrennlich, beide stammten aus dem Santos-Nachwuchs. Zwar ist Ganso knapp zweieinhalb Jahre älter als der heutige Superstar von Paris Saint-Germain, sie feierten 2009 aber zeitgleich ihren Durchbruch in der ersten Mannschaft des Traditionsklubs - und wurden in Brasilien zum Traumpaar schlechthin, zu den großen Hoffnungsträgern für die Zukunft der Selecao.

© getty
Neymar und Ganso waren seinerzeit unzertrennlich.

Ganso war bei der Geburt von Neymars Sohn dabei

Ramalho, ihr Coach von 2011 bis 2013, stimmte jedenfalls zu, ließ seine beiden Juwelen gehen und die Geburt des heute fast neun Jahre alten David Lucca da Silva Santos miterleben. "Neymar verdiente es. Solch einen Wunsch würde ich natürlich nie jemandem ausschlagen. Aber dass auch der Patenonkel mit muss? Das hatte ich noch nie in meinem Leben gesehen", erinnerte sich Ramalho lachend und fügte an: "Ich glaube immer noch, dass Ganso nur eine Ausrede suchte, um nicht trainieren zu müssen. Aber das war okay, sie sind großartige Jungs."

Dass Ganso neben Neymars Vater auch auf dem ersten gemeinsamen Foto mit dem Sprössling zu sehen ist, zeigt, wie eng das Band zwischen den beiden Edeltechnikern damals ist. Sie mussten früh mit den gleichen hohen Erwartungen umgehen, alleine das schweißte sie schon zusammen. Und auf dem Platz verstanden sie sich ohnehin prächtig: Ganso, mit einem begnadeten linken Fuß gesegnet, lenkte das Spiel aus dem Zentrum, verteilte die Bälle mit einer Eleganz, die ihres gleichen suchte. Und Neymar war in Santos' Offensive sowieso überall zu finden.

Luis Alvaro de Oliveira Ribeiro, früherer Präsident von Santos, beschrieb es in seiner Autobiografie so: "Neymar war wie Champagner oder ein spritziger Wein, mit sprudelnden Bläschen überall. So einer, den du öffnest, um eine riesige Party zu feiern. Ganso dagegen war wie ein Bordeaux-Wein. Einer von fantastischer Qualität, aber man trinkt ihn diskreter. Beides ist essenziell für ein gutes Dinner."

Im Gegensatz zu Neymar konnte Ganso die Erwartungen später allerdings nicht erfüllen. Er spielte nur achtmal für Brasilien, seine Versuche in Europa bei Sevilla und Amiens schlugen mehr oder weniger fehl. Im September 2012, ein Jahr vor Neymars Wechsel nach Barcelona, hatte er Santos in Richtung FC Sao Paulo verlassen, dort ein paar gute Spielzeiten verbracht. Und nach den Stationen in Sevilla und Amiens ist Ganso mittlerweile zurück in Brasilien, kickt seit Anfang 2019 für Fluminense.

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Ganso und Neymar: "Mit dem Laptop auf den Boden"

Auch Tostao, 1970 Weltmeister mit Brasilien und später einer der renommiertesten TV-Experten des Landes, versuchte sich in seiner Kolumne für die Zeitung Folha de Sao Paulo mal an einer Erklärung dafür, warum Ganso es nie so weit schaffte wie Neymar: "Ich sage das jetzt zum tausendsten Mal und bleibe dabei: Wenn er sich woanders hätte entwickeln können, wäre er so gut geworden wie Cesc Fabregas, eine Mischung aus Achter und Zehner. Ich vermisse eine Version von Ganso, die nie existierte."

Obwohl ihre Karrieren unterschiedliche Pfade einschlugen und sich Neymar und Ganso im Laufe der Jahre auch mal aus den Augen verloren - eine spezielle Verbindung zwischen den beiden wird ganz sicher für immer bleiben. Wegen der vielen Erinnerungen, zum Beispiel an jene Nacht im August 2011, als sie ihren Trainer aus dem Schlaf rissen, um bei der Geburt von Neymars Sohn dabei zu sein.

Oder an damals, als sie vor Freude ausflippten, weil Neymar erstmals auf dem Cover der größten Zeitung Brasiliens zu sehen war. "Damals hatten sie kein Smartphone, es gab noch kein Social Media, es war eine andere Zeit", erinnert sich Adilson Durante, seinerzeit Teil der Geschäftsführung von Santos, bei Bleacher Report. "Ich habe noch die Nacht vor Augen, als Neymar sein erstes Tor in der Copa Sao Paulo erzielte (bei einem 4:0 gegen Nacional, d. Red.). Nach dem Spiel klopften die beiden an meine Tür und Neymar sagte: 'Mein Vater meinte, dass ich auf dem Cover von UOL bin. Kann ich mir deinen Laptop ausleihen?' Sie setzten sich damit auf den Boden und waren fast zwei Stunden lang beschäftigt."

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