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Fussball

Ex-Bayern-Talent Flavius Daniliuc: Bei Real Madrid gemobbt, von Alaba zu Bayern geholt und jetzt bei Franck Ribéry

Von SPOX

© imago images / Lackovic

Sein Real-Wechsel wurde zum Albtraum. Dank David Alaba ging es für Flavius Daniliuc zum FC Bayern, von dort aus in die Ligue 1 und nun in die Serie A. Ein Wandervogel mit erst 21 Jahren, der noch eine große Zukunft haben könnte.

Im Frühjahr 2011 ging für Flavius Daniliuc ein Traum in Erfüllung. Aus der Jugend von Rapid Wien wechselte der damals Neunjährige zum spanischen Edelklub Real Madrid. Die Hoffnungen beim damals ersten Österreicher im Dress der Blancos waren groß - ebenso wie die Enttäuschung rund eineinhalb Jahre später.

Denn Daniliuc fand sich in Madrid nicht zurecht: Er hatte große Probleme in der Akademie, die Rede war von Mobbing. Ein älterer Spieler soll ihn nach einem Streit beim Spielen an der Playstation gar geschlagen haben. Daniliuc hatte die Nase voll, wollte weg von Real.

2015 wechselte er zum FC Bayern. Ein Transfer, bei dem ein langjähriger FCB-Star die Finger im Spiel hatte. Daniliucs Vater sagte der Krone: "Zum Glück kannten wir damals schon David Alaba. Er hat Flavius bei den Bayern empfohlen und den Wechsel eingefädelt."

David Alaba lotste Flavius Daniliuc zum FC Bayern

Alaba und Daniliuc waren einander im Dezember 2013 in Wien erstmals begegnet, es entwickelte sich eine Freundschaft. Alabas Empfehlung an die Verantwortlichen der Roten, einen Blick auf seinen Landsmann zu werfen, erwies sich als goldrichtig. Daniliuc, ein talentierter und vielseitig einsetzbarer Abwehrspieler, heuerte am 1. Januar 2015 offiziell in München an und entwickelte sich prächtig. Als Belohnung durfte er im Sommer 2017 erstmals bei den Profis unter dem damaligen Coach Carlo Ancelotti mittrainieren.

Ein Umstand, der Alaba frohlocken ließ. Er sagte der Bild: "Ich bin sehr stolz! Er ist ein super Junge, hat das sehr gut gemacht. Es freut mich für ihn und seine Familie, dass er mittrainieren durfte. Ich kenne ihn ja eine Weile."

2018 nahm der Guardian Daniliuc in seine jährliche Liste der 60 größten Talente der Welt auf. Beim FC Bayern rückte er als Kapitän in der A-Jugend in die Reserve auf und absolvierte in der Saison 2019/20 einige Partien in der 3. Liga. Allerdings ragte er dabei nicht heraus und ihm eilte auch nicht mehr der Ruf voraus, auf Sicht ein Mann für den exquisit besetzten Profikader sein zu können.

Daniliuc Vertrag lief aus. Die Bayern hätten ihn gerne gehalten, aber der U21-Nationalspieler (neun Einsätze für Österreich) entschied sich für ein neues Abenteuer und wechselte 2020 ablösefrei zu OGC Nizza.

© getty
Daniliuc spielt seit vergangenem Sommer in Nizza.

Flavius Daniliuc wechselte vom FC Bayern zu OGC Nizza

"Es gab mehrere Optionen. Bei der Entscheidung ging es immer nur um ein Thema: Welcher Schritt bringt mir am meisten? Wo kann ich die richtigen Entwicklungsschritte machen? Wo bekomme ich auf dem höchstmöglichen Niveau die meiste Zeit?", erklärte Daniliuc bei Sport1. "Nach diesen Maßstäben habe ich mit meinen Beratern abgewogen. Es war eine sehr bewusste Entscheidung für Nizza."

Und die Entscheidung entpuppte sich vorerst als goldrichtig. Der 19-Jährige etablierte sich schnell. Vor allem, nachdem sich Ex-Bayern-Star Dante im November 2020 das Kreuzband riss, erhielt er immer mehr Spielzeit.

