WM 2018: Witali Mutko tritt als OK-Chef zurück

SID
Witali Mutko tritt als OK-Chef zurück
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Nun also doch: Russlands Vize-Premier Witali Mutko ist auch von seinem Amt als Chef des WM-Organisationskomitees zurückgetreten. Die Schlüsselfigur im Staatsdopingskandal war für Wladimir Putin nicht mehr tragbar.

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Russlands Machthaber Wladimir Putin hat im Kampf um das Image der Fußball-WM 2018 nun doch den Daumen über seinem Vize-Premier gesenkt. Witali Mutko trat unter dem Druck der Ermittlungen des Internationalen Olympischen Komitees im Staatsdopingskandal am Mittwoch auch von seinem Posten als Chef des WM-Organisationskomitees zurück - nachdem er sein Schicksal ausdrücklich in Putins Hände gelegt hatte. Der Staatschef opferte ihn.

"Ich werde mich auf meine Arbeit in der Regierung konzentrieren", teilte Mutko 169 Tage vor dem Eröffnungsspiel (14. Juni) zwischen Russland und Saudi-Arabien über die staatliche Agentur R-Sport mit: "Es gibt noch viel Arbeit zu erledigen, aber ich bin zuversichtlich. Alles wird pünktlich fertig sein." Der bisherige Generaldirektor Alexej Sorokin werde ab sofort das OK führen.

In einer ersten Reaktion bedankte sich der Weltverband FIFA bei Mutko für "seinen unschätzbaren Beitrag" an den WM-Vorbereitungen: "Die FIFA wird weiter eng mit dem nationalen Organisationskomitee unter seiner neuen Führung zusammenarbeiten - genau wie mit der russischen Regierung, dem russischen Verband und den Gastgeberstädten", sagte ein Sprecher dem SID.

Am Montag hatte Mutko (59) im Zuge eines strategischen Teilrückzugs vom Präsidentenamt beim russischen Fußballverband RFU noch angekündigt, das Organisationskomitee weiterhin zu leiten, sofern ihm Putin das Vertrauen schenke.

Der zog seine schützende Hand beiseite: Putin duldet keine Schmutzflecken auf seinem Hochglanz-Projekt WM, von dem er sich Ruhm und internationale Anerkennung verspricht.

Mutko als Schlüsselfigur identifiziert

Mutko wurde vom Internationalen Olympischen Komitee eindeutig als Schlüsselfigur im Skandal um die Heim-Winterspiele in Sotschi 2014 identifiziert, am 5. Dezember sperrte ihn das IOC lebenslang für Olympia. Damit stieg der Druck auf den Fußball-Weltverband FIFA, die Russen zum Handeln zu bewegen - und auf Putin höchstpersönlich.

Mutkos durchschaubarer Schachzug, die RFU-Präsidentschaft für sechs Monate ruhen zu lassen, um vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS zu ziehen, reichte nicht aus. Mutko ("Die WM-Vorbereitung soll nicht durch juristische Ermittlungen gestört werden") hatte damit seinen weit bedeutenderen OK-Posten zu retten versucht. Doch am Mittwoch fiel eine der prägenden Figuren im russischen Sport der vergangenen Jahrzehnte.

Als Bauernopfer Putins? So wirkt es zumindest. Mutko hatte eine Art Vertrauensfrage angekündigt. Über seine Position würden dann "Staatsoberhaupt, Regierungsspitze und Aufsichtsrat entscheiden". Er trete nicht zurück. Folglich wurde er nun zum Rückzug gedrängt.

Einen Organisator der gigantischen Weltmeisterschaft, der zugleich Staatsdoping bei Olympischen Spielen verantwortet haben soll, war für Putin und Russland nicht mehr tragbar. Schließlich hatte das IOC die "administrative" Verantwortung für das Dopingsystem von Sotschi ausdrücklich dem damals zuständigen Sportminister Mutko zugeschrieben. Dessen Aufgaben als RFU-Präsident hat bereits der vorherige Verbandsgeneralsekretär Alexander Alajew übernommen.

Die FIFA reagierte zurückhaltend. Mutkos Schritt vom Montag würdigte sie am ersten Weihnachtstag als "verantwortungsvollen Schritt" und "Entscheidung im besten Interesse der WM". Präsident Gianni Infantino hatte wenige Stunden vor der WM-Auslosung im Kreml am 1. Dezember hilf- und tatenlos danebengesessen, als Mutko zu einer Wutrede ausholte. Tenor: Es habe kein Staatsdoping gegeben. Mutko fühlt sich vom Westjournalismus verfolgt und verbreitete Verschwörungstheorien.

Doch Russland ist ganz offensichtlich getroffen. Das IOC hat selbst ohne Rückenwind durch die FIFA eine Reaktion erzwungen, die auch Putin nicht schmecken wird. Mutko ist ihm seit vielen Jahren ein treuer Gefährte - jetzt aber nicht mehr im Sport.

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