"Er kam kurz danach zu mir und meinte: 'Du hast im Training schon gezeigt was du kannst, du hast dir diese Chance verdient. Jetzt liegt es an dir, sie zu nutzen'", berichtete Daniliuc von seinem besonderen Verhältnis zum früheren Bayern-Star.

Und obwohl Nizza zu Beginn 2021 mit William Saliba und Jean-Clair Todibo zwei hochveranlagte Spieler für die Innenverteidigung holte, behauptete sich Daniliuc. "Mir hat mal jemand bei Madrid erklärt, wie wichtig es ist, zu begreifen, dass man von anderen lernen kann. William Saliba und Jean-Claire Todibo bereichern mich", erklärte der österreichische U21-Nationalspieler: "Ich kann mir ganz viel abschauen. Wer Konkurrenz meidet, ist ein dummer Mensch. Ich bin 19 und freue mich, an der Seite von solchen Jungs zu wachsen."

Flavius Daniliuc und das nächste Abenteuer bei Salernitana

Und gewachsen ist er, obgleich das bei seinen 1,88 Metern Gardemaß lediglich in puncto Erfahrung zutrifft. In seiner ersten Saison war er zeitweise kaum aus der Startelf bei Nizza wegzudenken, machte 26 Pflichtspiele und per Kopf gegen Stade Rennes im Februar 2021 sogar seinen ersten Siegtreffer.

Er sei nach dem ersten Jahr "bestimmten Vereinen aufgefallen", verriet er im Gespräch mit Transfermarkt. Sein Berater habe entsprechende Meldungen und Nachfragen erhalten. "Wir haben mit Nizza gesprochen. Es war die beste Entscheidung, hierzubleiben." Und das obwohl sogar Größen aus der Serie A und der Premier League nachgefragt haben sollen.

Auch in seinem zweiten Vertragsjahr spielte Daniliuc regelmäßig, kam am Ende auf 27 Pflichtspiele und war besonders am Ende der Saison, als es für Nizza noch um das internationale Geschäft ging, gesetzt. Doch das reichte dem ambitionierten Österreicher nicht mehr. Konstant Spielzeit bekommen war das Ziel, um sich irgendwann in ferner Zukunft seinen Traum zu erfüllen, der trotz seiner bösen Erfahrung in der Jugend Real Madrid heißt. "Das habe ich mir in den Kopf gesetzt, dafür arbeite ich. Aber ich muss ans Jetzt denken. Real ist sehr weit weg. Ich muss noch so viele Dinge verbessern, um dort einmal hinzukommen", sagte Daniliuc.

Und obgleich erneut größere Klubs angefragt haben sollen, entschied sich der sprachbegabte 21-Jährige (spricht Spanisch, Deutsch, Rumänisch, Englisch und Französisch) für einen anderen Weg. Ende August teilte Nizza mit, dass sich der Wiener "auf der Suche nach mehr Spielzeit" US Salernitana anschließen werde. Einem Klub der zwar in Franck Ribéry eine absolute Berühmtheit in den Reihen hat, jedoch im ersten Jahr nach dem Aufstieg aus der Serie B nur mit Ach und Krach den Klassenerhalt schaffte.

Während er mit Nizza international in der Conference League unter anderem gegen den 1. FC Köln hätte spielen können, ging Daniliuc lieber in den Abstiegskampf der Serie A. Doch der vermeintliche Abstiegskandidat rüstete nicht nur mit Daniliuc auf. In Antonio Candreva, Boulaye Dia und Krzysztof Piatek verstärkten sich "I Granata" auch in der Offensive prominent.

Das spiegelt sich auch in den ersten Spielen der neuen Saison wider. Lediglich drei von sieben Spielen verlor Salernitana, trotzte der großen Alten Dame Juventus sogar ein 2:2 ab - mit Daniliuc in der Startelf. Der Plan des Innenverteidigers scheint voll aufzugehen: Seit seinem Wechsel stand er in jedem Spiel bis auf sein Debüt über 90 Minuten auf dem Platz, auch wenn es am Wochenende gegen US Sassuolo eine Klatsche setzte.

Er wird wohl die konstante Spielzeit bekommen, die er so dringend gesucht hat - und vielleicht war der vermeintliche Schritt zurück ein notwendiger auf dem Weg zu seinem Traum Real Madrid. Wohin es sein Freund David Alaba bereits geschafft hat.

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